Grün ist die Farbe des Lebens und des stets sehnlich erwarteten Frühlings, die Farbe der Schönheit und der beständigen Liebe. Bereits im alten Rom hatte Grün eine besondere Bedeutung – man identifizierte damit Venus, die Göttin der Schönheit und der Liebe. Im Islam gilt Grün gar als heilige Farbe.

Die Natur offeriert unzählige Schattierungen von Grün. Doch keine Nuance, nichts anderes ist so faszinierend wie ein Smaragd. Dessen begehrteste Farbe ist schwer zu beschreiben: Das typische Smaragdgrün ist kraftvoll und von magischer Tiefe, glanzvoll, leuchtend und so charakteristisch, dass es dem edlen Stein seinen Namen bescherte. Smaragd kommt nämlich vom griechischen Wort «smaragdos» und bedeutet «grüner Edelstein».

Chrom trägt an der Farbe Schuld

Der wahre Ursprung der Farbe hat aber einen weitaus profaneren Namen: Winzige Spuren von Chrom sorgen dafür, dass der normale Beryll diese prachtvolle Farbe erhält. Weitere Mitglieder der Beryll-Gruppe sind der blaue Aquamarin, der gelbe Goldberyll, der grünlich gelbe Heliodor und der rosafarbene Morganit.

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Doch keiner ist so kostbar und angesehen wie der Smaragd. Seine Schönheit wird so hoch geschätzt, dass nicht einmal Einschlüsse seinen Auftritt mindern. Ganz im Gegenteil: Wenn sie in einem herrlich grünen Stein zu finden sind und weder Farbe noch Transparenz stören, gelten Einschlüsse sozusagen als Identitätsmerkmal.

Die feinen Risse und Einschlüsse, die in den meisten Smaragden zu finden sind, nennt man «Jardin» – Garten. Es ist ein Garten der Sinne, in dem sich der Betrachter verlieren kann. «Dadurch besitzt jeder Stein seinen eigenen Charme», schwärmt Pierre Rainero, Image, Style and Heritage Director von Cartier in Paris. Und: «Der Smaragd gibt seine Schönheit nicht sofort preis. Stattdessen kann man immer Neues in ihm entdecken und sich in ihn versenken.»

Die Schmuckgestalter lieben alle Formen und Schliffe des Smaragds. Bulgari kreiert glanzvolle Juwelen mit Smaragdperlen, Chopard gibt Smaragdherzcabochons einen prachtvollen Rahmen, und Cartier verwendet gravierte Smaragde, die durch Muster und Ornamente bestechen. So pflegt jede Juwelenmarke ihren eigenen Stil.

Bei Chopard erhält der Klassiker ein modernes, frisches Auftreten, indem man ihn mit Steinen ähnlicher Nuancen mischt. «Ich kombiniere den Smaragd gerne mit Grün- und Blautönen», sagt etwa Caroline Gruosi-Scheufele, Co-Präsidentin von Chopard, und gesteht ein heimliches Faible für den Smaragd. «Ich persönlich liebe diesen Stein sehr, weil ich die Farbe Grün besonders gern mag», so die Schmucklady. Sie stellt ihm grünes Tansanit-Pavé an die Seite, gibt helle bis dunkle Blautöne hinzu und wagt gar die Vereinigung mit dem violetten Amethyst.

«Das Arrangement sollte aber nicht zu bunt sein», sagt Gruosi-Scheufele. «Stattdessen gibt die zarte Kombination ähnlicher Farbnuancen dem Smaragd eine junge Frische.» Besonders gut ergänzt werde dies durch Gelbgold, das dem Smaragd einen warmen Glanz schenke.

Bei Bulgari liebt man es, den Smaragd mit anderen brillanten und intensiv farbigen Edelsteinen zu kombinieren, zum Beispiel mit rosafarbenen Saphiren, roten und violetten Spinellen, Türkis und Amethyst.

Typisch Cartier ist seit den 1920er Jahren der «Tutti-Frutti»-Stil, der das intensive Rot, Blau und Grün von Rubin, Saphir und Smaragd mixt. «Das ist sehr zeitlos und bis heute hochaktuell», erklärt Rainero. «Durch die kräftigen Farben ist dieser Schmuck Ausdruck starken Charakters und ein Statement von Originalität. Ihn zu tragen ist nicht eine Frage der Mode, sondern der Persönlichkeit.»

Und eine Frage des Geldbeutels: In Farbe und Transparenz besonders schöne Steine müssen teuer bezahlt werden. Derzeit besonders gefragt seien guten Qualitäten in einer Grösse von 5 bis 20 Karat, weiss Karl Vogler von der Firma Edigem in Luzern, die unter dem Dach der Gübelin-Holding Handel mit edlen Steinen betreibt. «Allerdings sind schöne Smaragde über 10 Karat sehr schwierig zu finden; die Preise sind in den letzten Monaten gestiegen», so Vogler.

Hauptlieferant bleibt Kolumbien

Die meisten Steine kommen nach wie vor aus Kolumbien. «Zu den berühmtesten Minen zählen Muzo, Cosquez und La Pita. Dort gefundene Smaragde erreichen aufgrund ihrer herausragenden Schönheit und Farbe sehr hohe Preise», berichtet Daniel Nyfeler, Geologe und Leiter des renommierten Edelsteinlabors Gübelin Gem Lab in Luzern. Traditionell berühmt seien zudem Steine aus Brasilien, Afrika, Afghanistan und Pakistan. Pakistans bekanntestes Smaragdgebiet sei das Swat Valley. «Viele Wissenschaftler vermuten, dass dort gefundene Smaragde bereits in gallisch-römischen Schmuckstücken verwendet wurden», erzählt Nyfeler.

Die grossen Juwelenmarken kaufen jedoch überwiegend in Kolumbien. Während Cartier bei ausgewählten Steinhändlern Kunde ist, bezieht Chopard Smaragde sogar direkt bei Produzenten und lässt Rohsteine vor Ort passend für die eigenen Designs schleifen.

Aufgepasst auf die feinen Risse

Eines ist bei der Auswahl der Steine allen grossen Marken wichtig: Man sucht nach möglichst unbehandelten Exemplaren, was recht mühsam sein kann. Smaragde weisen aufgrund ihrer geologischen Entstehung und ihrer Kristallstruktur, aber auch durch die Abbaumethode mit Sprengstoff oft viele feine Risse auf, die die Transparenz mindern. «Diese Risse lassen sich durch verschiedene Füllungen kaschieren», warnt Nyfeler. Dabei werden seit Jahrhunderten Öle eingesetzt, heute kommen auch Wachse oder Polymere zum Einsatz. «Deren optische Eigenschaften ähneln dem Smaragd, sodass aufgefüllte Risse kaum mehr erkennbar sind», erklärt Nyfeler. All diese Behandlungen müssen allerdings offen gelegt werden.

Um dennoch sicher zu gehen, empfiehlt Edelsteinhändler Vogler von Edigem, beim Kauf kostbarer Steine auf einen gemmologischen Report eines anerkannten Edelsteinlabors zu bestehen.