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Luxemburg als Brückenkopf für Schweizer Banken

Luxemburg: Das kleine Land positioniert sich als EU-Sitz für Schweizer Banken. Flickr/CC/Harshil Shah

Luxemburg hat kaum mehr Einwohner als der Kanton Tessin. Und trotzdem wächst der Finanzplatz immer weiter. Rund ein Dutzend Schweizer Institute haben in den letzten Jahren ihre Präsenz ausgebaut.

Veröffentlicht am 21.09.2015

Luxemburg positioniert sich in der EU als Brückenkopf für Schweizer Banken. In den vergangenen drei Jahren haben eidgenössische Institute ihre Präsenz im Grossherzogtum deutlich ausgebaut. Während das Schweizer Bankgeheimnis ausgehöhlt wurde und Verhandlungen zwischen der EU und der Schweiz über einen beiderseitigen besseren Zugang zu den Finanzmärkten ins Stocken geraten sind, sind die Banken mit dem Aufbau ihrer Präsenz in Luxemburg bestrebt, neue EU-Vorgaben zur Finanzmarktregulierung einzuhalten.

Insgesamt haben mindestens ein Dutzend Schweizer Institute ihre Basis in Luxemburg in den vergangenen drei Jahren ausgebaut. Das zeigen Daten, welche die Luxemburger Finanzmarktaufsicht CSSF veröffentlicht hat.

CS setzt auf Luxemburg

Die Credit Suisse etwa will die in Luxemburg verbuchten Vermögen binnen drei Jahren verdoppeln, sagt Romeo Lacher, Leiter Private Banking EMEA, im Interview mit Bloomberg. «Es ist ein stabiler Anker in der Europäischen Union.»

Steigert die Credit Suisse die Assets, wäre es für die gesamte Branche im Land ein Schub. Weltweit ist die CS der viertgrösste Vermögensverwalter und Luxemburg eines der grössten Buchungszentren innerhalb der Region EMEA.

Schnelle Umsetzung von EU-Recht

Das Vertrauen in das Land gründet auf dessen Bestrebungen, sich gegenüber London und Frankfurt als erste Anlaufstelle für Banken und Fondsmanager zu positionieren, die von hier ihre Dienste in der Europäischen Union anbieten.

Luxemburg, das sich einst auf sein Bankgeheimnis und die Duldung von Steuervermeidungsstrategien internationaler Konzerne verlassen hatte, hat die verwalteten Vermögen der vor Ort tätigen Gesellschaften zuletzt mit zügiger Umsetzung von EU-Richtlinien und Verordnungen nach oben getrieben. Dazu zählt u.a. auch das als Passport-Registrierung bezeichnete Zulassungsverfahren für Investmentfonds, die dann in allen Mitgliedsländern der EU vermarktet werden können.

Ein Siebtel der Schweiz

Mit einer Fläche von rund 2586 Quadratkilometern und rund 560’000 Einwohnern ist das Grossherzogtum etwas kleiner als der Kanton Tessin, wo rund 350’000 Menschen leben. Finanzfirmen verwalten aber mehr als vier Billionen Franken in Investmentfonds.

In Luxemburg werden nach Angaben von Boston Consulting Group private Vermögen in einer Grössenordnung von etwa 700 Milliarden Dollar verbucht. Zum Vergleich: Derselben Quelle zufolge belaufen sich die in der Schweiz verwahrten Vermögen auf 4,9 Billionen Dollar.

Aggressiver Vermarkter

Der Erfolg ist aber nicht nur bedingt durch ein regulatorisches Turbo-Umfeld. Das Benelux-Land tritt im Wettbewerb mit anderen europäischen Finanzplätzen aggressiver auf, sagt Olivier Marechal, der bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY in Luxemburg die Finanzdienstleister betreut. Hinzu komme, dass die Lebenshaltungskosten niedriger seien als in London.

Aber auch die 2017 in Grossbritannien geplante Volksabstimmung über den Verbleib des Vereinigten Königreichs in der EU wirft ihre Schatten und führt dazu, dass auch Frankfurt als Standort an Profil gewinnt. Julius Bär, die Nummer drei unter den Schweizer Vermögensverwaltern, etwa hat Frankfurt innerhalb der EU als primäres Buchungszentrum gewählt. Ähnliche Überlegungen werden möglicherweise den Ausschlag geben, dass auch die UBS ihr Wealth-Management-Geschäft innerhalb der EU in Frankfurt bündeln wird. Eine endgültige Entscheidung in dieser Angelegenheit sei aber noch nicht gefallen, sagt Banksprecher Serge Steiner.

(bloomberg/ise/hon)

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