Ausgefallene Kundenwünsche gehören zur Tagesordnung: Skis aus dem Holz des eigenen Waldes oder ultraleichte Tourenskis, die inklusive Bindung und Schuh nur 3,7 Kilogramm wiegen. Das hohe Preisniveau von Zai zieht eine spezielle Klientel an. Ein Paket von der kleinen Skimanufaktur aus Disentis GR, bestehend aus dem handgefertigten Ski, Bindung mit Platte, Karbonstöcken und Skisack, kostet je nach Modell zwischen 3300 und 9800 Franken. Der Preis hängt mit den speziellen Materialien zusammen. Der Kern des Skis besteht aus Holz oder Engadiner Granit.

«Perfeker Fahrgenuss hat eben seinen Preis», sagt Simon Jacomet. Der 47-jährige Gründer von Zai ist seit sieben Jahren vom Wunsch beseelt, den idealen Ski zu bauen. Leicht, biegsam und doch robust. Der Firmenname ist rätoromanisch und bedeutet «zäh». Ausdauer beweisen auch Jacomet und sein Geschäftsführer Benedikt Germanier: Selbst bei Schneegestöber und Eiseskälte sind die beiden stundenlang am Berg, um neue Kreationen zu testen. Jacomet der Designer und Künstler, Germanier der Zahlenmensch, zwei passionierte Skifahrer. Auf der Piste finden sie sich.

Als Käufer bevorzugen die Zai-Macher gute Skifahrer. Bei ihnen wisse er, warum sie kommen, sagt Jacomet. Dem Alpen-Jetset, der primär auf Statussymbole aus ist, kann er sich aus wirtschaftlichen Gründen trotzdem nicht verschliessen. Werden die Wünsche dieser Kundschaft jedoch zu abgehoben, blockt er ab. Einen Ski mit Diamanten würde Jacomet nicht herstellen. Solcher Schnickschnack passe nicht zur Firmenphilosophie. «Wir leisten uns nur Extravaganzen, welche die Fahrleistung steigern.»

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Umstrittene Qualität

Es gibt aber Zweifler, die sich fragen, ob Luxusbretter wie Zai ihren markanten Aufpreis tatsächlich wert sind. Die Prominenteste unter ihnen ist Vreni Schneider. Für die ehemalige Ski-Weltmeisterin und -Olympiasiegerin sind Markenski wie Fischer, Head, Rossignol oder Völkl bezüglich Fahrqualität das Mass der Dinge. Jacomet kontert: «Ich kann mich nicht erinnern, dass Vreni Schneider jemals unseren Ski getestet hat.» Er arbeitete früher für grosse Skiproduzenten, hatte aber genug von der Massenproduktion.

Trotz solcher Kritik ernannte die European Broadcasting Union Zai zum «offiziellen Ski» der Ski-WM 2011 im deutschen Garmisch-Partenkirchen. «Ein solches Mandat erhält nicht jede dahergelaufene Marke», sagt Germanier. Er hat diesen Coup ebenso eingefädelt wie die Kooperation mit der britischen Luxusautomarke Bentley. Resultate solcher Joint Venture sind der Zai-Hublot-Ski und der Bentley-Ski, Sonderanfertigungen für Liebhaber. Die Briten haben zur Produktion in Disentis ihren Kautschuk beigesteuert, der für Autokarossen verwendet wird.

Fabrikbesuche per Helikopter

Das Geschäft der Bündner Kleinfirma läuft ordentlich, wächst jedoch viel langsamer als ursprünglich erhofft. 1000 Paar Ski hat Zai in diesem Jahr verkauft. Das sind zwar 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Und für 2011 budgetiert Germanier schon 1300 Paaren. Von den 3300 Paar, die Zai einst euphorisch als Ziel für 2012 ausgab, ist man aber weit entfernt. Der Umsatz liegt heute bei rund 3 Millionen Franken. Der Chef will ihn - so seine neuen Pläne -innerhalb von drei bis fünf Jahren verdoppeln. Um dies zu schaffen, verstärkt Germanier den Vertrieb. Zai steht gegenwärtig in den Vitrinen von 81 Geschäften in zwölf Ländern.

Neben dem Kernprodukt Ski hat Zai für Helme, Mützen und Skibrillen eigene Kollektionen entworfen. Dazu werden Sonnenbrillen anderer Top-Labels verkauft. Diese Produkte generieren bereits 25 Prozent des Zai-Umsatzes. «Tendenz zunehmend», sagt Germanier. Zusatzeinnahmen sichert sich die Skifirma auch mit Besuchern, die per Helikopter aus Zermatt einfliegen, nur um die Fabrik anzuschauen. Die goldene Kreditkarte ist dabei.