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Einbruch
Luxuskonzern Richemont gibt Gewinnwarnung heraus

Uhrenwerk: Buchverluste mit Finanzinstrumenten belasten Richemont.Bloomberg

Der Luxusgüterkonzern geht für das abgelaufene Geschäftsjahr von einem um über ein Drittel tieferen Gewinn aus. Schuld sind Buchverluste mit Finanzinstrumenten. Die Aktie gibt nach.

Veröffentlicht am 22.04.2015

Die Titel von Richemont sind am Mittwoch im frühen Handel nach einer überraschenden Gewinnwarnung unter Druck. Der Luxusgüterkonzern geht einen Monat vor der offiziellen Zahlenvorlage davon aus, dass der Reingewinn im per Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr 2014/15 um 36 Prozent wegen Bewertungsverlusten im Finanzergebnis eingebrochen ist. Operativ sehen die Analysten das Unternehmen aber im Rahmen der Erwartungen oder sogar besser gestellt.

Die Aktie verliert gegen 9.45 Uhr 1,6 Prozent auf 81,80 Franken - in einem ansonsten freundlichen Gesamtmarkt. Auch seit Jahresbeginn hatten die Titel einen rückläufigen Lauf und haben den markanten Einbruch nach dem SNB-Entscheid nicht wieder wettgemacht. 2014 blieb der Kurs stabil.

Reingewinn unter den Erwartungen

Die Gewinnwarnung komme überraschend, und der in Aussicht gestellte Reingewinn sei «klar» unter den Erwartungen, kommentiert die Bank J. Safra Sarasin. Offenbar habe der Konzern stärkere negative (Währungs-)Effekte oder Positionen gehabt als erwartet. Die UBS war bisher von einem schwächeren Gewinnrückgang von 13 Prozent ausgegangen, die Société Générale von -18 Prozent. SocGen war zudem auch von höheren Netto-Cashpositionen Ende März ausgegangen, so auch Kepler Cheuvreux.

Die vorläufigen Zahlen zu Umsatz sowie Betriebsgewinn bewerten Analysten hingegen als mehr oder weniger im Rahmen der Erwartungen - so etwa Sarasin, die UBS und Vontobel. Die operative Performance entspreche mit einer angekündigten Zunahme des Betriebsgewinns um 10 Prozent den Erwartungen, so etwa der zuständige Vontobel-Analyst. Angesichts der jüngsten Entwicklung werde er daher zwar die Schätzungen überarbeiten, empfiehlt die Aktien aber weiter zum Kauf.

Starker Franken belastet

Die ZKB spricht angesichts der vorläufig publizierten Zahlen für Umsatz, Ebit und Nettocashpositionen gar von einer Performance über dem Konsens bzw. der eigenen Erwartungen. Beim Reingewinn war die Bank zudem bereits zuvor von einem Rückgang von 30 Prozent ausgegangen, und mit den effektiven Fremdwährungskursen per Ende März 2015 wäre man «auf eine noch tiefere Schätzung gekommen». Dies, weil der Dollar sich seit einer Schätzung im Januar erholt habe, was zu Verlusten auf den Hedgepositionen geführt habe, schreibt der zuständige Analyst.

Der grösste Teil der Verluste im Finanzergebnis sei allerdings auf den gegenüber dem Schweizer Franken tieferen Euro zurückzuführen, was bereits im Januar klar war, vom Konsens aber so noch nicht berücksichtigt worden sei, schreibt der ZKB-Experte weiter. Diese Euro-Verluste würden aus signifikanten Euro-Cashposition resultieren, die obwohl Richemont in Euro rapportiert, jeweils gemäss IFRS in Franken umgerechnet werden müssten.

«Schaden nicht so schlimm»

Trotz der stärker negativen Währungseffekte als gedacht, sollte «der Schaden» dennoch nicht «zu schlimm» ausfallen, da diese nicht cashwirksam seien und Richemont über einen solide Bilanz verfüge, schreibt Sarasin. Die Visibilität sollte sich nun verbessern und das «Buy»-Rating werde beibehalten.

Positiv ist nach Ansicht von Société Générale zudem, dass angesichts des Mergers der Online-Tochter mit Yoox Net-a-Porter nun im Zahlenrapport als «gehalten zum Verkauf» geführt wird, und die Erträge aus nicht fortgeführtem Geschäft betrachtet werden. Zuvor hatte die Bank angenommen, dass der Bereich nach der Equitymethode konsolidiert werde. Man bleibe "langfristig Fan" und sehe den sich grundsätzlich positiven Trend fortsetzen, schreibt auch Kepler.

Betriebsgewinn um 10 Prozent gestiegen

Hintergrund der Gewinnwarnung von Richemont sind nicht-cashwirksame Verluste aus Neubwertungen finanzieller Instrumente wie etwa monetäre Positionen und Derivate. Die Mehrheit dieser nicht-cashwirksamen Verluste sind nicht steuerwirksam, wie es hiess. Daher gehe man zusätzlich von einer «signifikant» höheren effektiven Steuerquote für das Jahr aus. Die Bewertungsverluste hätten allerdings keinen materiellen Einfluss auf die Nettoliquidität des Unternehmens, die Ende März bei etwa 5,4 Milliarden Dollar lag, hiess es.

Richemont geht zudem davon aus, dass der Umsatz im Geschäftsjahr per Ende März - inklusive der Online-Tochter Net-A-Porter, die als «zum Verkauf» klassifiziert wird - um 5 Prozent bzw. um 2 Prozent bei konstanten Wechselkursen gestiegen sein dürfte. Nach der Bekanntgabe der Fusion mit dem italienischen Internet-Kleiderhändler Yoox würden die Ergebnisse von Net-A-Porter nun jedoch als «nicht-fortgeführtes Geschäft» für die Geschäftsjahre per Ende März 2015 und per Ende März 2014 geführt werden. Dies habe aber keinen materiellen Einfluss auf den Betriebs- oder Reingewinn der Gruppe der Geschäftsjahre 2013/2014 und 2014/2015, hiess es dazu.

Details im Mai

Ohne das «nicht-fortgeführtes Geschäft» stiegen die Verkäufe der Gruppe um 4 Prozent bzw. 1 Prozent bei konstanten Wechselkursen. Der Betriebsgewinn dürfte zudem einen Anstieg von 10 Prozent erreichen - einschliesslich eines Ertrags aus einer Veräusserung einer Anlageimmobilie.

Am 22. Mai sollen die detaillierten Zahlen für das Geschäftsjahr 2014/15 veröffentlicht werden.

(awp/reuters/dbe/ama)

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