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LVMH-Chef Bernard Arnault investiert in aufpolierte iPhones

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Restaurierte Telefone, fast wie neu. Das verspricht das Pariser Startup BackMarket. Quelle: NurPhoto/Getty Images

Umweltbewusst: LVMH-Chef Bernard Arnault investiert in ein Startup, das Smartphones restauriert und wieder verkauft.

Von David Torcasso
am 21.06.2018

Der Vorwurf lastet den grossen Smartphone-Herstellern wie Apple, Samsung oder Huawei schon lange auf den Schultern: Sie produzieren Smartphones als schnellebige Konsumartikel. Sei es mit ständigen Updates der Betriebssysteme oder durch immer wieder neue Modelle, die sie auf den Markt werfen. Vor einigen Monaten kam heraus, dass Apple die Akkus der älteren iPhone-Modelle absichtlich verlangsamt

Trotzdem läuft das Smartphone-Business in der Schweiz wie geschmiert: 2017 wurden rund 3,3 Millionen Handys verkauft. Weil sich Smartphones technisch aber nicht mehr so rasant erneuern wie vor einigen Jahren, ist die Zahl leicht zurückgegangen. Trotzdem: Viele Konsumenten wollen anscheinend das neuste Smartphone-Modell in der Tasche haben. Schweizer Jugendliche ersetzen es laut einer Studie alle zwei Jahre. Auch wenn das «bekannteste» Smartphone – das iPhone – laut einer Berechnung eines Analysten eine Lebensdauer von vier Jahren und drei Monaten hat.

Günstiger und fast gleichwertig

So werden nach wie vor viele Smartphones in den Müll geworfen und erzeugen einen Berg von Elektroschrott. Das französische Startup BackMarket möchte dieser Entwicklung entgegenwirken und haucht Smartphones, Tablets oder Laptops neues Leben ein.

Das Startup restauriert gebrauchte Elektronikartikel in verschiedenen Werkstätten, baut es auseinander, ersetzt Teile und macht sie wieder «so gut wie neu». Dabei werden bei den restaurierten Smartphones frische Akkus eingesetzt oder neue Kopfhörer mitgelierfert. Ein iPhone 7 kostet knapp 450 Franken, ein MacBook Pro 13 Zoll rund 620 Franken. Mittlerweile kann man die Handys in verschiedene Länder bestellen.

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Unterstützung von einem, der auch in der Schweiz Geschäfte macht

Nun hat auch der reichste Mann Frankreichs – Bernard Arnault – das Potenzial dieses Startups erkannt. Arnault ist Chef des Luxusgüterkonzern LVMH und besitzt laut Forbes ein Vermögen mit von rund 75 Milliarden Dollar. Der Firmennamen LVMH setzt sich aus der Fashion-Brand Louis Vuitton, dem Chamapgner-Produzenten Moët & Chandon sowie Cognac-Hersteller Hennessy zusammen.

Zu dem Konzern gehören auch Schweizer Uhrenmarken wie TAG Heuer, Zenith oder Hublot. In einer Finanzierungsrunde hat das Pariser Jungunternehmen rund 41 Millionen Euro eingesammelt. Neben Arnault war auch der Investmentfonds Eurazeo, der ebenfalls in Paris sitzt, beteiligt. 

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Trotz seiner Milliarden umweltbewusst: Bernard Arnault
Quelle: Keystone .

Das neue Neu

Mit dem frischen Kapital möchte das Startup den amerikanischen Markt erobern. «Wir wollen ein echter Global Player werden», sagt BackMarket-Chef Thibaud Hug de Larauze gegenüber dem Online-Magazin «Retail Detail». Der Markt für solche Geräte werde wachsen, das Potenzial würde mehrere Milliarden Euro betragen, sagt der Gründer.

Den Ansatz seines Unternehmens erklärte er im Online-Magazin «Detektor»: «Wir wollen einen sinnvollen Konsum demokratisieren. Den Konsum von morgen. Wir glauben: Wiederaufbereitet ist das Neu von Morgen. Das neue Neu sozusagen». Das Ziel sei, die führende Plattform für wiederaufbereitete Elektronik zu werden. Damit sind die Pariser zwar nicht alleine auf dem Markt unterwegs, aber dank ausgeklügelten Algorithmen und Bewertungen räumen die Investoren dem Startup gute Chancen ein.