Nicht alle Unternehmen trifft die von der Finanzkrise ausgelöste Wirtschaftsabschwächung gleich stark. Neben Branchen, die von einer besonders negativen Dynamik geprägt und von einem starken Bestellungsrückgang betroffen sind, reagiert eine weitere Gruppe von Firmen sehr empfindlich: Unternehmen, die sich noch vor kurzem stark verschuldet haben - infolge eines Leveraged Buyouts (mit Private-Equity-Gesellschaften als Eigentümer), durch Akquisitionen oder Erweiterungsinvestitionen.

In den vergangenen Jahren bot eine Verschuldung interessante Möglichkeiten, da Bankdarlehen relativ günstig und vor allem in hohem Masse verfügbar waren. In der aktuellen Wirtschaftslage aber stellen die eingegangenen Verpflichtungen eine grosse Belastung für diese fremdfinanzierten Geschäftsmodelle dar.

Kreditnehmer im Verzug

Jetzt verfolgen die Banken besonders aufmerksam, ob ihre Kunden die Kennzahlen, sogenannte Financial Covenants, einzuhalten vermögen. In den Kreditverträgen sind präzise Anforderungen an den Cashflow und andere Finanzkennzahlen definiert. Bei einer negativen Geschäftsentwicklung lassen sich diese Vertragsbestimmungen nicht mehr einhalten, und die Banken sind damit konfrontiert, dass ihre Kredite nicht mehr bedient werden können. Ob und wie eine Besserung herbeigeführt werden kann, das müssen die Betroffenen rasch analysieren und entscheiden.

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Vor allem die Eigentümer sind in dieser Situation gefordert. Neben den üblichen Restrukturierungsmassnahmen, etwa die Produktionskapazitäten anzupassen, ist es oft nötig, dass die Eigner zusätzliches Geld einschiessen. Die Aussichten, diese neuen Mittel angemessen verzinsen zu können, sind jedoch gering. Vielmehr geht es darum, der Unternehmung Zeit zu verschaffen, um weitergehende Massnahmen planen und umsetzen zu können. Oft werden die Banken aufgefordert, ebenfalls einen Beitrag an die Sanierung zu leisten, indem sie ihre Schulden ganz oder teilweise abschreiben.

In diesen Fällen müssen sich die finanzierenden Banken genau überlegen, wie sie ihren drohenden Schaden minimieren können. Die Möglichkeiten reichen von der Abschreibung ihrer Forderungen bis hin zur Bereitstellung neuer Mittel, allenfalls mit einem Wandelrecht in Aktien. Gelingt dies nicht, stellt sich die Frage, ob die Firma liquidiert oder durch einen Notverkauf einem neuen Besitzer übergeben werden soll. Den Notverkäufen ist gemeinsam, dass die bisherigen Eigner ihr Unternehmen weitgehend oder vollständig verlieren.

Zeit für «Schnäppchen»?

Neuen Investoren können Notverkäufe einen attraktiven Einstieg bieten. Aus Sicht der Eigner führen tiefere Cashflow-Prognosen zu tieferen Unternehmenswerten. Verschlechtern sich zudem die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen oder Zukunftsaussichten, dann reduziert sich nicht nur der Ebitda, sondern auch die von vergleichbaren börsenkotierten Unternehmungen abgeleitete Bewertung der Unternehmen, der sogenannte Ebitda-Multiple.

Gehen wir der Frage nach, worin sich ein Notverkauf von einem üblichen Verkauf unterscheidet. In solchen Situationen steht die Erhaltung von Liquidität zuoberst auf der Prioritätenliste. Der Prozess sollte in ein bis zwei Monaten abgeschlossen sein. Unter diesem Zeitdruck versteht es sich, dass die Due Diligence wesentlich kürzer als üblich ausfällt. Auch ist es nicht möglich, eine breit abgestützte Auktion durchzuführen. Meist werden wenige strategische Käufer aus der Branche kontaktiert und ohne Umschweife über die angespannte Situation orientiert.

Dies setzt voraus, dass der beauftragte Berater mit der Branche vertraut ist und nicht nur die offensichtlichen Käufer identifizieren kann. Finanzinvestoren, die sich auf Restrukturierungen spezialisieren, werden ebenfalls angefragt. Der Käufer kann verhältnismässig günstig ein Unternehmen übernehmen, gleichzeitig muss er aber auf sonst übliche, weitgehende Garantien und Gewährleistungen verzichten. Deshalb kommen als potenzielle Investoren vor allem Branchenkenner in Frage.

Das gegenwärtige Umfeld bietet strategischen Käufern die Chance für gezielte Akquisitionen. Bei tieferen Bewertungen ist es derzeit günstig, sich zusätzliche Marktanteile zu sichern oder in andere Bereiche zu diversifizieren. Allerdings müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein, damit die Übernahme einer Unternehmung in einer solchen Phase zum Erfolg führt: Es braucht die Kenntnis der Ursachen, die zum Notverkauf geführt haben, klare Vorstellungen betreffend die erforderlichen Restrukturierungsmassnahmen sowie eine fristengerechte Finanzierung. Bei der Finanzierung müssen sich nicht alle Unternehmungen Sorgen machen. Einigen stehen Bankfinanzierungen weiterhin offen, andere verfügen über ausreichend flüssige Mittel und brauchen sich nicht zu verschulden, um Firmen zu akquirieren.

Fazit

Der M&A-Markt bleibt in Bewegung. In der angespannten wirtschaftlichen Lage eröffnen sich strategischen Investoren neue Möglichkeiten. Und Private-Equity-Gesellschaften und Kreditgeber können den durch die Krise verursachten Schaden mit rasch durchgeführten Firmenverkäufen zumindest begrenzen.