Clariant ist ein Paradebeispiel. Jüngst flammte das Gerücht wieder auf, die deutsche Konkurrentin Lanxess wolle für das Spezialitätenchemieunternehmen bieten, was der Aktie gerade mal eben einen Tagesgewinn von 10% bescherte. Helvea-Analyst Martin Flückiger rät aber davon ab, bei Clariant auf eine Übernahme zu wetten; zu viele Argumente sprechen dagegen. Auch beim potenziellen Kandidaten Julius Bär gibt es Gegenargumente .
Die Spekulationen nehmen zum Teil exzessive Züge an, worin einzelne Händler bereits erste Anzeichen einer Überhitzung sehen. Etliche Gerüchte sind zwar nur Schall und Rauch, andererseits hat es bisher aber auch kaum grössere Deals gegeben, denen nicht Gerüchte vorangegangen wären. Wie kürzlich bei Converium: Der französische Konkurrent Scor hat die Übernahme durchgebracht.

M&A-Rekordjahr erwartet

«Der Verkauf von Converium zeigt, dass auch künftig in der Schweiz grössere Transaktionen nicht auszuschliessen sind», sagt Martin Kesselring, Joint Head UBS Investment Banking Schweiz. Der M&A-Experte rechnet mit weiteren Übernahmen im Industriebereich und verstärkt auch im Finanzsektor, bei Banken und Versicherern gleichermassen. Unfreundliche Übernahmen hätten analog zum europäi-schen Markt zugenommen und dürften wahrscheinlich etwa auf diesem Niveau bleiben. «Die Schweiz geht in Sachen M&A auf ein weiteres Rekordjahr zu», so Kesselring. Letztes Jahr betrug das Übernahmevolumen rund 47 Mrd Dollar, 2007 dürften es wohl ähnlich viele werden. Doch das M&A-Geschäft ist zyklisch. «Da ein Zyk-lus normalerweise fünf bis sieben Jahre dauert, würde dies für eine Abschwächung nach 2008 sprechen», erklärt Kesselring.

Zug schon fast abgefahren

Noch läuft das Übernahmekarussell an der Börse auf Hochtouren und treibt die Kurse an. «Generell ist der Zug aber schon fast abgefahren, um noch auf Übernahmekandidaten zu setzen», sagt Lorenz Burkhalter vom Börseninformationsdienst swissmarketpulse.ch. Im derzeitigen Umfeld seien solche Spekulationen mit hohen Risiken verbunden. Auf das richtige Pferd zu setzen, ist schwierig. Der Investor muss wie bei jedem anderen Anlageentscheid Chancen und Risiken gegeneinander abwägen. In den Augen eines Händlers hat aber etwa die Ascom-Aktie beim aktuellen Kurs-niveau ein attraktives Chancen-Risiko-Profil (siehe Tabelle). Vorteilhafter ist es, nicht alles auf eine Karte zu setzen, sondern das Risiko mit Zertifikaten zu streuen. Die Bank Vontobel hat einen Voncert auf den «Swiss M&A II» Basket (Valorennummer 2904443) ausgegeben, in dem aktuell die Aktien der potenziellen Übernahmekandidaten Vögele, Jelmoli und Inficon am stärks-ten gewichtet sind. Der Tracker der Basler Kantonalbank basiert auf einem Takeover-Basket (2915280), bestehend aus zwölf Schweizer Titeln, unter anderem Von Roll, SEZ und Rieter. An der Konsolidierung im europäischen Bankensektor lässt sich etwa mit dem Takeover-Candidates-Zertifikat «GUUSE» (2776369) von Merrill Lynch teilhaben. Das Open-End-Zertifikat auf den ABN Amro M&A Europe-Index setzt allgemein auf Deals in Europa.
Angesichts des baldigen Ablaufs der Haltefrist für die 20,7%ige Be-teiligung der UBS an Julius Bär überraschen die Übernahmegerüchte um die Privatbank nicht. Für Aufsehen haben allerdings deren Vielfalt und Intensität sowie die starke Kursreaktion gesorgt. Innert Wochenfrist schoss die Aktie von Julius Bär um fast 8% in die Höhe, UBS legte 2,5% zu.
So kursiert etwa, die Deutsche Bank könnte die Beteiligung der UBS erwerben, um danach Julius Bär zu übernehmen. Mit einem Verkauf des gesamten Pakets würde die UBS zwar eine Prämie erlösen, damit dem Konkurrenten aber auch Tür und Tor zum Schweizer Markt öffnen. Ein weiteres häufig gehörtes Gegenargument ist, dass bei einer Übernahme durch die Deutsche Bank zumindest die deutschen Kunden abwandern würden. Inzwischen lassen die Deutschen auch verlauten, dass gegenwärtig keine Privatbank zu ihnen passe. Da die Grossbank wiederholt darauf hingewiesen hat, dass es sich bei der Beteiligung an Julius Bär um eine reine Finanzanlage handelt, wird am Markt damit gerechnet, dass der Anteil demnächst abgestossen wird. Etwas anders sieht dies Ray Soudah, Fusionsberater und Gründer von Millenium Associates. «Die Beteiligung an Julius Bär ist eine derart gute Anlage, dass die UBS das Paket vielleicht gar nicht oder erst viel später verkaufen wird», sagt Soudah. Grundsätzlich könnten aus seiner Sicht verschiedene Bankinstitute als mögliche Bieter für Julius Bär in Frage kommen. «Wie der Fall ABN Amro gezeigt hat, ist in einem freien Markt alles möglich», so Soudah. Falls die UBS das Paket in einzelnen Teilen verkauft und damit keine unmittelbare Übernahme bevorsteht, könnte dies den Aktienkurs von Julius Bär wieder um 10% einbrechen lassen, befürchten die Analys-ten von Helvea.

Anzeige