Trotz Wirtschaftskrise konnten Sie den Umsatz steigern und die Marge halten. Ist damit die Frage beantwortet, ob Sonova zyklisch ist.

Valentin Chapero: Ich fühle mich darin bestätigt, dass dem nicht so ist. Wir stellen schliesslich weder Luxus- noch Konsumprodukte her, sondern sind im medizinischen Bereich tätig. Hörgeräte braucht man auch in einer Krise.

Immerhin scheint die Krise Ihr Hochpreissegment gebeutelt zu haben.

Chapero: Tatsächlich ist unser Umsatz im High-End-Bereich um 6% geschrumpft. Dafür haben wir im mittleren Business-Class-Bereich 24,6% zugelegt, mit 18,1% etwas weniger auch im tieferen Economy-Class-Bereich. Doch das sind insgesamt kleine Verschiebungen. Das Hochpreissegment hatte früher einen Anteil von 30% an unserem Umsatz, jetzt sind es noch 26%.

Ihre Betriebsmarge - gemessen am Ebita - ist geringfügig um 1% auf 26,6% zurückgeglitten. Liegt das auch am Produktmix?

Chapero: Nein. Das liegt vielmehr an Währungsverlusten durch den starken Franken, die haben uns 7,1% des Umsatzes gekostet. Die Ebita-Marge wird vom Produktmix nur wenig beeinflusst. Hochpreisige Produkte erfordern auch höhere Produkt- und Marketingkosten.

Dass die Marge trotzdem nicht stärker unter Druck geraten ist, liegt an reduzierten Kosten. Haben Sie hier weitere Pläne?

Chapero: Wir befassen uns immer damit, wo wir weitere Kosten einsparen können. Ein Personalabbau ist aber nicht geplant. Während wir beim Vertrieb und bei der Forschung sogar mehr ausgeben, suchen wir Senkungspotenzial vor allem bei den Herstellungskosten und in der Administration.

Mit einem Marktanteil von nun 23% sind Sie umsatzmässig weltweiter Marktführer. Können Sie diesen Anteil noch weiter steigern?

Chapero: Auf jeden Fall. In den letzten sechs Jahren haben wir alle Marktentwicklungen durchlaufen - von der besten bis zur schlechtesten. Dabei haben wir unseren Marktanteil im Durchschnitt jährlich um 2% zu steigern vermocht. Auch im vergangenen Jahr wieder. Der Marktanteil von 23% ist auch noch nicht derart gross, dass wir uns selber im Weg stehen würden.

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Vor drei Jahren durften sie auf Druck der Kartellbehörden Resound nicht übernehmen. Ist eine Grossfusion definitiv vom Tisch?

Chapero: Das wäre unmöglich und auch nicht mehr interessant für uns. Wir haben damals den Zusammenschluss angestrebt, um eine kritische Masse zu erreichen. Die haben wir nun auch alleine. Unser Umsatz ist heute grösser als jener, den wir damals durch den Zusammenschluss erreicht hätten.

Dennoch nehmen Sie weiterhin stetig Akquisitionen im kleineren Ausmass vor.

Chapero: Ja, aber nicht im Bereich der Produkte und der Technologie. Wir akquirieren im wesentlichen Distributoren im Gross- und im Einzelhandel.

Sie werden neu zur Zuwahl in den Verwaltungsrat vorgeschlagen. Ist das der Anfang vom Ende an der operativen Spitze.

Chapero: Nein, ich mache ohne Verfalldatum weiter. Vor zwei Jahren habe ich den Fehler gemacht, meinen Rückzug von der Konzernspitze im Geschäftsjahr 2010/2011 anzukündigen. Das ist vom Tisch. Aber selbstverständlich werde ich nicht auf ewig weitermachen.

Für den Verwaltungsrat werden neben Ihnen zwei weitere Kandidaten vorgeschlagen. Einer davon ist Anssi Vanjoki, ein mächtiger Mann bei Nokia. Der Anfang einer Zusammenarbeit mit dem Konzern?

Chapero: Nein. Die Zuwahl hat mit Nokia nichts zu tun. Aber sowohl Vanjoki wie auch Ronald van der Vis, der ebenfalls für die Wahl vorgeschlagen ist, haben viel Erfahrungen im Retailbereich, also mit Konsumprodukten.

Wollen Sie denn da vermehrt tätig werden? Etwa mit Produkten im Stil des MP3-Players Audéo PFE?

Chapero: Wir wollen ein umfassendes Hörunternehmen sein. Doch bei unserem Preissegment und unseren hohen Kosten wird der Retailbereich nie im Zentrum stehen. Eine Logitech werden wir nicht werden. Aber selbst im medizinischen Bereich ist eine gute Kenntnis des Konsumentenverhaltens wichtig.