In der Ostschweiz hören die Wände besonders gut. Und so blieb nur für kurze Zeit hinter verschlossenen Türen, was bei Georg Fischer derzeit erzählt werden soll: Es gebe für GF derzeit drei Übel auf der Welt – das garstige Wirtschaftsumfeld, der Kursverfall der GF-Aktie und der Investor Giorgio Behr. Der reagierte, als er davon erfuhr, «not amused». Entsprechend kühl verlief das erste offizielle Treffen zwischen Martin Huber, VR-Präsident von GF, und Behr am Dienstagnachmittag in Schaffhausen. Laut Huber sei das Gespräch in «sachlicher Atmosphäre» geführt worden. Der GF-VR habe erneut auf die Statuten der Gesellschaft hingewiesen, in der die Aktionäre eine Beschränkung des stimmberechtigten Aktienbesitzes auf 5% festgelegt haben. Die Klausel bewirkt, dass Aktionäre, unabhängig von der tatsächlichen Höhe ihrer Beteiligung an GF, an einer GV nur mit maximal 5% aller Stimmen votieren können.

Rücksicht auf Kleinaktionäre

Zudem habe der GF-VR unterstrichen, dass er an der Unabhängigkeit der Gesellschaft festhält. «Wir haben zudem auf die hohe wachsende Zahl von Kleinaktionären hingewiesen, die wollen, dass kein Anteilshalter eine vorherrschende Stellung im Unternehmen einnimmt», erklärt Huber. Giorgio Behr habe mitgeteilt, dass er sich als Anker-Aktionär sehe, auch wenn er nur 5% der Aktien stimmberechtigt eintragen lassen kann. Laut Huber wurde kein weiterer Termin vereinbart.

Dieses Resultat kann man positiv oder negativ bewerten. Fakt ist jedenfalls, dass die GF-Führung bereits auf den Einstieg von Investor Giorgio Behr sehr wortkarg reagierte – der Investor meldete vergangene Woche über seine Privatfirma BDS, dass er 5,15% in Aktien und 1,22% in Put-Optionen mit Realerfüllung an GF halte.

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Elektrisiert hat die Schaffhauser möglicherweise, dass Behr seit Mai 2008 als VR-Präsident von ZF Friedrichshafen amtet. ZF und GF sind führende Automobilzulieferer, weisen aber kaum Überschneidungen auf – und würden sehr gut zusammenpassen. Machbar wäre ein Kauf von GF durch ZF: Per Ende 2007 wies ZF flüssige Mittel in der Höhe von umgerechnet 1,8 Mrd Fr. aus. GF kostet an der Börse derzeit rund 922 Mio Fr.

Martin Huber sagt dazu: «Natürlich ist uns bekannt, das Herr Behr Aufsichtsratvorsitzender von ZF ist. Aus meiner Sicht würde es für ZF strategisch überhaupt keinen Sinn machen, sich an GF als Lieferant zu beteiligen.» Behr sagt über ZF: «Der Konzern ist als weltweit führender Systemlieferant nicht einfach mit einem Zulieferer vergleichbar. Die Technologieführerschaft und die breite Abstützung auch in Marine, Agrarwirtschaft sowie die globale Präsenz sind weitere stabilisierende Elemente.» Zudem arbeite er bei ZF mit «faszinierenden Persönlichkeiten» wie BMW-Präsident Joachim Milberg – BMW gehört zu den Schlüsselkunden von GF – oder Siemens-Vorstand Barbara Kux zusammen. ZF ist in 25 Ländern präsent, beschäftigt 60000 Angestellte und erzielte 2007 einen Umsatz von umgerechnet 19,3 Mrd Fr. Zum Vergleich: Die GF-Gruppe setzte 2007 4,49 Mrd Fr. um. Auf der Weltrangliste der Autozulieferer liegt die privat gehaltene ZF unter den 15 grössten Firmen.

Behrs Track Record ist glasklar

Mit der Rolle des stillen Investors wird sich Behr jedenfalls nicht zufrieden geben, das zeigt sein Track Record. Ob bei BBC, Baumgartner und Sia Abrasives: Stets forderte Behr, früher oder später, die Kontrolle. Seine Nervenstärke kommentiert der ehemalige Spitzenhandballer so: «Das lernt man im Sport: Vor dem Spiel ist der Spieler nervös, im Spiel verliert sich das, weil er es selber in der Hand hat.»