Die alte E-Mail-Adresse bei der Bank Bär ist immer noch in Betrieb, dabei ist Walter Knabenhans (56) bereits Ende letzten Jahres als CEO der Privatbank zurückgetreten. Zwischenzeitlich hat er für die Bären noch ein paar Mandate im Bereich PK-Strategie sowie Asset- und Liability-Management abgearbeitet.

Gefreut hatte sich Knabenhans auf einen Neustart als Jungunternehmer. Das Domizil seines Start-ups hat er im steuergünstigen Pfäffikon SZ gefunden, die Einzelfirma hat auch schon einen Namen: Walter Knabenhans – Senior Advisor. Firmenzweck: Investmentberatung im Bereich Hedge Funds und Private Equity. «Wieder näher an die Märkte», davon liess er sich bei seiner beruflichen Neuausrichtung leiten.

Im August aber meldete sich Martin Bisang, Präsident der Swissfirst, und drängte auf ein Gespräch. Knabenhans kennt Bisang seit Jahren, über dessen Bruder Otti Bisang. Dieser war Mitarbeiter von Knabenhans, als er noch im Topmanagement der CS tätig war. Der Kontakt mit Bisang festigte sich, als Knabenhans Bär-Chef wurde (2001) und Bisangs Bank am Bellevue den SMI-Börsentitel Bank Julius Bär regelmässig unter die Lupe nahm.
Es war also ein geschickter Schachzug Bisangs, Knabenhans das Swissfirst-Präsidium zu offerieren. Mit ihm hat er nun einen Banker mit Vertrauensbonus im Boot, zudem arrondiert er seine eigene Macht, wiewohl der neue Swissfirst-Präsident versichert, allen Aktionären gleichermassen verpflichtet zu sein.

Überhaupt legt Knabenhans, den manche für präzis und korrekt, aber nicht überschäumend kreativ halten, Wert auf Zurückhaltung. Nichts ist ihm mehr zuwider als Partys und emsiges Netzwerken. «Es war nie mein Ziel, möglichst viele prominente Freunde zu haben», meint er.

Ins Machtnetz von Knabenhans gehören neben den Bisangs auffallend viele Bankerkollegen aus der CS-Zeit. Mit Rainer E. Gut, dem früheren CS-Spitzenmann, sitzt er seit Jahren im Savoy-Club, einem Wirtschaftszirkel, der sich regelmässig im CS-eigenen Nobelhotel Savoy am Zürcher Paradeplatz trifft. Bestens bekannt ist er mit Dieter Weber, Oberauditor der Schweizer Armee. Auch diesen kennt er aus gemeinsamen CS-Tagen.

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Nach seinem Abstieg vom Bären-Thron hat er seine Freizeit aufgewertet. Er ist wieder vermehrt im Golf-Club Schönenberg am Hirzel anzutreffen, wo er gerade das Handicap verbessert (derzeit 30). Das Green teilt er unter anderem mit Mathis Cabiallavetta (Marsh & McLennan), Fredy Collioud (Publicis), James Schiro («Zürich»), Willy Strothotte (Glencore) und Paul Witschi ( früher Geberit). Zudem ist er neuerdings – fast schon ein Hauch von Extravaganz – Mitglied beim Donnerstag-Club, dem Gönnerverein von GC. All die Verbindungen werden kaum schaden, wenn er demnächst neben dem Swissfirst-Mandat Luft für weitere VR-Mandate hat.

Der pensionierte Bär

Übersicht und Gelassenheit gehören zu Knabenhans’ Primärtugenden – gefragte Qualitäten bei der krisengeschüttelten Swissfirst. Weniger gelassen war der Umgang mit Thomas Bär, bis 2003 VR-Präsident der Bank Bär – und vom Temperament her ein Mann der kurzen Lunte.

Das schuf immer wieder Friktionen mit dem damaligen Bär-CEO Knabenhans. In der Zielsetzung war man stets gleicher Meinung, meint er im Rückblick, bloss über die Art und Weise habe es gelegentlich Diskussionen abgesetzt. Ungetrübt soll das Verhältnis zum heutigen Bär-Präsidenten Raymond J. Bär sein.

Kaum zum Freundeskreis von Knabenhans gehören Alex Widmer (früher CS) und Johannes A. de Gier (früher UBS). Raymond Bär holte Widmer in die Geschäftsleitung, de Gier kam, als die Bank Bär die UBS-Privatbanken übernahm und sich die Grossbank im Gegenzug an der Bär-Bank beteiligte. Mit diesem Sprung nach vorn wurde Bär-CEO Knabenhans aus der Spitze verdrängt – de Gier übernahm seinen Job, Widmer wurde Chef des Private Banking. Der Abgang verlief schadenfrei: Knabenhans erhielt einen schönen Bonus und wurde bei den Bären pensioniert. EN

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Der rudernde «Zöifter»

Rudern ist Familientradition. Als Student bestritt Knabenhans Regatten beim RC Thalwil. Daselbst feierte Vater Walter Knabenhans sr. internationale Erfolge inklusive Olympiateilnahme in Rom (1960). Während der Vater dem RC Thalwil bis heute als Gönner verbunden ist, hat der Filius die Bank Bär als Firmen-Sponsor an den Sportclub herangeführt. Heute geht Knabenhans jr. regelmässig morgens um sieben Uhr auf den See. Im Achter rudert ein alter Sportskamerad: Bruno Saile, Weltmeister mit dem Vierer ohne Steuermann (1982).

Mit seinem Vater teilt der neue Swissfirst-Präsident die Leidenschaft fürs Zunftwesen der Stadt Zürich. Beide gehören zur Zunft Hard. In der Quartierzunft – mitgegründet vom Urgrossvater – stiess der Bankier auf Walter Frey (Emil Frey AG), Stephan Haeringer (UBS) und Vermögensverwalter Christian E. Rohrbach, der als Zunftmeister agiert.

Der stille Geniesser

An Promi-Anlässen trifft man Walter Knabenhans nicht, Fotos aus der Rubrik «sehen und gesehen werden» existieren keine. Viel lieber zieht er den stillen Genuss vor, etwa in der Tonhalle oder in einer Verdi-Oper. Er ist stolzer Besitzer eines Jahresabonnements der Zürcher Oper und gehört zu ihrem Förderkreis. Weiter ist er Mitglied der Vereinigung Zürcher Kunstfreunde, die von CS-Vizepräsident Hans-Ulrich Doerig präsidiert wird, und von der Fördergesellschaft Schweizer Jugendsymphonieorchester.