Mehr als vier Jahre nach Festnahme Bernie Madoffs werfe die zuständige Regulierungsbehörde OCC JP Morgan vor, verdächtige Kontobewegungen nicht gemeldet zu haben, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Zudem sei Madoff von seiner Hausbank fälschlicherweise als Kunde mit geringem Risiko eingestuft worden. Deshalb wolle die dem Washingtoner Finanzministerium unterstellte Aufsicht JP Morgan dazu verpflichten, im Kampf gegen die Geldwäsche künftig sorgfältiger vorzugehen.

Madoff nutzte JP Morgan rund zwanzig Jahre lang vorrangig für seine Geschäfte. Mit einem über Jahrzehnte betriebenen Schneeballsystem verursachte der Finanz- und Börsenmakler einen Schaden von 65 Milliarden Dollar. Im Jahr 2009 wurde er zu 150 Jahren Haft verurteilt.

Berufung läuft noch

Madoffs Bank JPMorgan führt zur ihrer Verteidigung an, es gebe keine Beweise dafür, dass sie über Madoffs Betrug informiert war. Eine Klage des Opfer-Treuhänders Irving Picard wurde daraufhin weitgehend abgewiesen, Picards Berufung läuft aber. Seiner Klage zufolge meldete JP Morgan zwei Monate vor Madoffs Verhaftung im Dezember 2008 an die Aufsichtsbehörden in London, dass Madoffs Geschäftserfolge ungewöhnlich groß seien - «zu schön, um wahr zu sein».

Die US-Regulierungsbehörde wirft JPMorgan dem Insider zufolge vor, nicht auf Warnsignale aufmerksam gemacht zu haben. So seien Gelder zwischen Konten transferiert worden, ohne dass Geschäfte getätigt wurden. Wann die OCC JP Morgan mit den Anschuldigungen offiziell konfrontiert, sei noch unklar. Es sei aber noch in diesem Jahr damit zu rechnen.

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Schärfere Massnahmen drohen

Eine Strafzahlung ist zunächst nicht damit verbunden. Wenn JPMorgan allerdings nach Ansicht der OCC unzureichend auf die Vorwürfe eingeht und nicht glaubhaft Besserung in Aussicht stellt, drohen schärfere Massnahmen - auch Geldbussen. Sprecher der US-Regulierungsbehörde und von JPMorgan lehnten eine Stellungnahme ab.

Ohne Bezug zu Madoff verpflichtete die OCC JP Morgan schon im Januar zu einer besseren Risikokontrolle und mehr Einsatz gegen die Geldwäsche. Ohnehin ist JPMorgan in letzter Zeit immer wieder mit der OCC aneinandergeraten - auch wegen des milliardenschweren Handelsskandals, den ein Londoner Händler verursacht hat.

Anleger darauf vorbereitet

Bankchef Jamie Dimon bereitete die Anleger in der vergangenen Woche auf neues Ungemach vor, das vonseiten der Aufsicht drohe. «Wir müssen und werden alles tun, um die von unseren Regulierungsbehörden geforderten Verbesserungen umzusetzen», schrieb Dimon.