Nestlé Indien schaltet wieder einen Gang höher: Das Verbot für die beliebten Maggi-Nudeln ist aufgehoben. Sie sollen in unveränderter Rezeptur wieder auf den Markt kommen, wie Landeschef Suresh Narayanan gegenüber der indischen Nachrichtenagentur PTI sagte. «Was während 30 Jahren funktionierte, muss auch in Zukunft bestehen bleiben», meinte er auf die Frage, ob man die Zusammensetzung ändere.

Nestlé hat in Indien einen heissen Sommer hinter sich: Indische Lebensmittelprüfer haben nach ihren Angaben im März erhöhte Bleiwerte in den Nudeln gefunden, der Konzern wurde im Juni mit einem Verkaufsverbot belegt.

29'000 Tonnen Lebensmittel verbrannt

Nestlé hatte daraufhin 29'000 Tonnen Lebensmittel verbrannt, wie Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck in einem «Handelszeitungs»-Interview sagte. Andere Labors in Singapur, USA, Grossbritannien, Vietnam, Kanada und Australien konnten die von den Indern gemessenen Werte nicht nachvollziehen. Mitte August schliesslich hat der High Court in Mumbai dasVerkaufsverbot für Maggi-Instant-Nudeln widerrufen.

Im September sollten nun die Nestlé vom Gericht auferlegten weiteren Labortests abgeschlossen sein. Bei für den Konzern positiven Ergebnissen könnten die Esswaren also Ende Jahr wieder in den Verkauf kommen.

Erstmals seit 15 Jahren Quartalsverlust

Die Maggi-Nudeln sind ein wichtiges Produkt: Sie bringen Nestlé India rund 15 Milliarden Rupien jährlich ein, umgerechnet gegen 220 Millionen Franken. Damit steuerten sie in der Vergangenheit zwischen 15 und 20 Prozent zu Nestlés Indien-Umsatz bei. Wegen der Nudel-Kontroverse fuhr die indische Tochtergesellschaft erstmals seit 15 Jahren einen Quartalsverlust ein – der Rückruf der Fertignudeln hat Nestlé im ersten Halbjahr insgesamt 66 Millionen Franken gekostet.

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Die Nudel-Affäre hatte auch zur Folge, dass der ehemalige Indien-Chef  Etienne Benet am 24. Juli das Handtuch warf. Sein Nachfolger Narayanan gab gebenüber PTI zu, dass das beschränkte Verkaufsverbot dem Unternehmen schadete und dass man das Kundenvertrauen wieder zurückgewinnen müsse. Um dieses Ziel zu erreichen, werde er «aggressiv investieren».

Weitere Flanke offen

Das Ungemach der Nudel-Affäre ist für Nestlé mit der Entspannung an der Verkaufsfront aber noch nicht ausgestanden: Das Ministerium für Konsumentenfragen (Consumer Affairs Ministry) hat gegen den Konzern vor den Richtern eine Schadenersatzklage in der Höhe von 6'400'000'000 Indische Rupien, umgerechnet 91 Millionen Schweizer Franken, deponiert. Das Ministerium wirft Nestlé im Zusammenhang mit den Instant-Nudeln vor, unlauteren Wettbewerb begangen zu haben.