Sie haben viele Übernamen. Die Medien sprechen wahlweise vom «Schinkenkönig» oder vom «Speckkönig». Die «Bilanz» nannte Sie jüngst «Mister Malbuner». Womit identifizieren Sie sich?
Alexander Ospelt: «Mister Malbuner». Das ist unsere Marke. Dafür lebe ich. Das repräsentiere ich.

Malbuner steht aber nur für rund 20 Prozent Ihres Umsatzes.
Das ist richtig. Aber in der Schweiz haben wir einen sehr hohen Bekanntheitsgrad. Und Malbuner ist die einzige Marke aus unserem Haus. Sonst sind wir ein reiner Private-Label-Hersteller. Das heisst, wir produzieren Eigenmarken für unsere Kunden.

Haben Sie Ambitionen, eine weitere Marke im Ospelt-Imperium zu schaffen?
Unsere Strategie ist es, Malbuner laufend zu pflegen, weiter auszubauen und unter der Marke zeitgemässe Produkte anzubieten.

Der Zeitgeist ist vegetarisch. Ihr deutscher Rivale Rügenwalder verkauft unter seiner Marke auch fleischlose Kreationen. Ist das ein Weg für Malbuner – à la «mal ohne, mal besser»?
Wir diskutieren das regelmässig, sind aber der klaren Meinung, dass wir beim Original bleiben wollen. Malbuner steht für Fleischprodukte, Konsumenten bringen das mit unserer Marke in Verbindung. Ausserdem sind wir der Meinung, dass es noch viel Spielraum bei unserer Produktpalette gibt. Wir bringen immer wieder Innovationen auf den Markt. Zum Beispiel unsere Salamischnitte «Pocket Sandwich».

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Mit dem Produkt haben Sie im vergangenen Jahr versucht, in Europa zu glänzen. Es ist ein Novum in der Firmengeschichte. Ist die Expansion gelungen?
Wir versuchen, in allen gängigen Tankstellenketten in die Regale zu kommen. Für die Distribution sind wir eine Partnerschaft mit Lekkerland eingegangen. Mit dem Start sind wir zufrieden.

Aber Sie hegen keine weiteren Pläne, um mit geräuchertem Speck beispielsweise im Aldi-Süd-Regal zu landen?
Wir wollen uns vorerst mit Fleisch-Snacks in Europa etablieren. Darüber hinaus gibt es zurzeit keine weiteren Bestrebungen, Malbuner in der Europäischen Union zu vertreiben. Denn unsere traditionellen Produkte werden ausschliesslich aus Schweizer Landwirtschaftserzeugnissen hergestellt. Die sind im Vergleich zum Ausland teurer. Wenn dann der Zoll dazukommt, sind wir preislich nicht wettbewerbsfähig.

Wahrscheinlich haben Sie auch ein Marketing-Problem: Ihr Slogan «Mal besser. Malbuner.» funktioniert nur im deutschsprachigen Raum.
Wir haben kein Problem. In der Schweiz werben wir auch in der Romandie mit dem Spruch. Er gehört seit Mitte der 1980er Jahre zu uns.

Stimmt die Legende: Ihr Vater Herbert Ospelt hat den Slogan erfunden?
Das war eine Zürcher Werbeagentur. Wir wollten damals einen Claim für unsere Marke. Die Agentur hat uns eine Auswahl auf zwei A4-Seiten präsentiert. Ich habe mit dem Lesen begonnen und bin bei «Mal besser. Malbuner.» stehen geblieben. Das stand auf der ersten Seite in der Mitte des Blattes. Für mich war sofort klar: Das muss unser Spruch sein. Ich musste nicht mehr weiterlesen.

Alexander Ospelt, Verwaltungsratspraesident von Ospelt, aufgenommen am Donnerstag, 22. November 2018 in Gamprin.

Alexander Ospelt: «Die Schweiz ist unser Heimmarkt.»

Quelle: Samuel Trümpy Photography
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Stimmt denn die Legende, dass Sie 1971 durch Zufall im Migros-Regal landeten? Offenbar gab es damals einen Lieferausfall bei einer italienischen Marke, Ihr Vater musste einspringen und Konservenfleisch liefern.
Das stimmt so nicht. Mein Vater hat mit einer Metzgerei begonnen und hat es mit viel Effort geschafft, bei den Grossverteilern zu landen. Die Einkaufszentrale der Migros Ostschweiz war damals in Gossau SG. Mein Vater ging aktiv auf die Migros zu.

Ungefähr gleich alt wie Ihr Claim ist das Engagement im Tierfutterbereich. 1987 haben Sie in Liechtenstein mit dem Bau einer Heimtierfutterproduktion begonnen. Heute sind Sie die Nummer drei in der Schweiz. Ein Drittel des Umsatzes machen Sie mit dem, was der Vierbeiner im Napf nascht. Das sind knapp 200 bis 250 Millionen Franken. Richtig?
Die Grössenordnung stimmt in etwa. Aber zu Finanzzahlen äussern wir uns als Familienunternehmen eigentlich nicht.

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Können Sie denn sagen, wie viele Tonnen Leber, Niere oder Lunge Sie für die Tierfutterproduktion importieren?
Was auf dem Schweizer Markt an Innereien in Lebensmittelqualität verfügbar ist, kaufen wir. Was wir als zusätzliche Rohstoffe brauchen, müssen wir im Ausland besorgen. Es ist ein beträchtlicher Teil unserer Produktion hier in Bendern. Die Lieferungen stammen aus ganz Europa.

Dem Hundefutter mischen Sie gerne auch mal Ananas bei, weil die Franzosen das gerne ihrem Tier kredenzen, habe ich gehört. Stimmt das?
Ananas nicht gerade, aber zum Beispiel Karotten oder Erbsen. Es gibt tatsächlich länderspezifische Eigenheiten im Geschmack. Für den japanischen Markt haben wir einmal ein Nassfutter mit Grüntee-Extrakt gemacht. Derartige Kreationen haben aber oft wenig mit den Vorlieben des Tieres zu tun, dafür viel mit denen des Menschen. Wir sprechen von einer Humanisierung der Tiernahrung. Das, was der Mensch gern isst, wird, je länger je mehr, auch auf das Tier übertragen. Aber um klar zu sein: Auch hier gilt die 80-20-Regel.

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80 Prozent ist das Normsortiment. Also Rind, Schwein, Lamm, Geflügel.
Und Lachs oder Thunfisch. Das ist besonders wichtig bei Katzennahrung. Es gibt ja auch ganz andere Eigenheiten. Der englische Markt mag zum Beispiel eigene Weihnachtspackungen oder ein tolles Hunde-Guetzli mit Schleife drum. Das hat Tradition auf der Insel. Die Leute beschenken ihre Tiere und legen etwas Feines unter den Christbaum.

Was war denn die ausgefallenste Kreation, die je in Ihrem Haus produziert wurde?
Der Trend geht eher in die gegenteilige Richtung: zurück zum Natürlichen. Teilweise geht das so weit, dass sogar die pflanzlichen Anteile gestrichen werden. Kein Getreide, keine Zuckerstoffe. Nur noch das, was die Tiere sich von Natur aus gewohnt wären.

Also Leber mit etwas Heu?
Wir machen Heimtiernahrung für Hunde und Katzen – kein Viehfutter. Mit Heu können wir also nichts anfangen. Wenn wir aber Vollnahrung auf unsere Produkte schreiben, muss das Tier ausgewogen ernährt sein. Das bedeutet, dass es alle lebenswichtigen Rohstoffe erhält. Der Kalziumgehalt muss stimmen, die Vitamine müssen drin sein. Die Leber zum Beispiel hat zwar viel Vitamin A, andere Stoffe fehlen aber. Deshalb braucht es den richtigen Zutatenmix.

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Gibt es so etwas wie eine Fusionsküche in der Tiernahrung? Schweizer Rind mit japanischen Algen, zubereitet von einem Sushi-Chef?
Solche Kuriositäten gibt es im Ansatz, aber sie sind kein Trend. Natürlichkeit und Nachhaltigkeit sind wichtig. Bio-Nahrung oder Swissness sind vielen Tierbesitzern ein Anliegen.

Insekten sind auch im Trend. Bei Ihnen im Büro steht ein Insektenkochbuch. Aber Sie produzieren selbst kein Essen auf Basis von Maden oder Mehlwürmern. Weder für Mensch noch für Tier. Dabei wäre das aus ökologischer und ökonomischer Perspektive sinnvoll. Stimmen Sie mir zu?
Es ist richtig, dass wir uns Gedanken darüber machen müssen, wo unsere Rohstoffe in Zukunft herkommen. Wie wir unseren Bedarf an tierischen Proteinen decken. Wenn wir 2050 tatsächlich neun bis zehn Milliarden Menschen auf der Welt sind, müssen wir Antworten auf diese Fragen haben.

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Alexander Ospelt, Verwaltungsratspraesident von Ospelt, aufgenommen am Donnerstag, 22. November 2018 in Gamprin.

«Handelszeitung»- Redaktor Marc Iseli im Gespräch mit Alexander Ospelt.

Quelle: Samuel Trümpy Photography

Insekten sind in der Fischzucht kein Thema? Immerhin ist die Ospelt-Gruppe der grösste Produzent von Rauchlachs in der Schweiz. Und pro Kilogramm Zuchtlachs braucht es rund 4,5 Kilogramm Wildfisch.
Wir sind nur ein Verarbeiter von Lachs. Die eine Hälfte ist Wildlachs, die andere stammt aus der Zucht. Unser Zuchtlachs kommt aus Alaska. Er wird teilweise sogar noch mit Angeln gefangen.

Sie produzieren Tierfutter in Liechtenstein und im deutschen Thüringen. Ihr Konkurrent Nestlé setzt auf Ungarn. Können Sie im Wettbewerb gegen die Nummer eins der Welt bestehen?
Das Tiernahrungsgeschäft hat ein gewaltiges Volumen angenommen. Heute ist es mehr denn je ein Mengengeschäft. In Liechtenstein sind wir in einem Hochlohnland und müssen uns hier gegen die europäische Konkurrenz behaupten. Das geht nur, indem man in der Produktion gut aufgestellt und hoch rationalisiert ist.

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Haben Sie deshalb im letzten Mai die Boston Consulting Group (BCG) engagiert?
Das hat einen anderen Grund. Unsere Gruppe ist in den letzten Jahren ständig gewachsen. Wir haben uns in jedem Bereich weiterentwickelt. Jetzt wollten wir wieder eine Meinung von aussen einholen, um zu sehen, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Das ist eine Standortbestimmung, die absolut normal ist bei einem Betrieb unserer Grösse.

Was ist das Ergebnis?
Wir analysieren aktuell intern, was BCG festgestellt hat. Es geht um wichtige Fragen: Welchen Markt wollen wir bedienen? Wo macht es Sinn, weiter zu investieren?

Steht der Produktionsstandort Liechtenstein auf dem Spiel?
Absolut nicht, das genaue Gegenteil ist der Fall. Wir planen bereits den nächsten Ausbau. Denn Liechtenstein – aber auch die Schweiz – hat im Vergleich zur EU mehrere Vorteile: Wir haben sehr gute Konditionen, was die Infrastruktur anbelangt, sprich: Wasser, Dampf, Strom – das sind essenzielle Produktionsfaktoren.

Wie gross ist die nächste Investition an Ihrem Hauptsitz in Bendern?
Das wird eine zweistellige Millionensumme werden. Wir wollen die Produktionskapazität im Bereich der Tiernahrung ausbauen. Von 100 000 Tonnen im Jahr auf 120 000 Tonnen. Aktuell sind wir in der Bauplanung. Ich hoffe, dass wir bereits in diesem Jahr mit dem Bauen beginnen können. Ein grösseres Bekenntnis zum Standort gibt es wohl kaum.

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Wie steht es um die anderen Standorte?
Wir investieren in diesem Jahr in alle Produktionsbereiche. Die Sandwichproduktion in Geroldswil wird stark ausgebaut – das ist ein Wachstumsmarkt. Und in Sargans haben wir in den letzten fünf Jahren um die 50 Millionen Franken investiert, allein in den Bereich der gefüllten Teigwaren gingen 25 Millionen. Wir hätten die Summe auch in Deutschland investieren können, schliesslich gehen 95 Prozent der in Sargans produzierten Ware in den EURaum. Aber die Schweiz ist unser Heimmarkt. Wir wollen unsere Position stärken. Wichtige Kunden sind hier.

Was bedeuten die Investitionen für die Mitarbeitenden?
Unsere Fabriken sind hoch automatisiert und die neuen Gelder erhöhen den Grad der Automatisierung. Damit sichern wir die Arbeitsplätze der Mitarbeitenden.

Sie haben vor kurzem einen Berater von BCG als Head of Operations eingestellt. Haben Sie einen Sparmeister geholt?
Sie müssen sich das so vorstellen: BCG hat viele junge Leute, die während einiger Jahre sehr viel lernen und dann weiterziehen möchten. So war das auch bei uns. So hat der Mitarbeiter die Möglichkeit, die beraterische Empfehlung auch in der Praxis umzusetzen. Das ist für uns und ihn eine Chance. Ausserdem hatten wir seine Expertise intern nicht zur Verfügung. So hat sich der Wechsel praktisch angeboten. Es war ein guter und ein richtiger Entscheid. Junge Leute, die sich weiterentwickeln wollen, brauchen eine Chance.

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Name: Alexander Ospelt

Funktion: Geschäftsführer und Präsident der Ospelt-Gruppe

Alter: 56

Familie: verheiratet, zwei Söhne

Ausbildung: Metzgermeister, Weiterbildung im Familienbetrieb, seit 1993 Chef der Ospelt-Gruppe, seit 2008 Präsident und Chef

Wegmarken: 1982: Ausbau in Sargans 1987: erste Tierfutterfabrik 1990: Kauf einer Fischräucherei 1999: Kauf deutscher Pizzafabrik 2012: zweite Tierfutterfabrik

Wie lange dauert es noch, bis Ihre beiden Söhne Führungsaufgaben übernehmen?
Das braucht noch etwas Zeit. Sie müssen sich erst noch einarbeiten. Ein Büro ist jedenfalls bereits eingerichtet, beide sollen das Geschäft von der Pike auf lernen – wie ich das auch gemacht habe.

Sie haben mal gesagt: Zum Schluss kann nur einer meiner beiden Söhne Chef sein.
Das hat mein Vater gesagt. Bei mir war das so. Aber wir werden sehen, ob das auch in der nächsten Generation der Fall sein wird. Wir haben mittlerweile sechs Produktionsbetriebe. Wenn das Unternehmen weiterwächst, ist das Aufgabengebiet derart gross, dass man die Verantwortung womöglich auch teilen kann.

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Wollen Sie in der nahen Zukunft die Firmenleitung abgeben?
Es gibt keine konkreten Pläne, dass ich bald abtreten soll. Ich mache die Arbeit gerne und freue mich, noch einige Jahre an der Spitze sein zu können.

Sie gehen auf die sechzig zu. Zeit, um sich mehr Ihren Hobbys zu widmen? Dem Segeln zum Beispiel?
Mein Hobby ist eher das Velofahren. In meiner Garage steht ein Rennrad in Malbuner-Optik. Damit mache ich einige hundert Kilometer im Jahr.

Über Sie wird auch berichtet, dass Sie Oldtimer-Liebhaber sind und einige wertvolle Veteranen in der Garage stehen haben. Was ist Ihr liebstes Stück?
Das kann ich so nicht sagen. Ich interessiere mich für Oldtimer und fahre auch bei einigen Rallyes mit. Meine Sammlung ist aber sicher nicht gross. Ich habe einfach ein paar Autos, mit denen ich gern fahre.

In Ihrem Büro steht auch eine Elon-Musk-Biografie. Wie passt der E-Auto-Pionier zum Oldtimer-Liebhaber mit Benzin im Blut?
Das schliesst sich doch nicht aus. Das eine ist die Zukunftstechnologie, das andere Nostalgie und Schwärmerei. Ausserdem müssen Sie wissen: Mich interessieren die neuen Technologien. Elon Musk hat mit Tesla etwas Wahnsinniges angezettelt. Er ging viele Risiken ein. Seine Biografie ist äusserst spannend.

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Ein Vorbild?
Eher eine Inspiration.

Ospelt-Gruppe

In den 1950er Jahren legte Herbert Ospelt – Spitzname: «Onkel Herbert» – das Fundament für das Wurstimperium. Mit dem Verkauf von fünf Kuhhäuten finanzierte er den ersten Lieferwagen. Anfangs hatte er einen Gehilfen und eine Ladentochter. Mittlerweile ist die Ospelt-Gruppe, geführt in zweiter Generation, der drittgrösste Arbeitgeber in Liechtenstein. Weltweit beschäftigt die Firma rund 1800 Personen.

Sechs Produktionsbetriebe an fünf Standorten zählen zum Imperium. Thüringen ist der einzige Standort ausserhalb der Schweiz und Liechtenstein. Dort produziert die Gruppe Trockenfutter und Tiefkühlpizzen. Knapp 350 Millionen rollen davon jedes Jahr ab Band. Das reicht für einen Platz in den Top Five in Europa. Die härteste Konkurrenz: Nestlé und Dr. Oetker.