Siebzig Gemälde aus allen Schaffensperioden van Goghs sollen in der grossen Basler Ausstellung einen neuen Zugang zum Landschaftsœuvre des Ausnahmekünstlers ermöglichen. Die umfassende Auswahl vereint weltberühmte Schlüsselwerke wie auch bislang kaum bekannte Bilder. Van Goghs Landschaftsdarstellungen gehören heute zu den beliebtesten Bildern in seinem Werk und dürften ein breites Publikum anziehen. Der Ticketvorverkauf ist deshalb bereits seit längerem eröffnet.

Die Landschaften, in denen Vincent van Gogh (1853-1890) lebte, haben ihn und seine Kunst ausserordentlich stark geprägt. In und mit ihnen, quasi zwischen Erde und Himmel, wurde van Gogh zum Wegbereiter der Moderne und beeinflusste wie kein anderer die Entwicklung der Malerei des 20. Jahrhunderts. Erstmals in der Vorgeschichte zur Moderne trat mit van Gogh ein bedeutender Künstler in Erscheinung, der kein Franzose war. Die Bilder des holländischen Pastorensohns zählen mittlerweile zu den teuersten auf dem Kunstmarkt überhaupt. Doch es gehört zur Tragik seines Lebens, dass ihm zu Lebzeiten der Erfolg versagt blieb. Er verkaufte nur ein einziges Bild, den «Roten Weinberg», der sich heute im Moskauer Puschkin-Museum befindet.

Malerei als dramatische Aktion

In der Begegnung mit der Natur fand Vincent van Gogh Schritt für Schritt seine eigene künstlerische Sprache. Nach und nach machten die erdigen Töne seines holländischen Frühwerks der lichten und farbbetonten Malweise während seiner Zeit in Paris Platz. In Südfrankreich fand van Gogh schliesslich zu den intensiv leuchtenden Farben und dem vitalen Ausdruck, die seine Bilder bis heute so faszinierend machen. In einem selbstzerstörerischen Schaffensrausch kreierte er in den Jahren vor seinem frühen Tod Bild um Bild. Er schuf einen ganz persönlichen Stil, der für seine expressive, züngelnde Linienführung und die lodernde Farbigkeit berühmt ist. Typisch sind auch die kreisenden Formen, die auf die nie zur Ruhe kommende Bewegung in der Natur verweisen, in der alles im Fluss ist.Anhand einer hochkarätigen Versammlung von Werken aus Privat- und Museumsbesitz aus Europa, den USA und Asien zeigt das Kunstmuseum Basel den Kosmos von van Goghs Kunst. Der umfangreiche Überblick über seine Landschaftsmalerei stellt eine Weltpremiere dar. Von der Dorf- bis zur Flussansicht, der Garten- und Parkszenerie bis zur landwirtschaftlich oder bereits industriell genutzten Landschaft ist ein beeindruckendes Panorama seiner Bilderwelt zu sehen. In allen Perioden seiner kurzen Schaffenszeit - in Arles, aber auch während seines Aufenthaltes in der Heilanstalt von Saint-Rémy und zuletzt in Auvers - feierte er in seinen Bildern die Schönheit der Schöpfung. Mit Themen wie dem Sämann, der Obstblüte, der Kornernte oder dem Schnitter stellte er den Kreislauf der sich immer wieder erneuernden Naturkräfte dar. In zahlreichen weltbekannten Meisterwerken wie «Zypressen», «Olivenbäume mit Les Alpilles im Hintergrund» oder «Die Ebene La Crau bei Arles mit blühenden Pfirsichbäumen» betonte er den Kreislauf der Natur.Vierzig Werke von Zeitgenossen wie Monet, Pissarro, Degas, Cézanne, Renoir und Gauguin aus der Sammlung des Kunstmuseums ergänzen die Schau. Sie stellen das Schaffen van Goghs in einen grösseren Zusammenhang und verdeutlichen dessen bahnbrechende Auseinandersetzung mit der Natur. Denn dort, beim Malen zwischen Himmel und Erde, fand der ruhelose Künstler am ehesten zu sich selbst. Hier erreichte der schwierige Einzelgänger eine Harmonie und Ausgeglichenheit, die ihm sonst oft verwehrt blieb.

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Die Farben der Nacht

Ein weiteres Van-Gogh-Highlight ist noch bis zum 7. Juni 2009 im Van Gogh Museum Amsterdam zu sehen: Die Ausstellung «Van Gogh an the colours of the night» setzt sich erstmals mit den zahlreichen Abend- und Nachtstimmungen im Werk des Künstlers auseinander. Vor allem das Zwielicht der «blauen Stunde» hatte es van Gogh angetan. Das Thema der Nachtdarstellungen war bereits in der Schule von Barbizon populär, die van Gogh sehr bewunderte und die als Wegbereiter des Impressionismus gilt. Die betont unaufdringlichen, schlicht gehaltenen Landschaften, welche die französischen Maler zwischen 1840-1870 im Raum von Barbizon schufen, dienten van Gogh als Vorbild.