Boomt die Wirtschaft und geht es breiten Bevölkerungsschichten finanziell gut, dann hat dies unmittelbar Auswirkungen auf das Konsumverhalten von Herrn und Frau Schweizer. Die Grossverteiler des Detailhandels konnten deshalb über erfreuliche Zuwachsraten im vergangenen Jahr berichten. Der Trend zu höheren Konsumausgaben blieb auch nicht ohne Wirkung auf den Schweizer Automarkt. Nach den eher mageren Jahren 2002 bis 2005 bewegten sich die Verkäufe neuer Personenwagen in den beiden vergangenen Jahren wieder deutlich nach oben. Ein Plus von knapp 6% auf insgesamt 284674 Fahrzeuge im letzten Jahr repräsentiert die Rückkehr zum Optimismus bei den Autokäuferinnen und Autokäufern.

Positiv beeinflusst wurde der Absatz von Neuwagen nicht nur durch die gute Konjunktur, auch andere Faktoren motivierten zum Kauf eines neuen Autos. Dazu zählt sicher das grosse Modellangebot in der Schweiz. Praktisch sämtliche Autohersteller liefern sich auf dem hiesigen Markt einen harten Kampf um die Gunst der Kundschaft. Das bereits heute breite Angebot wird sich zudem in den kommenden Jahren noch weiter ausdehnen, stehen doch die chinesischen Hersteller in den Startlöchern. Am Autosalon in Genf werden die beiden ersten chinesischen Marken – Brilliance und BYD – präsent sein.

Unter den Hauben «grünt es»

Auch das steigende Umweltbewusstsein der Käuferschaft hat sich positiv auf die Immatrikulationen ausgewirkt. 2006 sind in der Schweiz über 93000 Fahrzeuge der Effizientkategorien A und B neu in Verkehr gesetzt worden, die im Durchschnitt 5,84 l auf 100 km verbrauchen. Gegenüber den 81000 Modellen der Kategorien A und B, welche 2005 immatrikuliert wurden und durchschnittlich 6,13 l Treibstoff verbrauchten, entspricht dies einer Reduktion von rund 5%. Die Zahlen für 2007 dürften erneut eine Reduktion des durchschnittlichen Verbrauches bringen.

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Derzeit können die Käufer aus rund 1800 Modellen in den Effizienzkategorien A und B auswählen. Die Klima- und Umweltdiskussion trägt ohne Zweifel dazu bei, dass sich viele dieser Problematik stärker bewusst sind als in früheren Jahren.

Ein Zeichen für dieses Bewusstsein ist sicher auch die wiederum angestiegene Zahl an verkauften PW mit Dieselmotor. 2007 sind insgesamt 92566 Selbstzünder immatrikuliert worden, von denen rund 84% über einen Partikelfilter verfügten. Der Bund allerdings hält stur am hohen Preis des Dieseltreibstoffes fest und bremst damit eine weitere Verbreitung des Dieselmotors, der deutlich weniger CO2 ausstösst als ein Benziner. Im Weiteren wurden insgesamt 2200 Personenwagen mit einem Erdgasantrieb neu in Verkehr gesetzt. Die Gesamtzahl an Erdgasfahrzeugen beträgt derzeit in der Schweiz rund 5900 Einheiten.

Es kann auch etwas kleiner sein

Als positives Zeichen des erhöhten Umweltbewusstseins darf die Tatsache gewertet werden, dass die Verkäufe neuer Personenwagen mit kleinerem Hubraum deutlich zugenommen haben. Bei den «Kleinsten», den Minicars, beträgt das Plus 9,3% auf 16200 Fahrzeuge; bei den Kleinwagen resultierte eine Zunahme von 6,6% auf 46625 Einheiten, und die Modelle der unteren Mittelklasse legten um 10,4% auf 67600 Verkäufe zu. Auf die untersten drei Fahrzeugklassen entfielen somit rund 46% aller Neuwagenverkäufe. Die Altersstruktur der Schweizer Bevölkerung (immer mehr ältere Menschen) scheint also auch bei den Autoverkäufen Wirkung zu zeigen. Immer mehr Autofahrerinnen und Autofahrer gelangen offenbar zur Überzeugung, dass für die tägliche Fortbewegung auch ein kleine(re)s Auto genügt.

Gefragte Multifunktionalität

Einen Einfluss auf die Autowahl hatte zudem der Gedanke der Multifunktionalität des fahrbaren Untersatzes. So etwa nahmen die Verkäufe von Grossraumlimousinen (Vans) um 4,5% auf 19135 Fahrzeuge zu, der Absatz der kleineren Micro-Vans und Mini-Vans dagegen war mit –5,8% auf 27135 Fahrzeuge rückläufig. Daraus kann der Schluss gezogen werden: Wenn schon ein Van, dann ein grösserer. Der meistverkaufte Van war der VW Touran. Bei den Mini-Vans schwang der Opel Meriva obenaus.

Etwas weniger Geländewagen

Der Trend zum Geländewagen und insbesondere zu den SUV (Sports Utility Vehicles), also den etwas kleineren Modellen, war 2007 ungebrochen. Innerhalb der beiden Fahrzeugkategorien entwickelten sich die Verkäufe allerdings unterschiedlich. Die Verkäufe der echten Geländewagen, also derjenigen Fahrzeuge, welche auch im rauen Gelände eingesetzt werden können, waren rückläufig. Insgesamt wurden 10415 echte Geländewagen verkauft, ein Minus von 2%.

Allen Attacken seitens der Linken und Grünen zum Trotz erhöhte sich hingegen der Absatz der SUV um 30,2% auf 27620 Fahrzeuge. Ein Grund für die Beliebtheit dieser Fahrzeuge liegt darin, dass man über ein Fahrzeug verfügt, das im Winter – sofern er denn kommt – nicht mit Schneeketten ausgerüstet werden muss. Auch die höhere Sitzposition und damit die gute Rundumsicht sowie die meist grosszügigen Raumverhältnisse animieren viele Käufer – aber auch immer mehr Käuferinnen – zum Erwerb eines solchen Fahrzeuges. Dass es unter den SUV solche mit Energieeffizienz A und B gibt, unterstützt deren Beliebtheit. Der meistverkaufte Geländewagen war unverändert der Mercedes ML, vor dem Suzuki Vitara und dem VW Touareg. Bei den SUV eroberte sich der Nissan Qashqai in seinem ersten Jahr gleich die Poleposition vor dem Honda CR-V und dem Toyota RAV4.

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Jedes vierte Auto ein «Quattro»

Nicht nur die Zahl der allradangetriebenen Geländewagen nahm zu, auch die Immatrikulationen von allradangetriebenen Limousinen stiegen weiter an. Insgesamt wurden 74070 Personenwagen mit Vierradantrieb immatrikuliert, das sind 10% mehr als im Jahr zuvor. Der Marktanteil der «Quattros» stieg damit auf insgesamt 26% an.

Gemäss dem Motto «Man gönnt sich wieder etwas» verzeichnen die Cabriolets, Coupés, Roadster und Sportwagen steigenden Zuspruch. Ein Autos soll ja auch Spass bereiten. Etliche Modelle – vor allem solche im oberen Preissegment – erfüllen oft mehr als nur den reinen Anspruch auf Fortbewegung. Die Zahl der «Oben-ohne-Modelle» jedenfalls nahm um über 15% auf insgesamt 7800 Einheiten zu. Beliebtestes Modell war das Peugeot 206/207 CC Cabriolet. Auf den Plätzen 2 und 3 folgten der VW Eos und das BMW 3er Cabrio.

Bei den Coupés resultierte ein Plus von knapp 30% auf rund 4700 Fahrzeuge. In dieser Kategorie steht das BMW 3er Coupé an der Spitze der meistverkauften Modelle, gefolgt vom Audi TT Coupé und dem Audi A5.

Bei den Sportwagen schliesslich ist eine Zunahme der Verkäufe von 11% auf über 3800 «Flitzer» zu verzeichnen. Beliebtestes Modell war hier der Porsche 911, gefolgt vom Mercedes-Benz SLK und dem Audi TT Roadster.

BMW Nr. 1 im Premiumsegment

In der obersten Liga automobiler Wünsche war ebenfalls ein Aufwärtstrend zu verzeichnen, allerdings in einem eher bescheidenen Ausmass. Dennoch gab es eine entscheidende Veränderung auf dem nationalen Markt: BMW eroberte im Premiumsegment erstmals die Führungsposition und verwies die Konkurrenten Audi auf den zweiten und Mercedes-Benz auf den dritten Platz. Ene Position, die man nach den Worten von BMW-Managing-Director Doelf Carl in Zukunft verteidigen will.

Nimmt man allerdings das Segment der luxuriösen Limousinen näher unter die Lupe, dann stellt man fest, dass der Stern nach wie vor auf den meisten Top-Limousinen zu finden ist. Mercedes-Benz verkaufte von den Baureihen E, S, CLS/CL und R insgesamt 3423 (3448) Einheiten. Audi setzte vom A6 und vom A8 3055 (3263) Modelle ab, während BMW von den 5er, 6er und 7er Baureihen insgesamt 2767 (2693) Fahrzeuge immatrikulierte.

Von den ganz exklusiven Modellen – also denjenigen, bei denen man ab etwa 200000 Fr. Kaufpreis dabei ist – wurden rund 660 Einheiten verkauft, das bedeutet eine Zunahme von immerhin einem Fünftel. In diesem erlauchten Kreis steht der Bentley Continental an der Spitze, gefolgt vom Aston Martin Vantage und dem Ferrari 599 GTB.

Amag liegt an der Spitze

Mit insgesamt 64202 verkauften Personenwagen (ohne Nutzfahrzeuge) der Marken Audi, Porsche, Seat, Skoda und Volkswagen und einem konsolidierten Umsatz von 4,1 Mrd Fr. belegt die Amag-Gruppe mit einem Marktanteil von 22,6% die klare Führungsposition im Schweizer Autogeschäft. An zweiter Stelle folgt die Emil-Frey-Gruppe, welche insgesamt 42826 Personenwagen der Marken Toyota, Subaru, Suzuki, Kia, Daihatsu, Land Rover, Lexus und Jaguar verkaufte. Ergänzend muss festgehalten werden, dass beide Firmengruppen neben den importierten Fahrzeugen jährlich noch über 1000 Occasionen verkaufen. Blickt man allerdings über die Grenze, dann ist die Emil-Frey-Gruppe mit einem Umsatzvolumen von über 7 Mrd Fr. das grösste Autohandelsunternehmen der Schweiz.

VW Golf, wer denn sonst?

Das meistverkaufte Personenwagenmodell der Welt, der VW Golf, hat sich seit seiner Markteinführung vor 33 Jahren in der Schweiz insgesamt 32 Mal an die Spitze der Rangliste der beliebtesten Modelle gesetzt. Innerhalb der zehn meistverkauften Modelle (siehe Bildgalerie) konnte insbesondere der Peugeot 207 einen deutlichen Sprung nach vorne machen und auf Platz 6 vorrücken. Ebenfalls in der Gunst der Kundschaft rückten der Opel Corsa und der Citroën C4 Picasso nach vorne.

In der Rangliste der zehn meistverkauften Marken sind drei markante Veränderungen festzustellen. Zum einen überholte BMW – wie bereits erwähnt – zum ersten Mal die Mitbewerber Audi und Mercedes-Benz. Peugeot zog zudem an Renault (verlor drei Plätze) vorbei und liegt nun auf Platz 6. Schliesslich gelang Fiat nach sechs Jahren erstmals wieder der Sprung in die Top Ten; aus diesen verdrängten die Italiener Citroën. Interessant ist, dass die zehn meistverkauften Marken in der Schweiz einen Marktanteil von 59% vereinigen. Die restlichen rund 45 Marken kämpfen um die verbleibenden 41% des Marktes.

Von den 50 meistverkauften Marken konnten 2007 deren 34 mehr Fahrzeuge verkaufen, während die übrigen 16 zum Teil empfindliche Rückschläge in Kauf nehmen mussten. Unter den Marken, die über 4000 Einheiten jährlich verkaufen, hat es insbesondere Hyundai (–24,2%), Nissan (–8%) und Renault (–5,2%) am stärksten «erwischt». Die zwei «D» – Dodge und Dacia – konnten in ihrem ersten Jahr auf dem Schweizer Markt mit je fast 1000 verkauften Modellen einen guten Einstand feiern. Aber auch Edelmarken wie etwa Bentley (+21%), Maserati (+51%), Lamborghini (+26%), Porsche (+22%) sowie Aston Martin (+16%) legten letztes Jahr deutlich zu.

40 Prozent aus Deutschland

Am beliebtesten in der Schweiz sind seit vielen Jahren die deutschen Personenwagen, stammen doch 40% aller Neuwagen aus unserem Nachbarland oder werden diese von dortigen Herstellern in ausländischen Werken produziert.

Dasselbe Bild zeigt sich in der Modell-Hitparade der zehn meistverkauften PW. Sieben der meistverkauften Modelle sind deutscher Provenienz. Wiederum vier davon kommen aus dem Volkswagen-Konzern. An zweiter Stelle in der Beliebtheitsskala figurieren japanische Modelle, gefolgt von denjenigen aus Frankreich. Auch bei den zehn meistverkauften Modellen in den einzelnen Fahrzeugkategorien stehen mehrmals deutsche Modelle zuvorderst.