Sie haben das Black-Friday-Verhalten der Konsumenten international untersucht. Was sticht in der Schweiz besonders heraus?
Nordal Cavadini: Wie schnell sich dieser Konsum-Event hierzulande etablieren konnte. 80 Prozent der Schweizer Konsumenten kennen den Black Friday; 65 Prozent planen, daran teilzunehmen. Man kann fast schon von einer Black-Friday-Sucht sprechen. Erstaunlich sind auch die Präferenzen für den Einkaufskanal.

Was fällt Ihnen hier auf?
In der Regel macht man den Black Friday in der Schweiz an Warenhäusern fest, also grossmehrheitlich an einem vertrauten Offline-Kanal. Unsere Zahlen zeigen aber, dass das Phänomen sehr viel breiter auftritt. Diejenigen Konsumenten, die sich am Black Friday eindecken wollen, tun dies stärker online als offline.

Sie gewannen Ihre Erkenntnisse durch eine Online-Befragung. Beeinflusst dies die Antwort zum bevorzugten Kanal?
Das glaube ich nicht. Schweizer Konsumenten sind heute flächendeckend und jederzeit online.

Was sind die Folgen für die Schweizer Händler bezüglich der Beliebtheit des Black Friday?
Viele glauben, sie müssten mitmachen im Rabattkonzert. Weil viele andere bereits mitmachen. Rabatt ist nun mal eines der süssesten Gifte überhaupt.

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Was richtet das Gift an?
Je stärker der Brauch wird, desto mehr warten die Konsumenten auf den Black Friday. Sie halten sich zuvor mit Ausgaben zurück – und danach auch wieder. Man könnte sagen, dass das Black-Friday-Geschäft eine Art geklauter Umsatz der Zukunft ist. Erkauft mit ungesunder Marge. Kommt dazu: Die Erwartungen an die Rabatthöhe sind hoch. Dieses Jahr reichen 30 Prozent vielleicht noch. Aber im kommenden Jahr?

Welches Gegengift empfehlen Sie?
Ganz enthalten kann sich dieser Sache wohl kein Händler mehr. Statt mit flächendeckenden Rabatten arbeitet man, wenn schon, mit gezielten, individuelleren Aktionen. Unter einer entscheidenden Voraussetzung: Der Detailhandel muss wissen, was Kunden wirklich wollen.