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Konkurrenz
«Man will kein Uhren-Ladegerät mitschleppen»

Nick Hayek: «Nächstes Jahr kommen wir mit einer revolutionären Batterie auf den Markt». Sophie Stieger

Nick Hayek ist Chef des weltgrössten Uhrenkonzerns. Wie beurteilt der Swatch-Lenker die Apple Watch? Ist die smarte Uhr eine Bedrohung? Wie reagiert Swatch? Im Interview verrät Hayek seine Pläne.

Von Stefan Barmettler und Marcel Speiser
am 06.05.2015

Letzten Herbst kündigte Apple die Lancierung einer eigenen Uhr an. Funktionalität am Handgelenk ist beim iPhone-Konzern zentral. Nun folgt auch die Schweizer Uhrenindustrie diesem Trend und setzt auf Technologie.

Vor wenigen Tagen wurde die Apple Watch lanciert. Eine Bedrohung für die Schweizer Uhrenindustrie?
Nick Hayek: Ach was, das ist eine Opportunität für uns. Als das Mobiltelefon mit Zeitanzeige auf den Markt kam, haben uns viele vorausgesagt, nun käme die Uhrenbranche unter Druck. Ich sagte, das ist eine Chance: Die Leute sind mobiler, sind mehr in den Innenstädten, mehr in den Läden. Wir verkaufen seither sogar auch mehr mechanische Uhren, obwohl diese viel unpräziser sind als die Uhren auf dem Handy-Display. Wissen Sie, wofür Swatch steht?

Für Swiss Watch.
Nein, für Second Watch. Wir haben damals die Traggewohnheit geändert. Man wechselte nun die Uhr, wenn man in die Ferien fuhr, Sport trieb, ins Konzert oder ins Theater ging. Mit dem Erfolg der Swatch sind viele Modemarken wie Calvin Klein oder Armani ins Uhrengeschäft eingestiegen. In der Folge ist der Uhrenmarkt sogar enorm gewachsen. Nun hatten die Leute nicht nur eine Uhr, sondern zwei oder drei.

Jetzt kommt die intelligente Uhr obendrauf?
Wir hatten schon vor 10 Jahren ein Produkt, das smarte Funktionalitäten in die Uhr integrierte. Dem standen der Stromverbrauch und die Software-Abhängigkeit entgegen. Diese Probleme sind bis heute nicht gelöst. Das Geschäftsmodell der neuen Uhren ist wie beim Mobiltelefon: Nach einem Jahr kann man das Gerät wegwerfen, weil die technologische Entwicklung bei Speicher, Display, Funktionalität enorm ist.

Also keine Bedrohung durch Apple?
Nein, es ist eine Chance für uns, zumal das Produkt eher eine Fernbedienung fürs Handy ist. Ausserdem wird die Marke Swatch in einem Atemzug mit Apple genannt. Das hat vor allem in den USA ein enormes Interesse für die Marke geweckt.

Funktionalität am Handgelenk ist ein Trend.
Funktionalität am Handgelenk war immer ein Kriterium für Uhren. Gleichzeitig müssen Uhren aber auch schön und praktisch sein. Hier kommt das Problem der Gangautonomie der Batterie ins Spiel. Ein Konsument, der heute viel unterwegs ist, will nicht noch ein Ladegerät für die Uhr mitschleppen. Wer eine Batterie auf den Markt bringt, mit der man eine smarte Uhr ein halbes Jahr nicht aufladen muss, der hat einen Wettbewerbsvorteil. Mit unserer Forschungsfirma Belenos und der eigenen Batterieherstellerin Renata arbeiten wir intensiv an dem Problem. Nächstes Jahr werden wir mit einer revolutionären Batterie auf den Markt kommen, nicht nur für Uhren, sondern auch für Automobile. Wir kennen das Thema. Immerhin produziert Renata 800'000 Batterien pro Tag.

Wie reagiert Swatch?
Mit der Swatch Touch Zero One und der NFC-Swatch. Damit kann man kontaktlos bezahlen, wie mit einer Kreditkarte. Ein neues Display braucht es gar nicht, davon hat es schon genug: im Auto, im Büro, auf dem Smartphone, dem Tablet. Eine NFC-Swatch kann all diese Geräte intelligent steuern, wie eine Art Passepartout.

Lesen Sie in der neuen «Handelszeitung» das grosse, dreiseitige Interview mit Nick Hayek – ab Donnerstag am Kiosk oder mit Abo bequem jede Woche im Briefkasten.

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