Als Alternative zu einem kompletten Outsourcing erfreuen sich Managed Services bei mittelständischen und bei grossen Unternehmen wachsender Beliebtheit. Auf diese Weise lassen sich gezielt Aufgaben wie etwa Serverbetrieb oder Appli- kationsmanagement an externe Dienstleister auslagern.

Dabei definieren Service Levels Leistungsumfang und Verantwortlichkeiten des Service Providers, während die Kontrolle etwa über IT-Strategie und -Architektur oder Governance im eigenen Unternehmen verbleibt. Die Experten von Gartner erwarten eine Steigerung des gesamten Marktvolumens für IT-Services um 6,5% von 164,4 auf 175,2 Mrd Dollar.

Bedeutung des Markts nimmt zu

Managed Services werden zunehmend interessant für IT-Entscheider. Denn in wirtschaftlich schwierigen Zeiten profitieren Unternehmen vor allem von kurzfristigen Kosteneinsparungen sowie hoch standardisierten Prozessen, Tools und Services - und das, ohne umfassend in Know-how und IT investieren zu müssen. Gleichwohl setzt eine erfolgreiche Auslagerung immer voraus, dass die unternehmensinternen Prozesse einen entsprechenden Reifegrad aufweisen und sich daraus ein Anforderungsprofil für den externen Dienstleister entwickeln lässt. Zu den Managed Services, die überdurchschnittlich wachsen, gehört das Software-Testen. Die Analysten von Ovum prognostizieren für das Testing-Geschäft bis 2013 ein Marktvolumen von mehr als 56 Mrd Dollar weltweit, was im Schnitt einer jährlichen Steigerungsrate von 9,5% entspricht. Dabei stehen extern erbrachte Tests bei den Anwenderunternehmen hoch im Kurs: Bis 2013 soll laut Ovum der Marktanteil der Outsourcing-Anbieter von Testing Services von 53 auf 58% steigen.

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Auslagerung gezielt einsetzen

«Testing Services sind sehr gefragt aufgrund zusätzlicher Einsparungen, höherer Qualität und reduzierter Time-to-Market», so die Gartner-Experten. Managed Testing Services wurden unter die Lupe genommen und Erkenntnisse sowie Empfehlungen für Nutzer formuliert.

Voraussetzung für einen erfolgreichen Einsatz von Testing Services ist danach ein umfassendes Verständnis in den Unternehmen über den Umfang der Leistungen, um eine realistische Erwartungshaltung zu schaffen und eindeutige Vertragsvereinbarungen zu definieren. So lassen sich auch die Identifizierung und das Management von Risiken erleichtern. Denn die Zahl der Testing Services, die von Dienstleistern angeboten werden, wächst kontinuierlich - ebenso wie die Unübersichtlichkeit in den Beschreibungen und Definitionen der Testing-Angebote. So ist es zunächst einmal geboten, eine klare, gemeinsame Sprache zwischen unternehmensinternen und externen Beteiligten zu finden. Grundsätzlich gehört zum Testing jede Art von Validierung und Verifizierung, die der Qualitätskontrolle und -sicherung dient. So wird sichergestellt, dass die getesteten Elemente sowohl technisch als auch funktional den definierten Spezifikationen entsprechen - und darüber hinaus die Anforderungen bezüglich Parametern wie Compliance, Reporting, Performance und Skalierbarkeit erfüllt werden.Die Testing Services erstrecken sich über alle drei Abschnitte eines typischen Softwareeinführungs-projekts: Design, Build and Run (operativer Betrieb). In der Design-Phase liegt der Fokus auf der Testing-Gesamtstrategie, Geschäftsprozess-Tests und dem so genannten Technical Site Testing. Hier werden Qualitätsziele und Massnahmen festgelegt und funktionale Anforderungen in Test-Objekte «übersetzt». Die Build-Phase dient der Definition und Ausführung von Tests in kontrollierten Test-Umgebungen. Hierbei kommt eine Reihe von Testfällen zum Einsatz, die sich unter dem Oberbegriff Core Testing zusammenfassen lassen. (vgl. Kasten) Hinzu kommen zahlreiche weitere Core-Verfahren, die auf dem Managed-Testing-Markt gängig sind, wie zum Beispiel Scalability Testing, Recovery Testing oder Globalization/Localization Testing. Darüber hinaus stellen die Anbieter eine Reihe von Compliance Services zur Verfügung, die das Sicherheitsverhalten von Applikationen testen. Hierbei geht es um Fragen von Authentifizierung, Datenschutz, Bedrohungsszenarien, Verwundbarkeit von Netzen, Servern und Datenbanken, Zertifizierung und Einhaltung gesetzlicher Regularien wie Basel II und Sarbanes-Oxley Act.

Testen in allen Projektphasen

Im operativen Betrieb (Run) stehen schliesslich Wartung (Maintenance) und Management Services im Mittelpunkt. Die Provider bieten diese Dienste meist in ihren spezialisierten Testing-Centern auf Basis von Service Level Agreements (SLA) an. Optional stellen sie Anwenderunternehmen ihre Testcenter auch im Hosting-Modus zur Verfügung, sodass diese die Tests ausser Haus durchführen und die Investition in dedizierte Infrastruktur und Tools sparen können. Dies kommt vor allem für Unternehmen in Frage, die wiederkehrende Testaufwände haben, wie sie zum Beispiel beim Betrieb grosser SAP-Systeme entstehen. Dabei müssen regelmässig neue Updates aufgespielt werden.

Die Tests lassen sich ohne Aufwand automatisieren und eignen sich daher für die Auslagerung an externe Testcenter. Mangel an Arbeit dürfte bei den Testing-Providern auf absehbare Zeit deshalb nicht herrschen. Die grössten Wachstumspotenziale sehen die Gartner-Experten noch im breit gefächerten Segment der Applikationstests. Mit der Etablierung von Cloud Computing zieht jedoch auch das Infrastructure Testing stark an. Zudem kommen auf das Produkt-Testen zusätzliche Herausforderungen zu. Dafür sorgt die zunehmend komplexe Software, die in Fertigung, Handel und Telekommunikation verbaut wird. Und schliesslich gilt es künftig verstärkt, den Anforderungen von Compliance und Zertifizierungen in Produkten und Applikationen gerecht zu werden.