Die Geschäftsfliegerei musste 2009 Federn lassen. Zusammengestrichene Reisebudgets verbannten die Manager aus den komfortablen Privatjets auf gewöhnliche Linienflüge. Trotz Umsatzeinbrüchen von fast 20% glaubte die Business-Aviation-Industrie aber an ihre Zukunft. Betreiber rund um den Globus verkünden wieder satte Zuwachsraten, so auch in der die Schweiz.

Von einer substanziellen Steigerung berichtet etwa die in Genf stationierte PrivatAir. «Auffällig ist, dass vor allem längere Strecken wieder gefragt sind», sagt Senior Vice President Mark Reichin. Positiv tönt es auch bei der TAG Aviation, die aufgrund der verbesserten Nachfrage den Mitarbeiterbestand am Flughafen Genf unlängst um 5% auf 450 aufstocken konnte.

Mehr Kunden sowie neue Flieger

Ein deutlich besseres Pflaster für die Geschäftsfliegerei ist auch Zürich. Das spüren sowohl die Anbieter mit eigener Flotte als auch die Broker-Firmen, die als Vermittler auftreten. Eine davon ist ExecuJet mit Sitz am Flughafen Zürich, die weltweit rund 150 Flugzeuge betreut. ExecuJet will 2010 nach wie vor ein Plus von 20% erzielen, bestätigt eine Sprecherin. Ähnlich gut unterwegs ist der britische Broker Air Partner. «Wir verzeichnen sowohl von vermögenden Privatpersonen als auch von Firmenkunden wieder deutlich mehr Buchungen», erklärt Tom Engelhard, Country Manager Switzerland von Air Partner, die 2010 ihr zehnjähriges Bestehen am Flughafen Zürich feiert. Das Plus gegenüber 2009 betrage 10 bis 20%. Ein sattes Wachstum generiere man ebenfalls mit der Vermittlung von ganzen Grossraumflugzeugen. «Die Firmen organisieren wieder vermehrt Kongress- und Incentive-Reisen.»

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Von der neuen Reiselust der Betriebe profitiert auch die zuletzt stark expandierende VistaJet, die ihren Sitz in Baar ZG hat und vom Ex-Swissair-Chef Philippe Bruggisser geführt wird. «Dass internationale Unternehmen wie Google oder IBM Zürich als europäische Zentrale gewählt haben, schlägt sich positiv auf unsere Buchungen aus», sagt Thomas Flohr, Gründer und Präsident von VistaJet. Der letzte Schweizer Skiwinter brachte dem Anbieter laut Flohr ein Umsatzplus von 35% gegenüber dem Vorjahr. Ein lukratives Geschäft für VistaJet, die soeben für 300 Mio Fr. sechs neue Flugzeuge bestellt hat. Von einem Flottenausbau berichtet auch Jet Aviation, die ihr Segment Airtaxi mit zwei Maschinen erweitert hat. «Eine Folge des zweistelligen Wachstums, das wir heuer in allen Unternehmensbereichen erreichen», sagt Marketing-Manager Heinz Aebi.

Auch zwei weitere Flugzeuge konnte die noch junge Swiss-Tochter Swiss Private Aviation Anfang Jahr in Dienst nehmen. «Unser Charterangebot hat sich inzwischen am Markt etabliert», sagt CEO Peter Koch. Gemeinsam mit dem Mutterhaus werde man 2010 vermutlich als neues Rekordjahr in Bezug auf verkaufte Flüge für Lufthansa Private Jet feiern können. Wesentlich ist für Koch eine weitere Synergie mit Lufthansas Technikeinheit VIP & Executive Services. «Dank dieser Kooperation, die heuer lanciert wurde, sind wir erstmalig befähigt, den Kunden alle Kompetenzen des Konzerns im Segment Business Aviation aus einer Hand anzubieten», so Koch, der auch die Zusammenarbeit mit Brokern und Agenten vertiefen will. Dazu wurde im Juli das B2B-Treueprogramm Swiss Private Plus lanciert.

Teileigentum oder Flugstunden?

Untätig blieb auch NetJets Europe nicht, die europäische Marktführerin in der Geschäftsfliegerei, die ein Portfolio von über 150 Maschinen hat. Man habe die Anzahl der Flugbewegungen 2010 gegenüber 2009 um 10% gesteigert. Noch optimistischer blickt Sales Director Emily Williams in die Zukunft: «Wir führen im Moment 40% mehr Testflüge für potenzielle Neukunden durch als noch im Vorjahr.» Entsprechend habe man mehr Geld für Investitionen. Einerseits wurde das Vertriebspersonal um 40% aufgestockt, anderseits hat NetJets den deutschen Flughafen Egelsbach bei Frankfurt am Main gekauft und sich so einen attraktiven Zugang zur deutschen Finanzmetropole gesichert. Für Williams gründen der Erfolg sowie die Chancen auf dem Modell des Teileigentums an Flugzeugen. «Unsere Kunden bezahlen nur für ihren Flieger, wenn sie ihn auch effektiv beanspruchen.»

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Andere Anbieter, beispielsweise VistaJet, offerieren eine Alternative: Die Kunden können eine bestimmte Anzahl Flugstunden pro Jahr einkaufen und nach Bedarf verfliegen. «Wir sind überzeugt, dass unser Modell die Risiken und Zwänge des Teileigentums elegant umgehen kann und in Zeiten von wirtschaftlichen Unsicherheiten gefragt ist», sagt Thomas Flohr. In der Schweiz sei die Rechnung bislang aufgegangen. Weiter entwickeln möchte VistaJet ihr globales Geschäft. In Asien etwa sehen viele Anbieter ebenfalls lukrative Zukunftschancen, so etwa der Broker Travcon (siehe «Nachgefragt»).

 

 

Nachgefragt


«Ein Geschäft in China aufgebaut»

Philipp Zürcher ist Präsident des Brokers Travcon in Oberuzwil SG.

Haben Sie die Wirtschaftskrise gut überwunden?

Philipp Zürcher: Von einer eigentlichen Krise konnte bei uns nicht die Rede sein. Im Kundenstamm haben sich einige Veränderungen ergeben. Wir hatten mit Travcon 2008 ein Rekordjahr und schlossen 2009 nur unwesentlich schwächer ab. Für 2010 zeichnet sich ein ähnliches Resultat ab wie 2009. Darüber hinaus haben wir uns im letzten Jahr für den Aufschwung gerüstet, die Betreuung von arabischen Kunden in Dubai auf neue Beine gestellt, uns an einem Maintenance-Betrieb für Boeing- und Airbus-Maschinen in Kalifornien beteiligt und, besonders wichtig, ein Charter-Broker- Geschäft in China aufgebaut.

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Und davon profitieren Sie jetzt.

Zürcher: Und wie. Während die generelle Nachfrage seit diesem Frühling wieder deutlich ansteigt, hat unsere neue Firma Red Diamond Aviation in China einen sehr guten Start hingelegt.

Wie ambitioniert sind ihre Ziele?

Zürcher: 2010 möchten wir das gute Ertragsniveau von 2009 bestätigten und 2011 nochmals ausbauen. China wird wesentlich dazu beitragen und ist unser hauptsächlicher Wachstumstreiber.