Die Credit Suisse ist über die Osterfeiertage nicht zur Ruhe gekommen: Nur wenige Tage nach der Bekanntgabe eines verschärften Sparkurses wurde publik, dass der Chef des Asset Managements die Credit Suisse verlässt. Robert «Bob» Jain wechselt zu Millennium Management, einem der grössten Hedge Funds der Welt.

Jains Abgang kommt für Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam zur Unzeit: Thiam will die Grossbank stärker vom risikoreichen Investmentbanking hin zur Vermögensverwaltung ausrichten. In dieser neuen Strategie ist das Asset Management ein Pfeiler: Es liefert relativ stabile Erträge und bindet ziemlich wenig Kapital. «Für die CS ist das attraktiv», sagt ZKB-Analyst Andreas Brun.

Die Credit Suisse ist ein Nischenabieter

Doch grundsätzlich sei das Asset Management für die Bank nur bedingt wichtig, so Brun. Die Credit Suisse gehört in diesem Geschäft auf globaler Ebene zu den kleinen Anbietern. Und das dürfte sich nicht gross ändern: Zwar schloss Tidjane Thiam zu Beginn Zukäufe im Asset Management nicht aus – in den letzten Monaten war davon aber nicht mehr die Rede.

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«Ich kann mir vorstellen, dass sich Bob Jain mehr erhofft hat», sagt Brun. Thiam hob zudem das Asset Management als eigenständige Einheit auf und setzte Bob Jain den Vermögensverwaltungs-Chef Iqbal Khan vor die Nase

Karriere im Gleichschritt mit Dougan

Bob Jains 20 Jahre lange Karriere bei der Credit Suisse war eng mit jener von Ex-Chef Brady Dougan verknüpft. «Bei einem Chefwechsel muss man davon ausgehen, dass einige Topmanager die Bank verlassen», sagt Brun. Kürzlich haben auch der ehemalige Co-Chef der Investmentbank und der Ex-Chef fürs US-Vermögensverwaltungsgeschäft den Hut genommen. Dennoch ist für Brun der Abgang des US-Amerikaners «sicher kein positives Zeichen».

Droht der Credit Suisse nun einen Jain-Effekt wie der Bank Vontobel? Bei Vontobel sorgte der Abgang von Star-Manager Raijv Jain für einen Kurssturz. Die CS-Aktie startete heute zu Handelsbeginn im Plus, notiert aber mittlerweile im Minus. Brun sieht denn auch wenig Parallelen: Raijv Jain habe bei Vontobel ein Produkt verkörpert. Bob Jain sei bei der Grossbank hingegen ein klassischer Manager, und weniger ein Aushängeschild wie sein Namensvetter.

Ein Kustliebhaber

Ein grauer Banker ist Bob Jain dennoch nicht: Der US-Amerikaner und seine Frau Carola Jain sind Teil des New Yorker Jetsets. Letzten Sommer machte das Ehepaar mit einer Benefizveranstaltung Schlagzeilen: Es lud zu einer Party in seiner Villa im Nobelort Southampton, um Geld für ein Kunstmuseum zu sammeln. Die Boulevardzeitung New York Post nannte den Anlass «Avantgarde» und beschrieb im Detail die schrägen Kunstdarbietungen.

Der Sohn indischer Einwanderer ist Kunstliebhaber und sitzt  im Museumsrat des New Yorker Kunstmuseums Rubin Museum of Art. Zudem engagiert er sich für eine Grundschule im New Yorker Stadteil Queens, wo er früher selber in die Schule ging. Zum Banker wurde offenbar eher zufällig – als Collegestudent hatte er noch nie von der US-Bank Goldman Sachs gehört: «Da gab es die Jobs», zitierte ihn die Zeitung US Today – alle intelligenten Typen seien ins Banking eingestiegen.

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