In der Hamburger Innenstadt tobt zum G20-Auftakt die «Hölle», wie ist die Lage am Hamburger Flughafen?
Michael Eggenschwiler*: Die Lage ist sehr ruhig in den Terminals, die Linienflüge sind pünktlich. Selbst gestern hatten wir keine aussergewöhnlichen Verspätungen, als alle bis auf zwei Staatschefs gelandet sind. Insgesamt reisen zum G20-Gipfel 26 Staats- und Regierungschefs über den Hamburger Flughafen. Aufgrund der Verkehrslage in Hamburg empfehlen wir unseren Passagieren während der Gipfeltage weiterhin die An- und Abreise über die S-Bahn.

Wie haben Sie sich logistisch auf das Mega-Event G20 vorbereitet?
Wir haben vor Monaten eine Taskforce gebildet, die sich in verschiedene Teams gliedert. Ein Team kümmert sich um die Presse, das nächste um die Sicherheit, ein drittes um die Begrüssung der Staatsgäste und so weiter. Es gab unzählige Fragen zu klären, zum Beispiel, wo wir die einzelnen Regierungsmaschinen hinstellen. 50 Sondermaschinen landen und starten in den Tagen des G20-Gipfels, und jeder Staat hat auch wieder besondere Anforderungen.

Zum Beispiel?
Jeder Staats- und Regierungschef wird mit einem Protokollempfang begrüsst. Da muss der rote Teppich richtig liegen, der Ehrenempfang in der richtigen Reihenfolge stattfinden. Für jeden Staatsgast war auch ein Mitglied der Hamburger Regierung hier. Das muss koordiniert werden. Ausserdem fliegen manche Delegationsmitglieder auch Linie.

Tatsächlich?
Ja, 32 Delegationsmitglieder, zum Beispiel Vizepräsidenten oder Finanzminister, sind mit dem normalen Linienverkehr angereist. Sie werden aber natürlich dennoch besonders begrüsst, das muss auch organisiert werden.

Wie viele Mitarbeiter sind derzeit im Einsatz, um den Empfang zu koordinieren?
Unser Kernteam im Einsatzstab umfasst rund 30 Mitarbeiter. Insgesamt sind aber viel mehr Angestellte des Flughafens im Sondereinsatz, viele Büroangestellte haben sich freiwillig gemeldet, um beim Grossevent zu unterstützen.

Das heisst?
Von den rund 1900 Mitarbeitern des Hamburger Flughafens sind bestimmt 90 Prozent im Einsatz. Es gab auch eine Urlaubsperre für die Zeit. Für viele Angestellte ist es aber auch etwas Besonderes, jetzt dabei zu sein. Das ist ein richtiges Teamevent. Das Kernteam im Einsatzstab muss 24 Stunden abdecken, schliesslich landen die Staatschefs auch nachts.

Wer war denn gestern Abend der letzte?
Um zwei Uhr nachts ist Wladimir Putin gelandet. Davor um 0:30 Uhr noch der mexikanische Präsident, Enrique Peña Nieto. Um fünf morgens haben wir dann noch den brasilianischen Regierungschef Michel Temer begrüsst.

Wie takten Sie denn die Ankünfte von über 20 Staatschefs an einem Tag?
Naja, nicht wir takten, die Ankunft bestimmt der Terminkalender der jeweiligen Regierungschefs. Allerdings haben wir gut mit dem Auswärtigen Amt in Berlin zusammengearbeitet, das die Anreisen koordiniert. Wir haben den dringenden Wunsch geäussert, dass nicht mehr als vier Staatschefs pro Stunde anreisen. Das hat dann auch funktioniert und dadurch konnten wir auch den Linienverkehr gut abwickeln.

Wie haben Sie die Sicherheitsmassnahmen angepasst?
Wir haben ja seit Jahren einen äusserst hohen Standard. Bereits seit den Terroranschlägen in New York, vor allem aber durch die Ereignisse in London und Frankreich sind die Massnahmen so umfassend, dass sich das unmittelbar nicht ändert. Allerdings ist aber natürlich Polizeipräsenz am Flughafen und auch den Verkehrswegen deutlich erhöht.

Sie sind ja bereits seit 14 Jahren Chef des Hamburger Flughafens, wo rangiert denn der G20-Gipfel unter den Grossevents für Sie?
Der rangiert unter den Anlässen der vergangenen Jahre schon ganz weit vorne. Da haben wir dann auch den Ehrgeiz entwickelt, das zu schaffen.

Werden Sie denn mit Ihren Mitarbeitern feiern, wenn alles geschafft ist?
Jeder Mitarbeiter bekommt eine Überraschung zur Erinnerung – was das ist, kann ich jetzt aber natürlich noch nicht verraten. Ausserdem werden wir im September im Hamburger Hafen unser Mitarbeiterfest feiern, das wird auch nochmal eine Gelegenheit sein, um Danke zu sagen. Auch Olaf Scholz, Erster Bürgermeister von Hamburg, war gestern persönlich da und hat sich beim Kernteam stellvertretend bedankt. Das ist mir auch wichtig.

Mit Ueli Maurer ist das erste Mal ein Schweizer Vertreter beim G20-Gipfel. Werden Sie seine Ankunft besonders beobachten?
Ich hoffe, dass ich ihn sehen werde. Das ist für mich als Schweizer und als Honorarkonsul natürlich etwas besonderes, wenn ein Bundesrat in Hamburg anreist.

Das heisst, Sie stehen am roten Teppich?
Das ist mein Plan, ja. So häufig kommen Bundesräte ja nicht nach Hamburg. Aber vielleicht gefällt es Ueli Maurer so gut, dass nach ihm noch andere den Weg hierher finden.

*Der Basler Michael Eggenschwiler war bis Ende 2001 bei der Swissair, nach einem kurzen Abstecher in die Beratung übernahm er 2003 den Posten als Geschäftsführer am Hamburger Flughafen. Seit 2010 ist Eggenschwiler auch Honorarkonsul für die Schweiz in Hamburg. Der Vater von zwei Kindern lebt mit seiner Familie im Westen der Stadt und ist heute früh mit dem Auto zum Flughafen gefahren – er musste dafür ein paar Umwege in Kauf nehmen.
 

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