Warum führen Sie die Messe für strukturierte Produkte nicht als Messe für Finanzprodukte gemeinsam mit der Fondsmesse durch?
Marc Zahn: Das wäre eigentlich mein Wunsch gewesen. Mit der Fondsmesse hat man im Vorfeld diskutiert. Vielleicht wird es in Zukunft zusammenwachsen.

Erwarten Sie tatsächlich, dass auch Privatanleger an die Messe kommen werden?
Zahn: Ja, deshalb haben wir die Messe auch bis 8 Uhr abends offen. Ich könnte mir vorstellen, dass wir einen grossen Anteil Retailkunden haben, und zwar nicht nur wegen der Messe, sondern auch wegen der Seminarreihen, Panels und Ausbildungsreferate im Rahmenprogramm.

Hanspeter Häni haben Sie nicht im Rahmenprogramm vorgesehen. Der Bankenombudsmann stellt vermehrt unzufriedene Käufer von strukturierten Produkten fest.
Zahn: Wir haben uns als Veranstalter wenig eingemischt, wer wo sprechen darf. Aber der Konflikt wird nicht gescheut, mit Romain Marti, Leiter Bewilligungen und Anlagefonds von der EBK, und Matthäus Den Otter, dem Geschäftsführer des Schweizerischen Anlagefondsverbandes, haben wir durchaus auch kritische Stimmen auf das Panel geladen.

Anzeige

Fonds und strukturierte Produkte nähern sich immer mehr an. Wird es in Sachen Regulierung auch mal gleich lange Spiesse geben?
Zahn: Das sind ja völlig verschiedene Dinge. Bei einem Fonds wird eine Drittperson mit der Vermögensverwaltung beauftragt, was eine andere Überwachung erfordert als bei einem strukturierten Produkt, wo der Käufer von vorneherein das Auszahlungsprofil kennt und weiss, was passiert, wenn gewisse Schwellen oder Barrieren gebrochen werden.

Der Käufer muss aber auch davon überzeugt sein, dass er vorher­sehen kann, wie sich eine oder mehrere Aktien oder Rohstoffpreise über ein bis zwei Jahre ent­wickeln werden. Glauben Sie wirklich, Anleger können das?
Zahn: Grundsätzlich ja - aber nicht in 100% der Fälle. Das Know-how der Retailkunden hat sich über die letzten fünf Jahre massiv verbessert. Wenn jemand aber keine Erwartungshaltung hat, ob die Börsen, Einzeltitel oder
Commodities grundsätzlich in nächster Zeit steigen, sich seitwärts bewegen oder tendenziell eher fallen, dann rate ich ihm: «Lass es bitte sein mit solchen
Produkten.»

Seit kurzem gibt es den Index SLI und prompt kann man auch Indexzertifikate und Indexfonds darauf kaufen. Warum soll ich das Zertifikat dem Fonds vorziehen?
Zahn: Bei indexbasierten Produkten sind die Strukturen zwischen Zertifikaten, ETFs und Fonds sehr ähnlich. Zu beachten sind aber die «Overall cost of ownership» des Produktes, sprich alle Gebühren, die einmaligen wie auch die wiederkehrenden.

Nebst den zu zahlenden Gebühren entgehen dem Anleger auch die
Dividendenzahlungen. Weisen die Emittenten aus, wie viel Geld man den Anlegern da vorenthält?
Zahn: Nein. Die Dividende wird vom Emittenten eingesetzt, um dem Anleger den Kapitalschutz zu finanzieren. Für den Kunden ist es also eine Art Versicherungsprämie, die er für den Schutz zahlt.

Viele sagen, die Margen seien generell zu hoch…
Zahn: Zum Glück haben wir in der Schweiz rund 25 Emittenten, die doch sehr ähnliche Produkte ausgeben. Das führt zu einem sehr guten Wettbewerb, aber es führt auch dazu, dass die Margen entsprechend kleiner werden ...

... und es führt auch dazu, dass deren Handelsumsätze durch die Decke geschossen sind...
Zahn: Klar, es ist unbestritten für die Emittenten ein gutes Geschäft. Aber es eröffnet den Anlegern auch ganz neue Universen. Er kann heute in Rohstoffe, Öl oder Gold inves­tieren und muss nicht das Eurex-Risiko der Nachschusspflicht oder der Lieferung eingehen, sodass dann plötzlich irgendwann einmal der LKW mit Schweinebauchhälf­ten vor der Türe steht (lacht).

Aber man kann den Emittenten den Vorwurf der unzureichenden Information machen. So wurden Rohstoffzertifikate stark beworben, die dann trotz boomender Märkte eine schlechte Rendite abwarfen - und plötzlich lautete die Erklärung «Contango», was soviel hiess wie: «Sorry, wir hatten die Roll-over- Kosten vergessen!»
Zahn: Es gibt sicher noch Verbesserungspotenzial bei der Aufklärung. Wir als Börse versuchen, mit unserer Website dazu beizutragen, und der Verband für Strukturierte Produkte ebenfalls. Daher haben wir jetzt auch das Angebot auf unserer Website erweitert, wo nun auch Rankings der Emittenten bezüglich Handelsaktivitäten wie Volumen und Anzahl der Abschlüsse sowie Neuemissionen der strukturierten Produkte einsehbar sind. Knock-out-Schwellen und Barriereverletzungen werden wir in einigen Wochen ebenfalls anzeigen.