Ein paar Tage wurde über die Todesursache von Sergio Marchionne spekuliert. Klar ist, der Zürcher Uni-Spital hatte den Spitzenmanager bereits seit einem Jahr mit grossem medizinischen Aufwand betreut. Offenbar wurde dieser Sachverhalt in der Firma unter Verschluss gehalten, wie italienische Medien melden. Am weitesten und über das übliche Mass an Spekulationen ging das Finanzportal Inside Paradeplatz IP.

Letzen Donnerstag stellte der Finanzblog einen Beitrag ins Netz, der Unwissen mit Insinuierungen und Behauptungen anreicherte. Dem Uni-Spital drohe nach dem Tod Marcionnes unangehnehme Fragen durch italienischen Medien, stand da unter dem Titel «Wer hat versagt bei Marchionnes Behandlung?» Und weiter behauptete das Portal, dem Uni-Spital und dem Klinikstandort Zürich drohe «ein weitreichender Reputationsschaden». Auszuschliessen sei das jedenfalls nicht.

In den italienischen Medien freilich wurde die Behandlung in Zürich nie in Zweifel gezogen; mit der Erklärung über die monatelange Behandlung durch das Unispital waren die letzten Zweifel ohnehin ausgeräumt. Im Finanzblog, der sich sonst mit Vorliebe auf Grossbanker eindrischt, gingen derweilen die Wogen hoch. Ausgerechnet die User, die sonst gerne – in anonymer Form – Hohn und Spott unter die IP-Artikel setzen, kritisierten diese Art der Marchionne-Berichterstattung scharf. Die Kritik war derart massiv, dass der Artikel integral vom Netz verschwand und stattdessen eine Entschuldigung publiziert wurde: «Es hat sich gezeigt, dass die medizinische Behandlung des Ex-Fiat-Chefs in Zürich korrekt verlaufen ist. Daran zu zweifeln war falsch.»

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