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Marchionnes Nachfolger
Marchionnes Nachfolger Manley hat eine lange To-do-Liste

Mike Manley
Mike Manley: Am Samstag wurde der Jeep-Chef zum CEO von Fiat-Chrysler gewählt.Quelle: Keystone

Mike Manley tritt die Nachfolge von Sergio Marchionne an. Er muss Fiat-Chrysler in die Zukunft führen. Bereits steht eine Bewährungsprobe an.

Veröffentlicht am 23.07.2018

Ein unerwartet schneller Aufstieg: Mike Manley, Chef von Fiat-Chryslers Jeep- und Ram-Division, stand am Samstag im Rampenlicht, als er zum CEO ernannt wurde. Er soll Sergio Marchionne ersetzen, dessen Gesundheitszustand sich offiziell nach einer Schulteroperation unerwartet verschlechterte. Manley, 54, hat nur wenig Zeit, um sich auf die Präsentation der Quartalsergebnisse des Autoherstellers vorzubereiten. Bereits diesen Mittwoch steht die Veröffentlichung an. Investoren werden die Präsentation nutzen, um den neuen CEO zu bewerten: Trauen sie ihm zu, in die Fussstapfen von Marchionne zu treten?

«Die Leute werden sich fragen – die Produkte sind da, die Entscheidungen wurden getroffen, aber wer wird die strategischen Optionen steuern», sagte Brian Johnson, ein Analyst bei Barclays. So stellt sich etwa die Frage, wie es mit dem Zulieferergeschäft der Fiat-Chrysler-Tochter Magneti Marelli weitergeht – wird sie wie geplant abgespaltet und an die Börse ausgelagert?

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Marchionne hätte eigentlich erst im April 2019 in den Ruhestand gehen sollen. Seine unerwartete Krankheit beschleunigte die Zeit für eine Nachfolgeregelung, die bereits als Scheideweg für das Unternehmen angesehen wurde. Im Konzern stand man eigentlich erst am Anfang des Nachfolgeprozesses. Manley wird sich heute Montag in Turin mit den Top-Managern von Fiat Chrysler zu einer Sitzung des Konzernvorstands treffen. Das Treffen war bereits geplant, gewinnt aber an Bedeutung, da es den Beginn seiner Ära markieren wird.

Manley
In dem Bild aus dem Jahr 2011 präsentieren Sergio Marchionne (links) und Mike Manley den neuen Grand Cherokee Jeep.
Quelle: Keystone

Schlechter Börsenstart

Fiat Chrysler startete am Montag zum ersten Mal in den Handel mit der Gewissheit, dass Machionne nicht mehr auf seinen Posten zurückkehren wird. Die Fiat-Papiere fielen um 4 Prozent auf 15,77 Euro. Die Aktie des Sportwagenherstellers Ferrari, der während der Amtszeit von Marchionne aus Fiat ausgegliedert wurde, sank um 2,4 Prozent. Und CNH Industrial, ein weiteres Spin-off, ging um 2,9 Prozent zurück, während Exor, die Holdinggesellschaft von Fiats Gründerfamilie Agnelli, um 4 Prozent zurückging.

Manley steht also mit den Quartalszahlen eine schwierige Taufe bevor, sagt Analyst Max Warburton von Bernstein & Co. in einem Forschungsbericht. Der Brite ist seit 2009 Leiter der Marke Jeep – jene Konzern-Sparte also, dank der das Unternehmen den Gewinn in den nächsten fünf Jahren verdoppeln will. Der neue Chef wird nun viel auf seiner To-do-Liste haben – vom Wandel zu Elektroautos über die Stärkung der Luxusmarken Alfa Romeo und Maserati bis hin zur Steigerung des Bekanntheitsgrades von Jeep in China.

Er werde ein guter Chef sein

«Er ist kein Mann mit einem grossen Ego. Das ist ein weiterer Grund, warum er ein guter Chef sein wird», sagte Rebecca Lindland, eine leitende Analystin bei Kelley Blue Book. «Aber er muss herausfinden, welche Marken zu kämpfen haben und sich um die Elektrifizierung kümmern.» Mit den Händlern zumindest sollte er keine Probleme haben. Manley ist dafür bekannt für sein gutes Verhältnis mit Händlern, da er früher selbst einer war. Er begann 1986 bei Swan National Motors in Aberdeen zu arbeiten und stieg durch das britische System auf, bevor er im Jahr 2000 zu Daimler-Chrysler kam, um das Händlernetz zu leiten.

Der neue Chef steht zudem vor der Bewährungsprobe, strengere Standards in Europa und China einzuhalten. Zudem muss er sich mit diversen politischen Problemen herumschlagen: den Unsicherheiten in Italien sowie der Handelsängste in der Nafta-Zone und dem Konflikt zwischen den USA und der Europäischen Union. Gerade mit dem Hintergrund des erhitzten politischen Umfelds ist Manley wohl keine schlechte Wahl: Er gilt nicht nur als volksnah, ihm wird auch nachgesagt, einen kühlen Kopf zu haben.

(bsh, mit Material von Bloomberg)