1. Home
  2. Unternehmen
  3. Margendruck und Politik setzen Solarindustrie zu

Kampf
Margendruck und Politik setzen Solarindustrie zu

Meyer Burger: Noch immer mit Verlusten. Keystone

Solaranlagen sind in der Schweiz gefragt, trotzdem hat die Industrie zu kämpfen. Innert Kürze sind die Kosten massiv zurückgegangen - mit Konsequenzen. Und auch die Politik lässt die Branche zittern.

Veröffentlicht am 17.08.2016

In der Schweizer Solarindustrie herrscht derzeit nicht eitel Sonnenschein. Das Interesse von Bauherren an Solaranlagen hält zwar an. Der Margendruck in der Branche ist aber enorm. Zusätzlich für Unsicherheit sorgen bevorstehende Entscheide zur Energiepolitik.

2015 setzte die Solarbranche in der Schweiz insgesamt rund 900 Millionen Franken um, wie David Stickelberger, Geschäftsleiter des Branchenverbandes Swissolar, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda erklärt. Davon entfielen rund 790 Millionen Franken auf die Photovoltaik (Stromerzeugung) und weitere 110 Millionen Franken auf thermische Solaranlagen (Solarwärme).

Erneut abwärts

2014 hatte der Branchenumsatz noch bei rund einer Milliarde Franken gelegen. Ein weiterer Rückgang zeichnet sich für 2016 ab.

Die Aussichten für das laufende Jahr sind nämlich mehr als verhalten: Bei den thermischen Solaranlagen – hier brach der Markt bereits 2015 um 17 Prozent ein – erwartet Stickelberger 2016 einen erneuten Rückgang um rund 10 Prozent.

Einbruch und Verluste

Doch auch in der Stromerzeugung, die 2015 noch ein Rekordjahr mit einem zweistelligen Verkaufsplus auf 337 Megawatt verzeichnete, dürften die Verkäufe laut dem Branchenkenner auf 250 bis 280 Megawatt einbrechen.

Kein Optimismus aufkommen kann auch angesichts der aktuellen Zahlen von Meyer Burger. Das Thuner Unternehmen, einer der ganz grossen Schweizer Player in der Photovoltaik, verharrt auch im ersten Halbjahr 2016 in der Verlustzone.

Importe in der Mehrheit

Der Reinverlust belief sich auf 25,5 Millionen Franken. Die Firma produziert nicht nur Maschinen für die Modulproduktion, sondern verkauft auch Module in der Schweiz.

Neben Meyer Burger in diesem Teilmarkt aktiv sind die beiden Modulhersteller Megasol im solothurnischen Deitingen und Sunage in Chiasso. Diese haben laut Swissolar gemeinsam einen Marktanteil von rund 15 Prozent. Der Grossteil der Solarpanels wird aber in die Schweiz importiert.

Mörderischer Kostendruck

Den Schweizer Markt für thermische Anlagen dominieren die Ernst Schweizer Metallbau AG in Hedingen und die Firma Soltop Schuppisser mit Sitz in Elgg ZH. Laut Stickelberger ist die Produktion in der Schweiz rückläufig. Der Marktanteil liegt bei 28 Prozent, der Rest ist Importware.

Der Kosten- und Margendruck in der Solarindustrie ist laut Stickelberger «mörderisch». Seit 2009 seien die Anlagekosten für Photovoltaikanlagen um 80 Prozent gesunken. Der Konkurrenzdruck habe die Margen zusätzlich minimiert. Einige Firmen hätten aufgegeben, beispielsweise die Firma Sputnik, die Wechselrichter hergestellt habe, meldete 2014 Konkurs an.

Politik verunsichert

Das Interesse von Bauherren an der Solarenergie ist laut dem Branchenverband weiterhin ungebrochen. Für Stickelberger ein wichtiges Thema ist dabei der Eigenverbrauch. Hauseigentümer und Gewerbetreibende wollten die Energie vermehrt selber nutzen. Ein Teil der Elektrizitätswerke erschwere dies aber unter anderem durch höhere Zählerkosten und ungünstige Tarifbestimmungen.

Deutlich schwerer wiegt allerdings die Unsicherheit über anstehende politische Entscheide. Die Energiestrategie 2050 sei im Parlament noch nicht unter Dach, beklagt Stickelberger. Möglicherweise werde noch ein Referendum ergriffen. Bis Mitte 2017 sei daher unklar, wie es national weiter gehe.

(sda/jfr)

Anzeige