Von den Olympischen Spielen wurde ein Schub für die griechische Hotellerie erwartet. Die Planer schauten nach Barcelona, zur spanischen Hafenstadt, die mehr als ein Jahrzehnt zuvor mit den Sommerspielen ein neues Gesicht erhielt und danach die Touristen in Massen lockte. Für Athen blieb ein vergleichbarer Boom bei den Städtereisen und dem Kongresstourismus bisher aus. Doch vier Jahre nach dem sportlichen Grossevent gibt es erste Anzeichen dafür, dass zusätzliche Investitionen in die griechische Hotelbranche für einen nachhaltigen Aufwärtstrend sorgen. Dabei zählen nicht nur die finanziellen Mittel zur Erneuerung der Infrastruktur, ebenso wichtig sind für Nicos Roussos, General Manager der Ionian Hotel Enterprises, auch die zukunftsweisenden Managementkonzepte der internationalen Hotelketten und innovative Ansätze in der Gastronomie: «Wir müssen die einheimische Küche pflegen und den Gästen einen individuellen Service bieten.»

Markengefühl

Seine beiden Hilton Hotels in Athen und auf der Insel Rhodos, die Teil der Ionian-Gruppe sind, erfüllen diese Bedingungen. Das Stadthotel der Luxusklasse wurde vor fünf Jahren nach dem Standard der internationalen Kette komplett erneuert und gilt heute als Benchmark für die griechische Hotellerie. Roussos ist überzeugt davon, dass mit dem Aufkommen der Markennamen auch die übrige Hotellerie profitiert: «Der Abstand zu den Spitzenhotels hat sich verkleinert.» Angesichts einer deutlichen Sättigung in den viel frequentierten Metropolen zählt in Zukunft nicht nur der Standort eines Hotels, sondern vielmehr die Marke. Eine Studie des Unternehmensberaters Deloitte zur Hotelbranche im Jahr 2010 kommt zum Schluss, dass den Gästen mit entsprechenden Massnahmen ein umfassendes «Markengefühl» zu vermitteln ist. Nicht zuletzt kann sich jedoch der Einsatz von Technologie als eigentlicher «Joker» bei der Differenzierung im Wettbewerb erweisen. Dazu gehört speziell der Bereich Customer Relationship Management, mit einem personalisierten Service und einem ausgebauten Online-Angebot für die Zimmerreservation.

In Griechenland wurden die Investitionen in die Hotelbranche durch das Entwicklungsförderungsgesetz erheblich bevorschusst. Zwischen 1998 und 2006 haben die Hotelbetreiber gemäss der griechischen Fremdenverkehrszentrale gegen 1400 Businesspläne mit einem Investitionsvolumen von rund 1,8 Mrd Euro bei den zuständi- gen Regierungsstellen eingereicht. Mehr als die Hälfte aller Anträge betraf die Modernisierung von Hotelanlagen, der Rest war auf die Umnutzung von denkmalgeschützten Gebäuden in touristische Unterkünfte und die Erneuerung vorhandener Anlagen ausgerichtet.

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Höhere Bettenauslastung

Die Modernisierung hat in der Luxushotellerie auch bereits zu einer höheren Auslastung geführt. Derzeit liegt die Bettenbelegung bei knapp 70%, nachdem sie noch zu Beginn dieses Jahrzehnts bei gut 50% verharrte. Auch die Ertragslage hat sich positiv entwickelt. Drei von vier Hotels konnten 2006 die Einnahmen um durchschnittlich 8,4% erhöhen. Dabei gehörten vor allem die grossen Etablissements, mit einem differenzierten Service und internationalem Standard, zu den grossen Gewinnern. Vergleicht man jedoch die Geschäftsabschlüsse sämtlicher Hotels, fällt auf, dass die Hälfte der Betriebe in den roten Zahlen steckt. «Das steht zu einem guten Teil mit den Neuinvestitionen in Verbindung», begründet Hotelmanager Roussos das durchzogene Resultat. Nach den anfänglichen Amortisationen zeige sich in den Rechnungsbüchern rasch ein besseres Ergebnis.

Nebst den aufgewerteten Beherbergungsstrukturen richtet sich Griechenland auch vermehrt auf ergänzende Aktivitäten aus. Lücken gibt es bei den Golfplätzen. Längst haben die verantwortlichen Politiker erkannt, dass diese lukrative Kundschaft mit neuen Anlagen, speziell im südlichen Teil des Landes, zu umwerben ist. Trotz den intensiven Bemühungen zum Erstellen von neuen Golf-Ressorts gibt es zwei Faktoren, die eine rasche Realisierung hemmen. Einerseits verfügt Griechenland nicht massenweise über grosse, zusammenhängende Grundstücke, die sich für ein Projekt eignen. Zum anderen sind die bereits errichteten Anlagen, die wegen Wassermangel nicht genutzt werden, ein abschreckendes Beispiel.

Neue Attraktionen

Im Grossraum Athen haben die Hoteliers wiederholt auf die hohen Flughafentaxen im neuen Airport Venezielos hingewiesen, die einem angemessenen Verkehr mit Billigfliegern im Wege stehen. Nachdem die Regierung bei den Taxen korrigierte, haben verschiedene Günstiganbieter und Chartergesellschaften die griechische Hauptstadt in den Flugplan aufgenommen. Die zusätzlichen kulturellen Atraktionen, wie etwa das neue Akropolis-Museum, werden der Attika-Region touristisch zusätzlichen Auftrieb geben. Reiseexperten sehen überdies andere historische Stätten, die sich touristisch noch besser vermarkten liessen. Als Beispiel wird etwa das Schlachtfeld von Marathon genannt, das mit der Olympiade bekannt wurde.

Im Kongresstourismus hat Athen allerdings noch einiges aufzuholen. «Wir brauchen ein grossen Kongresszentrum», sagt Hotelier Roussos. Zwar gibt es ein Projekt, das die Umwandlung eines ehemaligen Olympiastadions in eine Tagungsstätte für mehrere tausend Personen vorsieht, aber die endgültige Realisierung lässt noch einige Jahre auf sich warten. Für den Chef des Hilton Hotels in Athen, das zu den drei grössten Kongresshotels zählt, ist das MICE (Meeting, Incentive, Congress, Event)-Geschäft ein wichtiger Pfeiler, der rund ein Drittel zu den Einnahmen beiträgt. Die ausgabenfreudigen Kongressgäste sind eine Zielgruppe, die in der ehemaligen Olympiastadt Barcelona zur Gewohnheit geworden sind. In Athen wird ihnen jetzt der rote Teppich ebenfalls ausgerollt.