Warum haben Sie sich bei uns beworben? Was qualifiziert Sie für diese Stelle? Was bringt es unserer Firma, wenn wir Sie einstellen? Was sind Ihre Stärken? Was sind Ihre Schwächen? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren? Was erwarten Sie von Ihrem Vorgesetzten? Wirklich angenehm sind solche Fragen nicht.

Doch für Personalverantwortliche liegen sie auf der Hand, denn sie wollen herausfinden, ob Motivation und Qualifikation des Bewerbers stimmen, ob sie sich mit dem Profil der ausgeschriebenen Stelle auseinandergesetzt haben, ob sie ins Team und zur Firma passen. Und sie wollen wissen, wie sich die Kandidaten im Gespräch verhalten: Sind sie offen und schlagfertig? Oder verschlossen und irritierbar? Gehen sie auf die Fragen ein? Sind sie aufrichtig?

Kurzum: Personalverantwortliche wollen herausfinden, mit wem sie es zu tun haben. Doch das ist kein Grund, nervös zu werden: Kennenlernen beruht schliesslich auf Gegenseitigkeit. Auch Bewerber loten beim Vorstellungsgespräch aus, ob ihnen der Betrieb passt, die Chemie mit den Vorgesetzten stimmt, ihnen der Job und die Anstellungsbedingungen zusagen. Es ist wichtig, selbst zu fragen – bloss nicht das, was man auf der Firmen-Homepage hätte erfahren können. Deshalb: Hausaufgaben machen und sich vorbereiten. Dazu gehört, Fakten über das Unternehmen zu sammeln; eine gute Quelle dafür sind die Presseabteilungen. Empfehlenswert ist auch, sich bei Berufs- oder Branchenverbänden über die üblichen Einstiegssaläre zu informieren, denn mit der Frage nach den Gehaltsvorstellungen ist zu rechnen. «Weiss nicht», käme schlecht an. Klug ist, sich mit den möglichen Fragen auseinanderzusetzen. Nicht etwa, um sich passende Sprüche, Lügen oder Märchen parat zu legen.

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«Wichtig ist, seine Fähigkeiten realistisch einzuschätzen», erklärt Laufbahnberaterin Claire Bar- mettler. Marketing in eigener Sache und ein gesundes Selbstbewusstsein sind gefragt: Ungünstig wirkt sich aus, wenn Bewerber bloss schwammig rüberbringen, was sie können. Schlecht ist auch, sich selbst nur super zu finden und dabei an den Anforderungen des Unternehmens vorbeizureden. Seine Stärken betonen ist erlaubt, dabei aber auf dem Teppich bleiben.

Studium allein qualifiziert nicht

Ein hervorragender Studienabschluss qualifiziert nicht automatisch für einen lukrativen Job, und das Diplom allein überzeugt keinen Chef. Auch auf die Persönlichkeit kommt es an und auf die sozialen Kompetenzen. Dass einem als Studienabgänger die Berufserfahrung fehlt, ist klar. Aber Vereinsarbeiten, Ferienjobs, Praktika oder Auslandsemester sollten Bewerber erwähnen. Denn hier haben sie sich wichtige Zusatzqualifikationen erworben. Die obligate Frage: Sollten Bewerber wirklich zugeben, was sie nicht gut können? «Ja», meint Barmettler. «Jeder hat Schwächen. Gut ist, wenn ich sie kenne und weiss, wie ich damit umgehen kann.» Wenn es für den Job wichtig ist, zu präsentieren, einen das Lampenfieber aber schier umhaut, soll man das ruhig zugeben. Und sagen: «Ich habe das Defizit erkannt und arbeite daran.»

Sich ja nicht provozieren lassen

Je nach Branche und/oder Position ist es üblich, Kandidaten mit Stressfragen auf den Zahn zu fühlen. Beispiel: Wären Sie in einer kleineren Firma nicht besser aufgehoben als in einem globalen Konzern? Darauf sachlich und ruhig antworten – und sich nicht provozieren lassen. «Mit solchen Fragen will man sehen, wie der Bewerber mit schwierigen Situationen umgeht», sagt Joanna Rusin-Rohrig vom Karriereberater Hobsons. Erwischen die Frager einen wunden Punkt, ist es besser, gleich die Wahrheit zu sagen. Ansonsten läuft der Befragte Gefahr, sich in Rechtfertigungen zu verlieren.

Beliebte Frage: Warum haben Sie noch immer keine Stelle? Mögliche Antwort: «Ich habe mich umgeschaut, war mir noch nicht sicher, was ich wirklich will. In der Zwischenzeit habe ich ein Praktikum gemacht und bin überzeugt, das Richtige gefunden zu haben.»

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Und was, wenn ein Bewerber merkt, dass ihm weder die Firma noch die Stelle zusagt? «Das Gespräch engagiert zu Ende bringen. Und einen Tag später absagen», empfiehlt Claire Barmettler. Wichtige Karriereregel: Immer korrekt und sauber bleiben. Die Geschäftswelt ist klein. Es ist damit zu rechnen, sich wieder zu begegnen.