Als Bundesrat Hans-Rudolf Merz am 20. Juni als Gastredner der diesjährigen Generalversammlung der Handelskammer SchweizUSA am Rednerpult stand, befand er sich in erlesener Gesellschaft. Unter den rund 400 Anwesenden erblickte man fast die ganze Elite der Wirtschaft, darunter Wirtschaftskapitäne, Spitzenpolitiker und Botschaftsvertreter beider Länder. Martin Naville, seit acht Monaten CEO der Swiss-American Chamber of Commerce, ist restlos davon überzeugt, dass die Kammer dank seinem Vorgänger Walter Diggelmann über eine Namensliste der wichtigsten Schweizer Top-Shots verfügt, die nach seiner Meinung nur von wenigen Schweizer Institutionen übertroffen werden könne.

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Zahlreiche Wirtschaftsgrössen

Und er ist genauso sicher, auch die beste Liste der Schweizer Top-Medienvertreter zu besitzen. Obwohl Amerika nicht zuletzt wegen der europäischen Verfassungsschwierigkeiten wieder mehr ins wirtschaftliche Interesse der Schweiz rückt, hat der Chef der mit 2400 Mitgliedern grössten bilateralen Handelskammer der Schweiz mit nur sieben Mitarbeitern doch manchmal mit dem etwas lädierten Amerika-Bild zu kämpfen. Aber jetzt, da sich die Stimmung langsam dreht und die Diskussion über das Freihandelsabkommen das ihre dazu beiträgt, sieht sich die Kammer erst recht im Aufwind.

Das mit 2 Mio Fr. relativ bescheidene Kammer-Budget setzt sich mit knapp zwei Dritteln aus Mitgliederbeiträgen zusammen, weitere rund 20% sind Sponsorenbeiträge, 10% stammen aus Einkünften von Kammer-Events und Spezial-Anlässen, für die Mitglieder zahlen und Nicht-Mitglieder einen höheren Betrag ausgeben müssen. An der diesjährigen Generalversammlung zahlten jedoch alle mit 120 Fr. den gleichen Preis. Der Rest ergibt sich aus der Vermarktung von Schweizer Gesetzestexten, die die Kammer ins Englische übersetzt und in Form von Büchern und Broschüren verkauft. Zusammen ergibt das eine solide Grundlage für das Non-Profit-Unternehmen, das sich dank seiner auserwählten Mitglieder und Grösse eines glänzenden Rufs erfreut.

Dieser Meinung ist auch Pietro Simmen vom Beratungsunternehmen Simmen Wirth & Partner, der davon überzeugt ist, dass die Swiss-American Chamber of Commerce in Sachen Dynamik und Qualität in der Schweiz Unvergleichliches bietet. Dazu trägt sicher bei, dass sich an der Spitze der bilateralen Kammer zahlreiche Wirtschaftsgrössen befinden. Beispielsweise der abtretende Chairman Paul Polman von Procter & Gamble, der neue Chairman James J. Schiro von Zurich Financial Services, Peter A. Wuffli von der UBS als Vice Chairman und Wolfgang H. Reichenberger von Nestlé als Treasurer. Ebenso beeindruckend klingt die 37 Personen umfassende Liste der Directors mit Oswald J. Grübel, André Kudelski, Franz Humer, Christoph Franz, Fred Kindle und Franziska Tschudi. Namen, die ohne grosse Marketinganstrengungen dazu beitragen, dass sich mancher diesem erlesenen Zirkel anschliessen möchte.

Membership-Vorteile

Zweck der bilateralen Institution ist es, Handel und Investitionen für beide Partner zu fördern und sie auf diesem Weg zu beraten. Die Handelskammer SchweizUSA macht jedoch keine Einzelberatungen wie andere Kammern, sondern verfügt über ein Netzwerk von kompetenten Mitgliedern und Nicht-Mitgliedern, die sich um Probleme wie Diskriminierung bei Steuern und Handelsabkommen, Suche neuer Vertriebspartner, Strategieberatung, Accounting, Personalberatung, aber auch Niederlassungsbewilligung, Altersvorsorge und Beratung der Familien kümmern.

Firmenvertreter und Einzelpersonen haben den Vorteil, sich in einem einzigartigen Netzwerk in bester Gesellschaft zu bewegen. Das ist der eigentliche Clou der Chamber. Dazu finden weitere spezialisierte Themenanlässe über Steuern, Strategien, Firmengründungen und so weiter sowie Workshops mit Spezialisten statt.

Mitglied der Handelskammer SchweizUSA wird man aus unterschiedlichen Gründen: Wenn das Schweizer Unternehmen mit den USA Geschäfte machen will oder umgekehrt von den USA aus mit der Schweiz. Unter den Mitgliedern befindet sich eine beachtliche Anzahl von Vertretern amerikanischer Headquarters in der Schweiz, aber auch von kleinen und mittleren Unternehmen beider Länder. Interessierte zukünftige Mitglieder erfahren oft durch Mund-zu-Mund-Propaganda aus ihrem beruflichen Umfeld von den Benefits der Kammer. Sie steigen dann häufig für weitere Informationen in die informative Website ein. Ein Netz von 150 Mitgliedern so genannter Chapters macht ebenfalls für die Kammer Werbung und informiert bestehende Firmen und Neuankömmlinge aus den USA über die Vorteile einer Mitgliedschaft. Naville findet es wichtig, dass diese Unternehmen mitmachen und alle Einladungen und Informationen der Kammertätigkeiten bekommen.

Handelsbilanz: Der Austausch blüht

2004 lieferte die Schweiz Waren im Wert von rund 14,3 Mrd Fr. in die USA. Umgekehrt bezog die Schweiz aus den USA Güter im Wert von 5,7 Mrd Fr. Daraus ergibt sich ein beachtlicher Handelsüberschuss für die Schweiz von 8,5 Mrd Fr. zugunsten der Schweiz.

Mitgliedschafts-Kosten:

Firmenmitgliedschaft mit bis zu 3 eingetragenen Chamber-Repräsentanten 1075 Fr. bzw. 650 Dollar pro Jahr. Firmenmitgliedschaft mit einem Chamber-Repräsentanten: 575 Fr. bzw. 350 Dollar pro Jahr. (wien)