Die Schweiz gilt weltweit als Vorreiterin im Einsatz von grüner Bautechnologie. Da erstaunt es, dass die beiden grössten Schweizer Immobiliengesellschaften, PSP Swiss Property und Swiss Prime Site (SPS), in der neuen, global angesetzten Studie der Bank Sarasin, «Auf nachhaltige Gebäude bauen», mit keinem Wort erwähnt werden.

«Antwort nicht möglich»

Nicht ohne Grund, sagt Klaus Kämpf vom Sarasin Sustainability Research. «Ausschlaggebend dafür war die ungenügende Transparenz hinsichtlich der Bedeutung der Nachhaltigkeit in der Unternehmensstrategie und deren Umsetzung im Portefeuille.» Selbst nachdem sein Team die Unternehmen direkt angegangen sei, habe er von PSP und SPS keine zielführenden Daten erhalten. Was zum Fazit führte: «PSP und SPS sind nach den durch die Studie gesetzten Kriterien nicht investierbar.»

Nun ist Sarasin nicht irgendwer im weiten Feld der Nachhaltigkeitszertifizierung. Die Privatbank führt eigene Nachhaltigkeitsfonds, auch im Immobilienbereich. Zudem unterhält die Bank als Teil der Rabobank-Gruppe Beziehungen zu SAM. Dieses Analysehaus stellt die unter Investoren am meisten beachtete Nachhaltigkeits-Benchmark, den Dow Jones Sustainability Index. In diesem Index geführt wird übrigens auch Credit Suisse, ihres Zeichens Grossaktionärin von SPS und mit Mario Seris in deren Verwaltungsrat vertreten.

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Tatsächlich lassen sich weder im publizierten Leitbild noch in der Corporate Governance von PSP und SPS klare Bekenntnisse zu umwelt- und sozialverträglichen Kriterien bei Immobilieninvestments finden. Auf Anfrage räumen beide Gesellschaften ein, dass sie es besser machen könnten. «Nachhaltigkeit nimmt bei uns einen Stellenwert ein, aber die Prozesse sind nicht institutionalisiert», sagt PSP-Mediensprecher Vasco Cecchini. Deshalb sei es nicht möglich gewesen, die Anfrage der Sarasin-Analysten ausreichend zu beantworten. Pech: Da musste der Umstand untergehen, dass PSP für ein Gebäude am Zürcher Bleicherweg Seewärme nutzt und auch sonst den Einsatz von grüner Technologie als wertsteigernd erachtet. PSP hat jetzt immerhin eine Projektgruppe eingesetzt, welche die nötigen Grundlagen erarbeiten soll.

Unüberwindliches Label-Dickicht

Dass sich mit einem korrekten Nachhaltigkeits-Label nicht nur zusätzliche Investoren, sondern auch Mieter anziehen lassen, hat auch SPS erkannt. «Wir stellen fest, dass internationale Grosskonzerne das Thema Nachhaltigkeit in ihre Corporate Identity aufnehmen und die Raumbedürfnisse präferiert über Bauten decken, die einem nationalen Label genügen», sagt Nicole Stamm, Leiterin Kommunikation bei der Gesellschaft. Nachhaltigkeit sei für SPS denn auch ein wichtiges Thema, so Stamm. Aber: Ein Gebäude erfülle selten bis nie alle jeweils gültigen nationalen Labels, es seien derer im Moment mindestens acht und laufend würden neue kreiert. Wichtig sei für SPS deshalb, dass ein Gebäude grundsätzlich die Anforderungen erfülle.

Mehr als das Grundsätzliche ist aber auch in der Schweiz möglich: Die kleinere Immobiliengesellschaft Mobimo gilt nach Sarasin-Standard als investierbar.