Bernhard Russi frohlockte: «Das ist der Doppelsieg!» Der euphorisierte Ex-Skistar und TV-Experte legte sich bei der Olympia-Abfahrt in Vancouver Mitte Februar bereits vor der Zieleinfahrt von Didier Cuche fest.

Dass wenige Sekunden später nur Rang sechs auf der Anzeigetafel leuchtete, muss eher an Cuches verkrampftem Schlussspurt denn an Russis ungeschärftem Blick gelegen haben. «Ich bin zwar kurzsichtig», räumt er ein, gleicht dieses Manko aber als passionierter Brillenträger mit der stets aktuellen Korrektur seiner Gläser aus.

Als Werbeträger und Botschafter von Visilab, dem Marktführer in der Schweizer Optikbranche, ist Russi sogar ein veritabler Brillenprofi. Seit Anfang März prangt sein Konterfei im Rahmen einer neuen Kampagne von unzähligen Plakaten in vielen Schweizer Städten.

Visilab steckt namhafte Mittel ins Marketing. Prominente Botschafter des Genfer Unternehmens sind neben Bernhard Russi auch Lolita Morena (Miss Schweiz 1982) oder Xenia Tchoumitcheva (Vize-Miss Schweiz 2006). Die Investitionen zahlen sich offensichtlich aus. In einem gesamthaft um 3 bis 4% geschrumpften Schweizer Brillenmarkt hat Visilab im vergangenen Jahr um 1% auf 190 Mio Fr. wachsen und damit die führende Position festigen können. Der Marktanteil von Visilab liegt nach eigenen Angaben bei 22%.

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Für Daniel Mori, Präsident von Visilab, ist das offensive Marketing ein Teil des Erfolgs: «Entscheidend ist aber unser umgesetztes Versprechen, den Kunden eine optimale Servicequalität zu bieten.» Dazu gehöre eine perfekte Dienstleistung in den 85 Filialen. Alle Verkaufsstellen haben ein Labor und können innert einer Stunde eine Qualitätsbrille herstellen.

Modelle neu virtuell testen

Darüber hinaus will sich Visilab mit innovativen Angeboten von der Konkurrenz abheben. Etwa mit dem Service www.webglasses.ch, über den sich Kunden via Fotomontage virtuell Brillen aufsetzen und diese in Echtzeit testen können. Das neuartige Online-Angebot wurde erst zu Beginn des Jahres aufgeschaltet und ist bereits von über 20 000 potenziellen Kunden angeklickt worden.

Trotz der Westschweizer Herkunft erwirtschaftet Visilab inzwischen über die Hälfte des Geschäftsvolumens in der Deutschschweiz. Der Anteil von rund 55% dürfte 2010 noch steigen. Vor drei Monaten wurde in Langendorf SO eine neue Filiale eröffnet, im Herbst folgt eine weitere am Bahnhof Aarau. Dazu kommen Investitionen von 5 Mio Fr. für die Renovation bestehender Verkaufsstellen in der ganzen Schweiz. Bereits im vergangenen Jahr hat Visilab drei neue Filialen eröffnet und 22 neue Vollzeitstellen geschaffen. Mori setzt seine Vorwärtsstrategie unbekümmert fort und budgetiert für das laufende Jahr ein weiteres Umsatzwachstum von 4%.

Dass der Optikmarkt über ein nachhaltiges Steigerungspotenzial verfügt, steht für ihn ausser Frage. Der Anteil der Brillenträger wächst mit der demografisch bedingten Alterung der Bevölkerung. Laut Statistiken brauchen zwei Drittel aller Menschen früher oder später eine Augenkorrektion. Dazu kommt der modische Aspekt. «Wir zählen immer mehr Kunden, die sich ohne Korrektur für trendige Brillen entscheiden», sagt Mori.

Auch bei den Kontaktlinsen laufe der Verkauf gut. Sie machen bei Visilab laut Mori rund 10% des Umsatzes aus. Angetrieben wird der Linsenmarkt durch Innovationen, auf die Visilab setzt. Angesagt sind heute zum Beispiel Silikonlinsen, die viel atmungsaktiver sind als herkömmliche Modelle. Voll im Trend liegen zudem Sehhilfen mit einem integrierten Sonnenschutz.

Alte Brillen für guten Zweck

Im Kerngeschäft Brillen setzt Visilab auf qualitativ hochwertige Markenprodukte. «Sie machen 80% unseres Sortiments aus», sagt Mori. Dies im Gegensatz zum deutschen Konkurrenten und Brillen-Discounter Fielmann, der seine Expansion in der Schweiz eher mit dem Verkauf von privaten und preiswerteren Labels vorantreibe. Trotzdem will sich Visilab nicht nur als Anbieter im hohen Preissegment verstanden wissen. «Wir sind auch mit unseren Markenbrillen durchaus konkurrenzfähig», hält der Präsident fest. Das Preisspektrum für eine Brille bewege sich zwischen 100 und 2000 Fr.

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An Zahlung geben kann man neuerdings alte Gestelle. Im Rahmen einer Kooperation mit dem humanitären Hilfswerk Lunettes sans frontières (Brillen ohne Grenzen), das Fassungen für sehgeschwächte Personen in Drittweltländern sammelt, schenkt Visilab jedem Kunden beim Kauf eines neuen Modells 100 Fr. «Die Aktion kommt bei den Kunden sehr gut an», freut sich Daniel Mori.