In turbulenten Marktphasen wagen es viele Anleger nicht, neue Engagements einzugehen. Aus Angst, auf dem falschen Fuss erwischt zu werden, warten sie lieber ab und verhalten sich passiv. Das ist bedauerlich, denn besonders wenn Anlageentscheide von Emotionen geprägt sind und weniger das Resultat sachlicher Analysen, entstehen attraktive Chancen.

Risiken bei negativer Korrelation

Long/Short-Zertifikate sind marktneutrale Produkte, welche in jedem Marktumfeld positive Renditen anstreben und sich daher eignen, um in stürmischen Zeiten zu bestehen. Bei Long/Short-Zertifikaten geht der Investor gleichzeitig eine Kauf- (long) und Verkaufsposition (short) ein. Die Gesamtmarktentwicklung interessiert den Inhaber eines Long/Short-Zertifikats wenig, für ihn zählt allein die relative Entwicklung seiner Strategie, an welcher er zu 100% partizipiert. Bei der Ausgestaltung verfügt der Anleger über grosse Freiheiten. Neben Aktien können ebenso andere Anlageklassen wie Rohstoffe, Zinsen oder Währungen sowohl auf der Kauf- wie auch Verkaufsliste stehen.

Pessimisten, welche noch kein Ende der Finanzkrise absehen, könnten eine Longposition in Gold und eine Shortposition im amerikanischen Aktienmarkt eingehen. Optimistische Gemüter, die auf eine baldige Genesung der Kapitalmärkte setzen, könnten genau das Gegenteil machen. Allerdings sollten sich Anleger der Risiken bewusst sein, die eine solche Strategie birgt. Investoren ziehen in Krisenzeiten oft einen Teil ihres Vermögens aus den Aktienmärkten zurück und parkieren es in Gold.

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Das Edelmetall und die Aktienmärkte haben deswegen in den letzten Monaten eine ausgeprägt negative Korrelation zueinander aufgewiesen. Bliebe es bei der negativen Korrelation und der hohen Marktvolatilität, würde das Produkt sehr hohen Kursschwankungen ausgesetzt sein. Long/Short-Zertifikate gehören in die Kategorie der Partizipations-Produkte und weisen grundsätzlich dasselbe Risikoprofil wie normale Tracker-Zertifikate auf. Zur genauen Risikobestimmung muss jedoch die Korrelation zwischen der Long- und Short-Komponente ermittelt werden. Bei marktneutralen Zertifikaten gilt: Je höher die Korrelation zwischen Kauf- und Verkaufsposition, desto geringer das Risiko.

Auszahlen könnte sich auch folgende Strategie: Viele Indikatoren sprechen zurzeit für das Eingehen einer Shortposition auf die amerikanische Konsumgüterbranche. Die US-Regierung geht ziemlich sorglos mit Steuergeldern um, der Häusermarkt scheint den Boden noch immer nicht gefunden zu haben, die Ausfallrate bei Kreditkartenschulden steigt an und der Arbeitsmarkt beginnt sich merklich einzutrüben.

Gute Prognosefähigkeit nötig

Erfolgreiches Investieren in marktneutrale Produkte setzt eine gute Prognosefähigkeit des Anlegers voraus. Long/Short-Zertifikate sind nur so gut wie ihre zugrunde liegende Strategie. Die Anzahl ausstehender Long/Short-Zertifikate an der Schweizer Derivatebörse Scoach ist sehr bescheiden. Die wichtigsten Börsenaufsichtsbehörden haben kürzlich Restriktionen in Bezug auf den Aufbau von Shortpositionen in Kraft gesetzt. Das «shorten» von Finanzwerten ist beispielsweise in Grossbritannien bis im Januar 2009 nicht mehr möglich. Die USA sind diesem Beispiel gefolgt, allerdings mit einem vorerst verkürzten Zeitfenster. Solange nicht klar ist, wie weit die Regulatoren zur Verhinderung von Kurseinbrüchen zu gehen bereit sind und ob allenfalls noch weitere Sektoren durch Staatsinterventionen geschützt werden, ist nicht mit zahlreichen Neuemissionen von Long/Short-Zertifikaten zu rechnen.

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