In der zweiten Hälfte der 90er-Jahre sind noch viele private Anleger und Pensionskassen auf den sich in voller Fahrt befindenden Aktienzug aufgesprungen. Motiviert wurden sie durch diejenigen Anleger, die seit Beginn der Rallye dabei gewesen waren und sehr gute Renditen vorzuweisen hatten. Es entstand der Eindruck, dass es sich nicht lohnt, die Anlagestrategie allzu oft anzupassen, und es wurden möglichst hohe und fixe Aktienquoten festgelegt.

Ein Grund für diese Entwicklung ist die trügerische Sicherheit, welche einer Kasse durch eine an einer Asset & Liability-Management-Analyse ausgerichteten statischen Anlagestrategie vermittelt wird. Die langfristigen und stark auf Aktien ausgerichteten Strategien verleiten zu einer hohen Volatilität der Renditen, was nach einer überdurchschnittlich guten Marktphase einen Anleger dazu verleitet, allzu grosszügige Leistungen festzulegen. Folgt danach wieder eine Marktkorrektur, fehlen die Sicherheitspolster für die Anlagerisiken.

Die Konsequenzen aus einer systematischen Unterschätzung der Anlagerisiken werden durch die passive Anlagetätigkeit vieler Kassen sowohl auf Ebene der Asset Allocation wie auch der Wertschriftenselektion noch weiter verstärkt. Was aus Sicht der Erzielung einer Mehrperformance gegenüber einer Benchmark durchaus gerechtfertigt sein mag, führt auch zu einem passiven Verhalten bei Marktkorrekturen und zum Zwang, dort zu investieren, wo die Marktkapitalisierungen am höchsten sind. Also in Sektoren, die kaum mehr Potenzial haben beziehungsweise am meisten Schulden machen. In einer Stressphase wirkt beides der Stabilisierung eines Portfolios entgegen.

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Inflationsraten auf Tiefpunkt

Diese Bedenken gegenüber langfristigen, statischen Anlagestrategien wurden in den vergangenen Jahrzehnten aufgrund kontinuierlich steigender Aktienmärkte stark in den Hintergrund gedrängt. Weltweit massiv fallende Zinsen haben die Bewertungen der Aktien zusätzlich in die Höhe getrieben. Heute dürften sowohl die Zinsen wie auch die Inflationsraten ihren Tiefpunkt erreicht haben.

Um der latenten Unsicherheit der Märkte wirkungsvoll zu begegnen, sollte eine Kasse, die noch (oder wieder) einen guten Deckungsgrad aufweist, mindestens Interventionslimiten festlegen, ab welchen von der passiven, langfristigen Anlagestrategie so weit abgewichen wird, dass im Falle einer Marktkorrektur eine Unterdeckung vermieden werden kann.

Befindet sich eine Kasse bereits in Unterdeckung, ist es etwas komplizierter. Eigentlich sollte sie in diesem Fall gar keine Anlagerisiken mehr eingehen. Befolgt sie jedoch diesen Grundsatz, kann sie ihre Zielrendite nicht erreichen und die Unterdeckung steigt weiter. Dass eine Kasse in Unterdeckung fällt und es anschliessend zu einer Sanierung kommt, wird im Allgemeinen als inhärentes Risiko akzeptiert. Muss jedoch eine Kasse ein oder zwei Jahre nach ihrer Sanierung vermelden, dass sie erneut in Schwierigkeiten geraten ist, stösst dies auf wenig Verständnis. Dieses Risiko liegt über einen solch kurzen Zeithorizont bei 50%. Spätestens an diesem Punkt ist es unumgänglich, von einem passiven zu einem aktiven Risikomanagement überzugehen.

Mit dem Anlageumfeld ändern sich auch die Volatilitäten und Korrelationen. Dies muss in der Anlagestrategie berücksichtigt und mit geeigneten Absicherungsstrategien kombiniert werden. Zudem sollte eine einseitige Ausrichtung auf Aktien vermieden und eine sehr breite Diversifikation mit voneinander möglichst unabhängigen Risiko- und Performance-Faktoren angestrebt werden.

Wird die Strategie zudem noch konsequent an der Werthaltigkeit und Bewertung der Anlagen und nicht an deren Marktkapitalisierung ausgerichtet, so wird sie noch robuster in Phasen hoher Unsicherheit. Dieses Vorgehen erlaubt einer Kasse, kontrollierbare und tragbare Anlagerisiken einzugehen und sich über die Zeit aus einer ungenügenden Deckung herauszuarbeiten.

Angesichts des zu erwartenden schwierigen Marktumfelds der kommenden Jahre und der Schwächen der statistischen Konzepte eignen sich langfristige und starre Anlagestrategien nicht dazu, einer Pensionskasse über einen überschaubaren Zeithorizont eine gewisse Sicherheit bei ihren Anlagen zu bieten. Die Strategie muss sich an den individuellen Bedürfnissen einer Kasse ausrichten und eine aktive Bewirtschaftung der Anlagen vorsehen. Nur so können die Risiken auch kurzfristig unter Kontrolle gehalten und die Anlageziele über einen vorhersehbaren Anlagehorizont erreicht werden.