Martin Ebner (63) hat zwar noch keine konkreten Pläne für Helvetic Airways für die Zeit ab 2015, wie er im Gespräch mit der «Handelszeitung» erklärt. Trotzdem macht sich der Financier, dessen Beteiligungsfirma Patinex vor zweieinhalb Jahren die Schweizer Airline vor dem Aus bewahrte, bereits langfristige Gedanken, weil rechtzeitig entschieden sein will, mit welchem Flugzeugtyp man die Zukunft bestreitet. Werden neue Flieger angeschafft oder wird die bestehende Flotte überholt? Noch wartet Ebner auf die klärende Vision.

Die vier eingesetzten Fokker 100, die sich ebenso im Besitz der Patinex befinden, haben alle Jahrgang 1994. Ihre 15 Lenze sind in der Zivilluftfahrt kein Alter, weil laufend investiert wird, zum Beispiel in neue Triebwerke oder neue Sitzbezüge. Zudem sind seit kurzem alle vier Maschinen in Weiss statt Magenta bemalt und tragen das Schweizer Kreuz auf der Heckflosse.Selbstverständlich hegt Martin Ebner mit Helvetic Airways auch kurzfristige Pläne. Ein zentrales Anliegen ist es dem Besitzer, das Konzept hinter dem Flugplan klarzustellen: «Dass wir unser Geschäftsmodell sprunghaft anpassen, ist eine falsche Interpretation. Wir gestalten es lediglich maximal flexibel, um schnell auf die Bedürfnisse im Markt reagieren zu können.» Folglich optimiere man das Geschäftsmodell permanent, um die Auslastung hoch zu halten.

Mittelfristig profitabel bleiben

Der aktuelle Einsatz der Flotte ab/bis Zürich basiert auf mehreren Pfeilern. Im Wetlease sind drei der vier Fokker 100 samt Besatzung seit bald zwei Jahren durchgehend an Swiss vermietet. Ge-mäss Ebner sind die Verträge langjährig. «Der Deal mit Swiss, der drei Viertel unserer Produktion ausmacht, deckt ungefähr die Kosten von Helvetic Airways.» Das Geld muss also mit der vierten Maschine eingeflogen werden.Diese wird von Helvetic Airways für die anderen beiden Pfeiler eingesetzt: So war der Ausstieg aus dem Linienbetrieb auf Ende Oktober 2008 nur von kurzer Dauer. Nach dem Intermezzo über die Festtage gibt es ab Ende März 2009 wieder Linienflüge nach Italien (Brindisi) und Spanien (Jerez). Bereits wieder im Flugplan ist Mazedonien (Skopje und Ohrid). Weitere Ziele sollen folgen.Zudem steht die vierte Maschine im Chartereinsatz: Um das Geschäftsmodell zu verbessern, unterscheidet Helvetic zwei Angebotsformen. Wie üblich führt man für Reiseveranstalter Vollcharter durch, bei denen die Anbieter alle 100 Plätze im Risiko erwerben. Neu bietet man Teilcharter an, bei denen Vermittler ein festes Kontingent übernehmen. Die restlichen Plätze werden direkt verkauft.Mittelfristig will Ebner mit Helvetic Airways weiter Profit machen. Im laufenden und folgenden Geschäftsjahr, das jeweils am 31. März endet, soll wie 2007/08 ein Cashflow von rund 5 Mio Fr. erreicht werden. Dieses Geld fliesst zur Patinex, weil Investitionen bei Helvetic Airways vom Mutterhaus finanziert werden.Ebner hat bislang 50 Mio Fr. investiert: 25 Mio Fr. für den Erwerb der Flugzeuge und 25 Mio Fr. in die Übernahme der Airline, wobei ihm zufolge das zur Verfügung gestellte Fremdkapital weitgehend an die Muttergesellschaft zurückbezahlt worden ist. «Nach meiner kalten Dusche zu Beginn hat Helvetic Airways überraschend schnell zu einem positiven Cashflow gefunden. Die Verschuldung bei der Patinex ist nur noch marginal.»

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Flieger besser als Obligationen

Alles in allem betrachtet Ebner seine Airline als solides KMU, für dessen rund 125 Mitarbeitende die Arbeitsplätze gesichert seien. Ein Indiz dafür, dass der Financier sein Engagement auf längere Zeit sieht. Ein Verkauf stehe bis auf weiteres nicht zur Debatte. Zudem verzins-ten sich die vier von der Patinex an Helvetic Airways zu marktüblichen Raten verpachteten Flieger derzeit besser als eine Obligation.