Jeden Morgen um acht Uhr bat Martin Ebner hoch über dem Zürichsee zum Rapport. Dann stand der Chef der BZ Bank jeweils am Ring und liess sich von Mitarbeitenden über Investments und Märkte aufdatieren. Eine verschworene Truppe aus Händlern und Analysten arbeitete dem Bankchef am Sitz in Wilen bei Wollerau zu. Damit ist jedoch Schluss: Der gewiefte Investor und BZ-Mehrheitseigner Ebner hat sich vor gut eineinhalb Jahren vom operativen Bankchef Ebner getrennt. Zwischen seiner BZ Bank und seinen diversen industriellen Beteiligungen (Helvetic, Temenos, Myriad usw.) wurde ebenfalls eine klare persönliche Trennung vollzogen. Ein Vorgang, der Fragen aufwirft: Erfolgte diese Separierung aus freien Stücken?

Die Öffentlichkeit erfährt erst Monate später von Ebners Rücktrittsplänen.

Die Geschichte beginnt 2016. In diesem Jahr übernimmt Martin Ebner ein zweites Mal die Geschicke seiner Bank, die er 1985 in Zürich gegründet und bis 2000 geleitet hat. Die BZ Bank ist übrigens das einzige Unternehmen, das der ehemalige Vontobel-Analyst je operativ geleitet hat. In den fünfzehn Jahren zwischen seinen zwei CEO-Phasen haben sich zahlreiche Bankchefs versucht. Doch neben «BZ-Mastermind Ebner» («Finanz und Wirtschaft») hat es kaum einer länger ausgehalten. Selbst seine Neffen Manuel und Markus nicht. 2016 ist auch die Zeit von CEO Roger Steiner abgelaufen. Er tritt «aus gesundheitlichen Gründen» ins zweite Glied zurück. GL-Mitglied Ebner übernimmt und ist von Tag eins an gefordert, denn das Business holpert. Das Geschäftsjahr 2016 endet mit einem Gewinneinbruch von fast 40 Prozent. Die Begründung: handelsmüde Kunden.

Da kommen die Pläne für den börsenkotierte Berner Gesundheitskonzern Galenica gerade recht, an dem Ebner mit fast einem Fünftel beteiligt ist. Galenica soll in zwei separate Firmen aufgeteilt werden: in Pharmahersteller Vifor Pharma und Apothekenhändler Galenica Santé. In den Konzern ist Ebner nicht nur investiert. Als Bankchef unterbreitet er seinen Kunden die anstehende Aufspaltung auch als gewinnträchtige Opportunität.

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Finma wird hellhörig

Eine Opportunität, von der er bald selber profitieren sollte. Im Vorfeld der Aufspaltung kommt es zum gewichtigen Exit: Multimilliardär Stefano Pessina und das Beteiligungshaus KKR stossen ihr Galenica-Paket von rund 20 Prozent ab. Die Transaktion über 1,5 Milliarden Franken wickelt Ebners kleine BZ Bank ab. Sie nimmt Pessina und Co. die Galenica-Aktien ab und vermittelt sie mit Aufschlag weiter. Zu den Abnehmern zählen der umstrittene Unternehmer Remo Stoffel und seine Frau Manuela. «Die Stoffels bilden in unseren Augen einen Teil des Netzwerks von Martin Ebner», schreibt die Bank Vontobel damals.

Stoffel und Ebner stocken bis ins Frühjahr 2017 ihre Anteile an Galenica auf über 10 beziehungsweise 20 Prozent auf. Zugleich sorgt die Platzierung für einen Gewinnsprung bei der BZ Bank. Der Vorsteuergewinn schwillt im Halbjahr 2017 um den Faktor 2,5 auf 21,3 Millionen Franken an. Mehr, als die Bank im ganzen vorangehenden Geschäftsjahr verdient hat. «Mit erstaunlich wenig Aufhebens hat die Kleinbank aus Wilen im Kanton Schwyz das 15-Prozent-Paket am Apothekenkonzern im Wert von gegen 1,5 Milliarden Franken verteilt», schreibt die «Finanz und Wirtschaft». Ebner scheint seinem Ruf als Finanzmagier gerecht zu werden.

Kein kotiertes Unternehmen

Doch der Galenica-Deal ruft die Finanzmarktaufsicht (Finma) auf den Plan. Gemäss zwei unabhängigen Quellen soll die Finma im Nachgang zur Aktienplatzierung hellhörig geworden sein. So habe die Finma damals mehrere Marktteilnehmer zum Deal befragt. Dabei sei insbesondere die Rolle von Martin Ebner zur Sprache gekommen. Damit konfrontiert, verweist Ebners Sprecher Ralph Stadler an seine frühere Arbeitgeberin, die BZ Bank. Deren General Counsel Marc E. Raggenbass schreibt: «Sie werden sicher verstehen, dass die BZ Bank sich über Interna nicht äussern und deshalb Ihre Fragen auch nicht beantworten kann.» Da die Anfrage auch aufsichtsrechtliche Themen umfasse, habe man sie an die Aufsichtsbehörde zur Stellungnahme weitergeleitet. Die Finma äussert sich zu den Fragen nicht.

Kaum ein Jahr nach dem Spitzenergebnis dank der Galenica-Aktienplacierung leitet Martin Ebner seinen Abgang als Bankchef ein: «Der Verwaltungsrat nimmt Kenntnis vom Rücktritt von Martin Ebner per Ende November», heisst es in einem VR-Beschluss von Anfang Juli 2018, welcher der «Handelszeitung» vorliegt. Allerdings erfährt die Öffentlichkeit von Ebners Abgang – er ist immerhin der Eigentümer der Bank – erst viele Monate später. Dies ist umso erstaunlicher, als der BZ-Bank-VR schon damals den Ex-Deloitte-Mann Rolf Schönauer zum Nachfolger designiert hat, wie Dokumente zeigen. Die BZ Bank sei kein kotiertes Unternehmen, schreibt Ralph Stadler auf Anfrage: «Es bestand daher grundsätzlich kein Anlass, den Wechsel in der Geschäftsleitung früher zu veröffentlichen.»

Ebner scheint seinem Ruf als Finanzmagier gerecht zu werden.

Keinerlei Organfunktion

Anfang November schliesslich lässt Ebner die NZZ wissen, dass er künftig nur noch Investor sein wolle. Die Begründung: Aufgrund seiner vielfältigen Tätigkeiten als Investor sei die Kundenakquisition bei der Bank zu kurz gekommen. Doch Ebner tritt nicht bloss als Operativchef der BZ ab. Er wolle bei seiner Bank auch «keinerlei Organfunktionen» mehr ausüben, erklärt er der Zeitung. Obwohl Ebner zusammen mit Frau Rosmarie die BZ Bank mit gut 70 Prozent der Aktien beherrscht, ist ein Wechsel in den Verwaltungsrat der BZ für ihn ausgeschlossen.

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Mit der Chefrochade tauscht die BZ Bank auch gleich den Buchprüfer aus. Nur wenige Tage nach Ebners Rücktrittsankündigung in der Zeitung schreibt sie das Mandat neu aus, wie Dokumente zeigen. Auditor Deloitte gibt ab, BDO übernimmt. Mit Eb- ner verlassen weitere Verwaltungsräte und Schlüsselpersonen wie der vormalige Bankchef Roger Steiner sowie BZ-Miteigner und Rechtschef Ralph Stadler das Finanzinstitut. Die langjährigen Weggefährten Steiner und Stadler tauchen wieder bei Ebners Privatfirma Patinex Management auf, die im Herbst 2018 gegründet wurde und Dienstleistungen im Bereich Family Office, Investment Research und Corporate Finance erbringt. Konkret kümmert sie sich um Ebners Beteiligungen an Firmen wie Helvetic Airways, Myriad oder Temenos. Ebner erklärt das Setup letzten Dezember gegenüber der «Bilanz»: «Patinex gehört nur mir und meiner Frau. Und die Beteiligung an der Bank wird durch die Anna Holding gehalten, das ist also auch getrennt.»

Berichtigung zum vorliegenden Artikel «Martin Ebners Abgang als Banker»

Wir bedauern, falls im vorliegenden Artikel der falsche Eindruck erweckt worden sein sollte, Herr Ebner und die BZ Bank hätten bei der Platzierung der Aktien von Galenica in unzulässiger Weise profitiert und der Wechsel in der Geschäftsleitung der BZ Bank sei nicht freiwillig, sondern im Zusammenhang mit Ermittlungen der Finma erfolgt. 

Es lag nicht in unserer Absicht, Herrn Ebner und die BZ Bank in ihren Geschäftsverhältnissen herabzusetzen. 

Die Redaktion.