McDonald’s hat ein Imageproblem, würden Sie dem zustimmen?
Martin Knoll: Keinesfalls. McDonald’s ist eine weltweit bekannte Marke, und deshalb muss sich das Unternehmen immer wieder mit verschiedenen Herausforderungen beschäftigen. Was meinen Sie genau mit einem Imageproblem?

Es sind gleich mehrere Imageprobleme. Ein erstes: McDonald’s als Dickmacher. Kritiker machen den Fastfoodgiganten für die steigende Zahl fettleibiger Menschen mit verantwortlich. Ich erinnere an den Kinofilm «Super Size Me».
Knoll: Der Film hat uns geschadet, aber er ist eine Anekdote, die
2004 stattgefunden hat. Wir sind zudem kein Fastfood-Restaurant, sondern ein Quick-Service-Restaurant.

In der Schweiz ist jedes vierte Kind zu dick.
Knoll: Es ist richtig, dass in der gesamten Welt Menschen und leider auch junge Menschen zu schwer werden. Aber das ist nicht ausschliesslich ein Problem der Ernäh-rung, sondern vielmehr unserer modernen Gesellschaft, in der wir uns zu wenig bewegen und die natürliche Balance verloren haben. Ich erinnere Sie an den steigenden Internet-, Fernseh- und Videokonsum, dabei wird weniger Schulsport angeboten. Ich bin mir unserer Verantwortung bewusst. Wir fördern daher einen aktiven Lebensstil, sponsern olympische Spiele, Fussballweltmeisterschaften, aber auch Breitensport. Und in unserem Produktangebot sorgen wir dafür, dass sich unsere Gäste ausgewogen ernähren können. Wir offerieren auch Salate und Obst. Darüber hinaus informieren wir in unseren Restaurants und auf unserer Homepage sehr transparent über die Energiewerte und die Zusammensetzung unserer Produkte.
Der Erfolg der Firma beruht nicht auf Obst und Salaten, sondern auf dem Big Mac, und der hat nicht ein besonders gesundes Image.
Knoll: Ein Hamburger besteht aus 100% reinem Schweizer Rindfleisch und Brot. Und damit haben sich die Menschen seit Jahrzehnten ernährt.

Glauben Sie wirklich, man geht zu McDonald’s, um gesund zu essen? Für gesundes Fastfood geht man doch lieber in Lokale, die bekannt dafür sind, gesunde Produkte zu führen. Meine Fragen zielen auf das Image Ihres Unternehmens und nicht, ob Ihr angebotenes Essen in Tat und Wahrheit gesund ist. Sie wissen doch, wie wichtig das Image eines Unternehmens ist.
Knoll: Man geht zu McDonald’s aus einem bestimmten Lebensgefühl heraus, und auch weil die Speisen preiswert und gut sind. Unsere Produkte treffen offensichtlich den Geschmack vieler Menschen. Letztes Jahr haben uns in der Schweiz 86 Mio Gäste besucht.

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Sie sehen also keinen Handlungsbedarf, Ihr Image zu verbessern?
Knoll: Man soll sich nie zurücklehnen.

Weshalb bieten Sie seit kurzem keine Large Menues mehr an?
Knoll: Um Platz zu schaffen für neue Produkte.

Und wie sehen diese neuen Produkte aus?
Knoll: Wir wollen unseren Gästen immer wieder Abwechslung bieten und führen per Ende Juli 2005 eine kleine Revolution im Produktebereich ein: Pita Mac, eine Brottasche, gefüllt mit gegrilltem Gemüse oder gegrilltem Gemüse mit Huhn oder Rindfleisch. Wir werden drei neue Sandwiches im Sortiment haben.

Was ist daran revolutionär?
Knoll: Diese Produkte haben eine sehr stark mediterrane Anmutung und sind vollständig neu für McDonald’s.

Kehren wir zurück zum Image. Hat die sexuelle Belästigung Ihres Vorgängers auf dem CEO-Sessel, der Mitarbeiterinnen eindeutige und plumpe sexuelle Avancen machte, dem Image ebenfalls geschadet?
Knoll: Das war wohl so. Aber das ist zwei Jahre her. Das ist Historie. Ich wundere mich, dass Sie das nochmals bringen. Das ist kein Thema mehr.

Schön für Sie, wie schnell Gras darüber wächst, aber Ihr Vorgänger ist noch immer bei McDonald’s angestellt.
Knoll: Er übt eine führende Funktion in einem anderen europäischen Land aus.

Wo?
Knoll: In Dänemark.

McDonald’s hat in den letzten Jahren immer wieder wegen schlechten Arbeitsbedingungen Schlagzeilen gemacht. Die Ostschweizer Fastfoodfiliale wurden zu Nachzahlungen an ehemalige Mitarbeitende verpflichtet, da sie Überstunden und Nachtzuschläge nicht ausbezahlt und den Mindestlohn nicht eingehalten hatte. Das Staatssekretariat für Wirtschaft hat das Unternehmen verwarnt wegen Verstössen in 39 von 54 kontrollierten Filialen. Ist auch das Historie?
Knoll: Wir haben das ernst genommen, denn wir wollen die Gesetze in der Schweiz einhalten: Das steht ausser Frage. Wir haben sofort eine interne Schulung unserer Restaurantbetreiber und Franchise-Nehmer eingeleitet. Wir haben intelligente Zeiterfassungssysteme in unseren Restaurants eingeführt, sodass solches nicht mehr möglich sein sollte. In Bezug auf die Einhaltung der arbeitsgesetzlichen Bestimmungen sind wir heute in der Schweizer Gastronomie führend.

Für 2004 hatten Sie ein Umsatzwachstum von 3% bis 5% prognostiziert. Konnten Sie das einhalten?
Knoll: Wir sind um 1,2% gewachsen. Flächenbereinigt haben wir um knapp 1% zugelegt. Und das bei einem Gesamtmarkt, der um 2,5% geschrumpft ist. Insofern bin ich zufrieden, obwohl ich ein ehrgeiziger Mensch bin.

Und welches Wachstumsziel haben Sie sich für 2005 und die weitere Zukunft gesetzt?
Knoll: Wir wollen wieder um 1% bis 2% wachsen - jedenfalls wieder schneller als der Markt. Wir haben im Januar 2005 in Hinwil ein Restaurant eröffnet, und im Herbst werden wir eine neue Filiale am Zürcher Stadelhofen auftun. Im Tessin werden wir auch eine neue Filiale eröffnen. Dafür werden wir dort eine andere schliessen. In der Zukunft wollen wir weiterhin zwei bis drei neue Filialen pro Jahr neu lancieren.

Wie viel Gewinn erzielen Sie in der Schweiz?
Knoll: Wir publizieren nur die Resultate auf Konzernebene.

Und wie viel haben Sie in der Schweiz investiert?
Knoll: Wir investierten letztes Jahr 3 Mio Fr. in die Renovation von elf Restaurants und 8 Mio Fr. für die Eröffnungen.

Es heisst: Geld in der Schweiz macht McDonald’s vor allem mit Immobilien, indem sie die Restaurants an ihre Franchise-Nehmer teurer vermietet, als McDonald’s selbst Miete bezahlt.
Knoll: Nein, wir verdienen Geld, indem wir unsere Gäste freundlich und schnell mit exzellenten Produkten bedienen. 58 Restaurants sind an 25 Franchise-Nehmer vermietet, 62 Betriebe betreiben wir selber, und 24 Filialen führen wir als Joint Venture mit Partnern. Die Ergebnisse sind in etwa paritätisch verteilt.

Was hat Sie als Österreicher am Schweizer Markt am meisten überrascht?
Knoll: Wir haben in Österreich zwar auch grosse Detailhändler, aber die sind, anders als Migros und Coop, nicht so stark im Gastrobereich tätig. Die Schweiz ist ein extrem penetrierter, heiss umkämpfter Markt mit 30000 Gaststätten, der sich leider auch noch negativ entwickelt hat. In einem solchen Markt braucht auch eine starke Marke - und das sind wir - viel Innovationskraft, nicht nur im Produktebereich. Und sie braucht ein hohes Mass an unternehmerischer Verantwortung, um die gesellschaftlichen Veränderungen erfolgreich aufgreifen zu können. Mit unserem Engagement für einen «balanced lifestyle» sind wir dafür sehr gut aufgestellt.

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