Eine Beschleunigung von 3 G beim Start, Spitzengeschwindigkeiten von 50 km/h und bis zu 18 km lange Strecken - das charakterisiert nicht etwa die Leistung der Roboter von K-Team. Diese Werte erreichen die Tiere für die im arabischen Raum sehr beliebten Kamelrennen. Dabei geht es auch um viel Geld - und so wurden Tausende Buben aus mausarmen Familien als Jockeys angeheuert. Gegen den Missbrauch der oft untergewichtigen, selten entlöhnten und fast immer ungebildeten Knaben kämpfte das Kinderhilfswerk Unicef mit Erfolg.

«2005 erfolgte der Durchbruch, auch dank unserer Roboter», sagt Mario Aellen, Chef von K-Team. Die Emirate führten strenge Anforderungen und saftige Bussen gegen den Missbrauch ein, die Unicef begleitete die Rückführung und Wiedereingliederung der Buben. Statt Letzteren «hocken» jetzt Maschinen auf den Kamelen.

Exportschlager Jockey-Roboter

«Erste, von andern entwickelte Ersatzreiter rutschten vom Rücken, worauf sich eines der 1 Mio Dollar teuren Tiere die Beine brach.» Das war die Stunde der Tüftler in Yverdon. 300 der stabilen und ausgeklügelten Jockey-Roboter konnten bisher verkauft werden. Dies beflügelte auch das Geschäft, kostet doch ein Gerät 20000 Dollar.

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Um nicht nur den superreichen Scheichs weiterhin das Rennvergnügen zu ermöglichen, haben die Entwickler bei K-Team eine einfache, viel günstigere und im Unterhalt anspruchslose Version entwickelt. Diese werde in Katar gebaut, erläutert Aellen. Der Markterfolg im Ausland brachte K-Team den «Osec Export Award 2009» ein, eine Auszeichnung für nachhal- tige Aussenhandelstätigkeit unter schwierigen Marktbedingungen.

«Der Technologietransfer gehört in jeden Verkaufsvertrag - und entspricht unserer Zielsetzung, eine Boutique zu sein», erklärt Aellen, «wir entwickeln individuell, kundenspezifisch und schnell - das als Gesamtlösung. Wichtig ist dabei immer, vorauszudenken.» Darüber hinaus müssen bei den Robotern für Forschung und Entwicklung künftige Einsatzmöglichkeiten und Kundenabsichten vorausgesehen werden.

Was als Abschlussarbeit an der EPF in Lausanne begann, brachte 2008 einen Umsatz von 4,6 Mio. Fr., 96% davon im Export. Auch das 1. Quartal 2009 sei gut gelaufen. «Der Entwicklungsstand bei Robotern ist vergleichbar mit der Reife der PC zu Beginn der 1970er-Jahre», sieht Aellen noch gar nicht absehbare Perspektiven.

Konkurrenz für den Spezialisten von kleinen Serien und Einzelstücken gebe es nicht. Darum suche er als Mitarbeiter nicht bloss nach Begabten, sondern «grosse Talente». Zudem hat K-Team laut Aellen mit der Schwestergesellschaft Gigatec als Teil der KT & GT Group viel investiert, vor kurzem auch über 1 Mio Fr. in eine vollautomatische Anlage zur Bestückung von Leiterplatten.

Daneben bleiben geschickte Hände für die vielen Einzelanfertigungen gefragt. Und Design, das brauchen auch Mini-Roboter. Als Ergänzung und für regelmässige Einnahmen baut das KMU für Dritte Spezialserien und übernimmt Service und Reparaturen. So ist TAG Heuer für einen Chronometer ein Kunde. In Frankreich wurde der Lernkoffer Robotik für die Informatikausbildung mit Erfolg gestartet. Inhalt: Zwei einfachere Roboter und einige Zusatzgeräte, mitsamt den Programmen sowie den Begleitheften für Lehrkräfte und Lernende.

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Bereits kurvt die dritte Generation von Robotern über Pulte und Böden von über 500 Hochschulen und Industriebetrieben. Wesentlich ist Höchstqualität in Mikromechanik und Steuerung, die zugleich möglichst einfach und von überall aus bedienbar sein muss. Khepera III, das jüngste Kind, vermag dank stärkerer Batterien 4 kg zu tragen. Das reicht für mehrere Geräte (Greifer, Kamera, Funk, Sensoren usw.), die eingesteckt werden. Sie werden aber selten direkt zum Arbeiten verwendet. Vielmehr setzen die Mini-Roboter die Programmierung um, sind also Test und Kontrolle, ob wirklich alle Abläufe optimal klappen.

Neues Projekt für Feuerwehren

«Unser beweglicher, per Handzeichen zu stoppender Aschenbecher war an einer Tabakmesse ein Gag, der uns viel Aufmerksamkeit brachte.» Wichtiger ist Aellen jedoch das europäische Forschungsprojekt «Guardians». Gemeinsam entwickeln fünf Universitäten und K-Team die Grundlagen für Spür-Roboter zum Einsatz bei Bränden. Trotz Hitze, Rauch und Gas präzise Angaben zu erfassen und den exakten Standort zu übermitteln, ist eine hohe Anforderung. Kein Wunder, wird Khepera III mit «all-terrain-tauglich» angepriesen. Das Rennkamel soll er allerdings nicht auch noch ersetzen …

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