Die Würfel sind gefallen. Der Raffinerie- und Tankstellenbetreiber Tamoil will anscheinend alles verkaufen, was sich auf dem Boden südlich des Genfersees befindet. Bereits wurden 20 Personen entlassen - bei über 250 Angestellten droht nun das gleiche Schicksal. Dies berichtet die welsche Newsplattform «Le Nouvelliste».

Die Raffinerie-Betreiberin Tamoil hatte vor knapp zwei Wochen angekündigt, den Betrieb auf unbestimmte Zeit einzustellen. Sie begründete den Schritt damit, dass die Raffinerie nicht mehr rentabel sei. Der Schweizer Raffinationsmarkt habe unter starken Marktspannungen gelitten. Diese seien durch einen steigenden Import von fertigen Erdöl-Produkten, einer rasant sinkenden Nachfrage nach Treibstoff und zunehmenden Regulierungskosten bedingt gewesen.

Arbeitsgruppe gegen Schliessung

Am Donnerstag trafen sich über 35 Vertreter der Tamoil-Direktion, der Gewerkschaften und der Angestellten zu erneuten Gesprächen. Das Personal bekräftigte dabei ihre Forderung nach einem angemessenen Sozialplan, wie Unia-Sekretär Blaise Carron auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte.

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Zudem fordern sie das Ende der Ungewissheit. Jeder Angestellte müsse das genaue Datum der Entlassung erfahren. Das Personal begrüsste, dass auch Bahnhof und Lager zu verkaufen sind, weil es noch schwieriger wäre, nur ein Käufer für die Raffinerie zu finden. Die Tamoil-Direktion wiederholte, dass ihr Tankstellennetz nicht verkauft werde. Die Walliser Regierung nahm die Stellungnahme der Tamoil SA zur Kenntnis, wie sie in einer Medienmitteilung vom Donnerstag festhielt.

Walliser Regierung reist nach Cremona

Die Frist für Angebote müsse um einen Monat auf Ende April verlängert werden, betonte der Staatsrat. Um das Fachwissen der Angestellten nicht zu verlieren, bekräftigte die Regierung, dass ein möglicher Rückgriff auf Kurzarbeit ab Mai nicht verworfen werden sollte. Das Kündigungsverfahren solle eingestellt werden.

Die Walliser Regierung befürchtet zudem, dass für die Sicherstellung der Anlagen zu wenig Personal vorhanden sein wird. Zudem will die Walliser Exekutive nach Cremona in die italienische Lombardei reisen, um nützliche Informationen für den Standort Collombey-Muraz zu erlangen.

Angebliche Verschmutzung und Urteile in Italien

Der Direktor der Walliser Raffinerie gehörte zuvor der Führung des Werks in Cremona an. Den Tamoil-Verantwortlichen wurde vorgeworfen, in der Region das Grundwasser und den Boden verschmutzt zu haben. Das Unternehmen wies die Vorwürfe stets zurück.

Dennoch waren zwei ehemalige Direktoren der Raffinerie in Cremona von der italienischen Justiz zu Freiheitsstrafen von drei und sechs Jahren verurteilt worden, wie im vergangenen August bekannt wurde. Der Direktor der Tamoil-Raffinerie im Wallis kam mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 20 Monaten davon. Wegen Rekursen wurden die Urteile noch nicht rechtskräftig.

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(sda/ise/chb)