1. Home
  2. Unternehmen
  3. Matebook statt Macbook: Huawei greift mit Laptops an

Technik
Matebook statt Macbook: Huawei greift mit Laptops an

Richard Hu: Der Huawei-Chef setzt jetzt auf Notebooks. HZ

Bei Handys ist Huwai längst angekommen. Nun suchen die Chinesen den Erfolg mit PCs. Politische Hürden spüre man nicht mehr, sagt Europa-Manager Walter Ji im Interview.

Von Michael Heim
am 24.05.2017

Der chinesische Technologie-Konzern Huawei, den vor wenigen Jahren noch niemand kannte, will es nun auch mit Laptops wissen. Am Dienstag präsentierte er in Berlin seine neusten Geräte – darunter befindet sich mit dem «Matebook X» auch ein superschlankes Notebook, an dem alles «Macbook» schreit. Erst recht mit chinesischem Akzent.

Firmenchef Richard Hu greift die US-Konkurrenz in Vergleichen direkt an: Der 13-Zöller sei nicht nur leichter, sondern auch dünner als das gleich grosse Macbook von Apple. Der Akku halte länger, der Prozessor sei stärker, und nicht zuletzt wurde auch beim Design so einiges angelehnt. Ab wann es das Gerät in der Schweiz gibt, ist derzeit noch unklar.

Seit wenigen Jahren Handy-Produzent

Gestartet war Huawei – der Name bedeutet in etwa chinesische Kraft – einst als Ausrüster für Mobilfunknetze. So betreibt Huawei etwa das Netz des Schweizer Anbieters Sunrise. Später stieg die Firma dann in die Produktion von Handys ein, um nach nur wenigen Jahren die globale Nummer 3 zu werden. In der Schweiz hat Huawei laut Länderchef Daniel Meier einen Marktanteil von rund 10 Prozent.

Dass Huawei nun auch noch in den gesättigten PC-Markt einsteigt, erklärte Konzernchef Hu an der Pressekonferenz in Berlin selbstbewusst damit, dass es dort einen «Mangel an Innovation» gebe, von dem man profitieren könne. Walter Ji, Europa-Chef für Konsumgüter, sagt im Interview mit «handelszeitung.ch», Laptops zu bauen, sei gar nicht so schwierig. «Handys sind viel komplexer.»

 

Herr Ji, Ihr Chef erwähnte einen «Mangel an Innovation» im PC-Geschäft, von dem man profitieren wolle. Wo sind denn die PC-Bauer zu wenig innovativ?

Walter Ji: Schauen Sie die Statistik an: Im Handy-Geschäft wechseln die Leute alle zwei Jahre oder sogar öfter ihre Geräte. Bei den PCs passiert das nur alle vier bis fünf Jahre, und das, obwohl sie eigentlich mit dem Design der Geräte nicht zufrieden sind. Doch die neuen Geräte motivieren sie nicht zum Wechsel. Da sehen wir Chancen.

Huawei ist eine der drei grössten Handymarken. Sie haben Smart Watches, Tablets und jetzt auch Notebooks. Was fehlt Ihnen noch? 

Es geht nicht um die Hardware, sondern um die Services, die Sie bieten. Und da wollen wir nicht alles selber machen, sondern mit anderen Firmen wie Microsoft oder Google zusammenarbeiten.

Wann kommt Huawei Pay – ein Bezahlsystem wie «Appel Pay» oder «Samsung Pay»?

 In China sind wir da ja schon gut unterwegs. Europa ist auch auf unserer Agenda für eine mobile Wallet. Aber es gibt noch keinen Fahrplan dafür.

Sie haben mit der Linie Honor billige Handys ab zweihundert Franken im Angebot und Spitzenmodelle wie das P10 für 800 Franken. Worauf stehen die Schweizer Kunden? 

Die Schweiz ist ein reiches Land. Daher ist der Anteil an hochpreisigen Geräten in der Schweiz deutlich höher als in anderen Ländern. Vermutlich sogar am höchsten. Sie haben nun den Schritt von Telefonen zu PCs gemacht.

Wie schwierig war das? Ist es einfacher, einen Laptop zu bauen als ein Handy? 

Persönlich glaube ich, dass es viel komplexer ist, ein Handy zu bauen.

Weil man durch die Grösse eingeschränkt ist? 

Einerseits ist es die Grösse. Smartphones müssen mittlerweile das gleiche können wie ein PC, oder sogar noch mehr. Sie müssen aber auch viel einfacher zu bedienen sein. Bei den PCs merkt man noch immer, dass sie aus der Welt der Maschinen kommen. Wir versuchen nun, unsere Erfahrung mit der Benutzerfreundlichkeit beim Bau von Laptops anzuwenden.

Wie sehen Handys in zehn Jahren aus? Gibt es sie dann überhaupt noch? 

Zehn Jahre ist eine schwierige Vorhersage. In den letzten zehn Jahren haben sich die Geräte stark verändert. Schauen wir aber die letzten vier Jahre an, so war die Veränderung gar nicht so gross. Ich denke, die Hardware wird sich nicht mehr gross verändern, es geht vielmehr um die Software. Das Handy wird zu unserem täglichen Begleiter, ohne den nichts mehr gehen wird.

Sie verkaufen in Europa mittlerweile viele Geräte, nur in den USA sind sie quasi irrelevant. Es gibt dort noch immer politische Vorbehalte gegenüber Huawei. Spüren Sie in Europa auch noch solche Hürden? 

Wir spüren hier eine gewisse Offenheit. Partner wie Vodafone, Swisscom oder Sunrise haben entschlossen, mit uns zusammen zu arbeiten. Diese Zusammenarbeit beim Betrieb der Netze geht weit. Die Regierungen erkennen auch, welchen Nutzen Huawei dem europäischen Markt bringen kann.

*Walter Ji ist Europa-Chef für Konsumgüter von Huawei. Handelszeitung.ch hat auf Einladung von Huawei an der Pressekonferenz in Berlin teilgenommen. Huawei bezahlte die Reisespesen.

Anzeige