Prominenter Zuwachs für den jungen Privat-TV-Sender 3+. Neben dem ehemaligen RTL-Gründer und Privatfernseh-Pionier Helmut Thoma, der ab sofort im Verwaltungsrat Einsitz nimmt, kann der Schweizer Kanal jetzt auch auf die finanzielle Beteiligung von Thomas Matter zählen.

Nachdem vor kurzem eine Strafuntersuchung gegen den Ex-Banker wegen angeblicher Begünstigung von Pensionskassen-Managern und weiterer Vorwürfe im Zusammenhang mit der Fusion seiner ehemaligen Bank Swissfirst mit der Bank Bellevue vollständig eingestellt wurde, möchte er sich nun voll und ganz auf seine Beteiligungsgesellschaft Matter Group konzentrieren. Mit dieser will er nach eigenen Aussagen in Unternehmen investieren, die über ein gutes Management sowie gute Produkte verfügten.

Überzeugt vom Management

«Bei 3+ treffen diese beiden Eigenschaften zusammen», begründet Matter den Erwerb von 7,1% der Aktien des noch nicht zweijährigen Privatsenders. Die Transaktion ist in der vergangenen Woche bereits erfolgt. Zum Verkaufspreis herrscht Stillschweigen.

Matter hat die Papiere dem 3+-Hauptaktionär und Gründer Dominik Kaiser abgekauft, der mit 83,1% nach wie vor die klare Mehrheit am Sender hält. Matter wie auch Thoma kennen Dominik Kaiser schon länger und haben dessen Projekt 3+ von Anfang an genau mitverfolgt. Beide scheinen gleichermassen davon überzeugt. Das Engagement des ehemaligen RTL-Tycoons stehe jedoch in keinem Zusammenhang mit dem eigenen Investment, hält Matter fest. «Ich bin einfach überzeugt von der aktuellen Strategie und dem Potenzial des Senders.»

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Mundart zieht

3+ will sich auch künftig als «Schweizerischer Unterhaltungssender» positionieren, erläutert dazu Inhaber und Geschäftsführer Dominik Kaiser. Zurzeit ist er intensiv mit der Kreation neuer Sendegefässe beschäftigt. Bereits per Ende Juli wird 3+ mit einer neuen Mundart-Eigenproduktion auf Sendung gehen.

Speziell dieses Segment soll auch künftig gestärkt werden, weil es sich gemäss Kaiser sowohl zur Bindung von Zuschauern als auch Werbekunden und deren Integration ins Programm hervorragend eigne. Mit Gefässen wie «Supermodel» oder «Bauer, ledig, sucht…» mache man diesbezüglich gute Erfahrungen.

Im letzten Jahr hat 3+ seinen Marktanteil zur Primetime-Sendezeit gegenüber 2006 (2,5%) auf 3,3% gesteigert. Angestrebt werden vom Management mittel- und langfristig 5% oder noch mehr.

Der prominente Neuinvestor Thomas Matter hält sich aus programmtechnischen Fragen raus und vertraut dem Management. «Es geht mir bei meinem Engagement nicht darum, ins operative TV-Geschäft einzusteigen, sondern Geld zu verdienen.»

Zu mehr Investition bereit

Er ist von den Wachstumschancen bei 3+ überzeugt und schliesst nicht aus, bei künftigen Expansionen noch mehr Geld in den Sender zu investieren. Als Startschuss für weitere Engagements in der Medienbranche ist das Investment Matters, der als Privatperson eine kleine Beteiligung am NZZ-Verlag hält, jedoch nicht zu verstehen. «Ich habe keine besonderen Vorlieben für Branchen, sondern für gute Firmen.»

Falls der Erfolg bei 3+ im bisherigen Tempo weitergeht, könnte der Privatsender schnell einmal zum Übernahmekandidaten in einer rasch konsolidierenden Branche werden. Davon will Dominik Kaiser nichts wissen. «Ein Verkauf ist nicht geplant.» Stattdessen wolle er mit dem «finanziell kerngesunden» Unternehmen die eingeschlagene Expansionsstrategie fortsetzen. Der Verkauf der 7,1% an die Matter Group ermögliche es, diesen Weg weiterzugehen.