D ass sich das Internet zum Partnervermittler eignet, belegen jüngste nationale Studien: Jeder siebte Schweizer findet seine Liebe derzeit im «world wide web». Und dass dereinst einer auf die Idee kommen würde, ebenfalls geschäftliche Beziehungen online zu knüpfen, war abzusehen.

Der US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble (P&G) kann sich in diesem Bereich zu den Pionieren zählen. Ralf Gehlen, CEO von P&G Schweiz, sagt: «Wir sind das erste Unternehmen, das eine virtuelle Veranstaltung dieser Grösse für ein einziges Unternehmen organisiert.» Dabei ist es kein Zufall, dass Procter & Gamble die Zeichen der Zeit erkannt hat. «Im Rahmen seiner Rekrutierungsstrategie sucht P&G stets nach neuen Mitteln, um Neueinsteiger anzuziehen und ihren Erwartungen zu entsprechen», ergänzt Gehlen.

Im Februar erfolgte der Auftakt der «Virtual Career Fairs», der interaktiven Jobbörse von P&G Westeuropa. «Das ist die Veranstaltung für dich», war auf der Homepage von Procter & Gamble zu lesen. «Trete mit P&G-Managern von ganz Westeuropa in Kontakt und stelle ihnen deine Fragen.» Die schlagenden Argumente für die Teilnahme am virtuellen Geschäftsaustausch folgten prompt: «Kein Reisen nötig, keine Kosten. Alles geschieht in Echtzeit.» Auch war eine spezielle Hardware-Ausrüstung für interessierte Akademiker obsolet. Um in die Geschäftswelt des amerikanischen Markenkonzerns einzutauchen, brauchten sie einzig einen Internetzugang.

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Fast 900 Studenten beteiligt

Aufgrund der grossen Nachfrage an den «Virtual Career Fairs» im Februar folgte schon im Oktober der zweite Streich. Und die Auswertung der virtuellen Begegnung lässt sich sehen: Binnen eines halben Tages traten via Internet nicht weniger als 882 Studenten aus ganz Europa mit 230 Vertretern des P&G-Konzerns in Kontakt. Schweiz-Chef Gehlen erklärt den regen Online-Austausch mit folgenden Worten: Die «Virtual Career Fairs» bieten Studenten «die einmalige Gelegenheit, mit Managern und Personalverantwortlichen aus ganz Europa in Kontakt zu treten und sich über die verschiedenen Karrieremöglichkeiten und Aufgabenbereiche bei P&G zu informieren».

Einmal eingewählt, sind den jungen klugen Köpfen verschiedene Booths (Messestände) zugänglich: Sie können sich Kurzfilme über das Unternehmen anschauen, sowohl Senior-Managern als auch Neulingen Fragen über deren Arbeit stellen und sich - wenn sie der potenzielle Arbeitgeber denn überzeugt hat - gleich online für eine Stelle bewerben.

Fast jeder Vierte bewirbt sich

Offensichtlich ist das Internet-Tool von P&G engmaschig genug. 210 von den 882 beteiligten Studenten gingen dem Konsumgüterunternehmen ins Netz. Will heissen: Fast jeder Vierte reichte im Anschluss an die «Virtual Career Fairs» im Oktober bei Procter & Gamble eine Bewerbung ein. Ralf Gehlen, CEO von P&G Schweiz, resümiert: «Die Virtual Career Fairs sind ein Mittel, um Studenten und zukünftige Mitarbeitende anzuziehen.» An diesem Instrument will der Konzern auch in Zukunft festhalten: «Angesichts des grossen Erfolges dieser beiden Veranstaltungen beabsichtigt P&G, die Veranstaltung auch 2011 wieder durchzuführen.» Nebst der Sektion Nordamerika, wo es die «Virtual Career Fairs» ebenso gibt, würden darüber hinaus nun auch weitere Regionen die Möglichkeiten prüfen, das Konzept des virtuellen Geschäftsaustausches zu übernehmen.

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Zwar kann nicht jeder beim Konsumgüterkonzern P&G eine Anstellung finden. Aber nicht zuletzt die Studenten, deren Karrierevorstellungen noch im Dunklen liegen, könnten über die «Virtual Career Fairs» bei der Ausrichtung ihres Werdegangs inspiriert werden. Spätestens wenn sie erfahren, dass der amerikanische Konsumgütergigant Procter & Gamble auf die unvoreingenommene Zusammenarbeit eines englischen Kerzenziehers mit einem irischen Seifensieder zurückgeht, wird ihnen bewusst, wie vielseitig das Geschäftsuniversum von P&G ist.