Noch letzten April wollte Max Havelaar nichts von Aldi wissen: «Die Zeit ist noch nicht reif», sagte Geschäftsführer Martin Rohner damals. «Wir müssen sicher sein, dass die deutschen Discounter, die in der Schweiz nicht zuletzt auch von den Medien unter kritischer Beobachtung stehen, ein echtes Engagement für den fairen Handel eingehen wollen.» Bei ihrem Markteintritt in der Schweiz waren die beiden deutschen Discount-Giganten wegen Lohndumping, hässlichen Ladenlokalen und ungesunden Lebensmitteln in Verruf geraten.

Doch schon bald stehen Honig, Bio-Schokolade und Bio-Kaffee mit Max-Havelaar-Label in den Regalen des Discounters. «Aldi Suisse wird in den nächsten Wochen erste Produkte von Max Havelaar ins Standardsortiment aufnehmen», bestätigt Sprecher Sven Bradke Recherchen der «Handelszeitung». Max-Havelaar-Mann Rohner ergänzt, dass die Zusammenarbeit mit Aldi erst nach längeren Gesprächen zustande gekommen ist. Laut Rohner wird Aldi mit fünf Fairtrade-Artikeln beginnen. «Danach soll das Sortiment ausgebaut werden.»

Aldi ist salonfähig geworden

Wie kam es zum Sinneswandel bei Max Havelaar? «Aldi ist bei den Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten mittlerweile gut etabliert und verkauft auch international Fairtrade-Produkte», sagt Rohner. So führe etwa die österreichische Detailhandelskette Hofer, die Aldi gehört, Fairtrade-zertifizierte Artikel. Auch in Deutschland würden Pilotprojekte geprüft. «Wir wollen mit der Einführung in der Schweiz auch international ein Zeichen setzen», erklärt Max-Havelaar-Geschäftsführer Rohner.

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Doch es dürfte noch einen weiteren Grund für den Meinungsumschwung bei Max Havelaar geben: Das geschickte Agieren des Discounters. Nachdem Max Havelaar eine Zusammenarbeit vorerst ausschlug, führte Aldi flugs das Zertifikat «Fair for Life» etwa für Bananen ein und trickste damit Max Havelaar aus. Denn der Konsument kann kaum mehr zwischen den verschiedenen Labels unterscheiden.

«Fair for Life» ist keine Erfindung von Aldi. Eigentümerin des Zertifikats ist die Swiss Bio Foundation. Deren Zielgruppen sind Plantagen und Kleinbauern in Entwicklungsländern. Der Rohstoffpreis und allfällige Prämien handeln Einkäufer und Bauern aus. Anders bei Max Havelaar: Bei deren Fairtrade-Label profitieren Kleinbauern in Entwicklungsländern von einem garantierten Mindestpreis und einer Fairtrade-Prämie. Trotz der neuen Zusammenarbeit mit Max Havelaar will Aldi für seine Bananen auch in Zukunft am Zertifikat «Fair for Life» festhalten.

Rohner von der Max-Havelaar-Stiftung rechnet damit, dass der deutsche Discounter in den ersten drei Jahren mit den Fairtrade-zertifizierten Produkten über 200 Tonnen Rohstoffe absetzen wird. Zum Vergleich: 2009 wurden in der gesamten Schweiz 300 Tonnen Kakao und 1500 Tonnen Kaffee von Kooperativen mit Fairtrade-Label verkauft. Zehn Produzentenorganisationen in Zentral- und Südamerika werden von der Einführung ihrer Fairtrade-Produkte Kaffee, Kakao und Honig bei Aldi Suisse profitieren.

Letztlich sollen die Kleinbauern im Süden als letztes Glied in der Handelskette von dieser neuen Zusammenarbeit gewinnen. Sie gehören zu den Ärmsten auf dieser Welt. Am anderen Ende der Handelskette steht die Besitzerfamilie von Aldi. Die Albrechts führen auch 2010 die Hitliste der reichsten Deutschen mit 17 Milliarden Euro an, wie letzte Woche bekannt wurde.

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Die Konkurrenz will auch

Auch Aldi-Konkurrent Lidl will seit Längerem mit Max Havelaar zusammenarbeiten. Bisher führt Lidl kein Fairtrade-Label. «Im Moment suchen wir nicht nach einer Alternative zu Max Havelaar», erklärt Lidl-Sprecherin Paloma Martino. Weiterhin laufen Gespräche zwischen Lidl und der Stiftung, wie beide Seiten bestätigen.

Der Entscheid von Max Havelaar für Aldi zeigt: Der Discounter ist nach fünf Jahren und der Eröffnung von mittlerweile 125 Filialen definitiv in der Schweiz angekommen.