Dass die beiden Mars-Rover «Spirit» und «Opportunity» länger als 90 Tage unterwegs sein würden, hatte niemand erwartet. Ingenieure der US-Weltraumbehörde Nasa rechneten vielmehr damit, dass dicke Staubschichten auf den Solarzellen die Energieerzeugung nach drei Monaten zum Erliegen bringen würden. Doch die Marsoberfläche erwies sich als holpriger Untergrund, der die beiden Rover kräftig durchrüttelte. Die Solarzellen, beinahe staubfrei, produzieren deshalb immer noch genügend Energie und treiben die Rover weiter an.

Chancen für neue Aufträge

Während die beiden Zwillings-Gefährte in rund 70 Mio km Entfernung über den rotenPlaneten rollen, reibt sich in Sachseln Jürgen Mayer freudig die Hände. Der CEO von Maxon Motor ist begeistert über die tadellose Leistung, welche die je 39 Mikromotoren pro Mars-Rover, die aus seinem Unternehmen stammen, erbringen.

«Dank diesem sensationellen Ergebnis haben wir uns auf internationaler Ebene einen wohlklingenden Namen gemacht», jubelt Mayer. Für die Krönung des Erfolgs sorgte vor wenigen Tagen die Auftraggeberin Nasa, welche Maxon mit dem «Mars Exploration Rover Recognition Award» bedachte. Zwar trägt die Raumfahrt nur wenig zum Gesamtumsatz bei. Doch Projekte dieser Art sind äusserst prestigereich. JürgenMayer möchte darum die Zusammenarbeit mit der Nasa fortsetzen, insbesondere imHinblick auf das ähnlich spektakuläre «Mars Science Laboratory», das für 2009 geplant ist.

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Die Chancen, dass die Nasa erneut auf die Sachsler Minimotoren setzt, stehen gut: Vielen Zulieferern fehlt mangels Aufträgen das Geld für Forschung und Entwicklung. Maxon Motor hingegen baute seinen Forschungsetat von 9,7 Mio Fr. (2003) auf 11,8 Mio Fr. (2004) aus. Dies dank einem im Jahr 2004 stark erhöhten Cashflow von 23,9 Mio Fr. (+63,7%).

1. Halbjahr verlief positiv

Mit Mayer schaffte esMaxon Motor 2004 erstmals, mit einem Umsatz von 226,8 Mio Fr. (+29%) die Grenze von 200 Mio Fr. zu sprengen. In diesem Jahr sollen die Werke in Sachseln, den USA und Ungarn ein ähnliches ­ eventuell gar höheres ­ Ergebnis generieren. «Das erste Halbjahr verlief sehr, sehr gut», betont Jürgen Mayer. Bereits im 1. Quartal lag Maxon um 14% über der Vorjahresperiode. Das Unternehmen ­ es gehört Karl-Walter Braun, einem Nachkommen des Rasierapparaterfinders Max Braun ­ publiziert keine Detailzahlen.

Ein riesiger Markt wartet

Jürgen Mayer will das Tempo halten und kündigt neue Produkte an. «Wir werden bald über spektakuläre Anwendungen für den Medizinalbereich informieren», so Mayer. Das Unternehmen produziert heute bereits Motoren für Apnoegeräte und Daumenprothesen.

Mit Medtech setzt Mayer aufs richtige Pferd. Denn der Markt verfügt über riesige Potenziale. Laut Medtech-Spezialist Cyrill Zimmermann von der Basler Adamant Biomedical Investments AG kommen für die Obwaldner verschiedene Bereiche in Frage. «Ihre Mikroantriebe könnten bei Insulinpumpen, präzisen Schraubensetzungen bei Knochenbrüchen und einfachen chirurgischen Eingriffen, die von einem ferngesteuerten Roboter ausgeführt werden, eine zentrale Rolle spielen», soZimmermann. Die Bereiche Orthopädie, Insulinpumpen und robotergesteuerte chirurgische Eingriffe verfügen über ein totales jährliches Marktvolumen von gegen 20 Mrd Dollar.

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