Der «TopMBA.com Survey of MBA Applicants» ist die grösste jemals gemachte Umfrage weltweit über Gründe und Karrierewünsche, die hinter der Wahl eines MBA-Programms stehen. Initiiert wurde die Umfrage von Nunzio Quacquarelli, Gründer und Manager der weltweit tätigen Mediengruppe QS Quacquarelli Symonds Ltd. QS ist Organisator der grössten Business-Veranstaltung der Welt für MBA-Interessenten, die QS World MBA Tour.

Auch die QS World Grad School Tour, die sich an Interessenten für postgraduate Studies richtet, gehört zu ihrem Portefeuille. Weitere Produktionen sind Print- und Online-Publikationen und Software-lösungen. Quacquarelli ist Herausgeber des jährlich erscheinenden Topmba.com Applicant and Recruiter Research, des Produkts Global 100 Top Business Schools und des ebenfalls jährlich erscheinenden World University Ranking in Zusammenarbeit mit der «Times»-Higher-Education-Beilage.

Chinesen im Vormarsch

Die Zahl der Antworten belegen das massiv ansteigende Interesse vor allem indischer (+24,4%) MBA-Interessenten, gefolgt von Chinesen (+6,1%) und Vietnamesen (+5,0%). Zusammen mit den USA, Malysia, Kambodscha, Russland, Peru und Kolumbien machen sie 58% der Antworten aus. Der restlichen Antworten stammen anzahlmässig in dieser Reihenfolge aus Ägypten, Bulgarien, der Ukraine, Thailand, Nigeria, Italien, Mexiko, der Türkei, Venezuela, Rumänien, Deutschland, Südafrika, Singapur, Argentinien, Kasachstan, Frankreich, Chile, Pakistan, Kanada, Grossbritannien, Spanien und Brasilien. Die Schweiz ist hier nicht separat aufgeführt.
Das Alter der Interessenten liegt bei etwa 26,8 Jahren, in den USA und Kanada bei 27, in Mitteleuropa bei 26,5 und in Asien bei 25,9 Jahren. Am begehrtesten sind Jobs in IT, Consulting, Engineering und Financial Services. Dagegen ist die Teilnahme von Kandidaten aus Beratungsunternehmen dramatisch gesunken (–22%), was die Studie auf den ausgetrockneten Arbeitsmarkt zurückführt. Auch das Bankenwesen dürfte weltweit und damit auch in der Schweiz aus ähnlichen Gründen weiterhin unter der gesunkenen Nachfrage von Bewerbern (–27%) leiden, folgert die Studie.

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Unterschiedliche Saläre

Obwohl Männer und Frauen bei der Wahl eines MBA-Studiums Vollzeitangebote bevorzugen, investieren Frauen weniger Zeit dafür. Männer sind mehr am Networking interessiert als Frauen, die einen MBA vor allem aus Gründen der Weiterbildung anstreben, um ihre Karrierechancen zu erhöhen.
Bewerber aus Grossbritannien stehen im internationalen Vergleich an der Spitze: Ihr durchschnittliches Salär bewegt sich zwischen 70 000 und 75 000 Dollar, gefolgt von Frankreich, den USA und Deutschland, wo das Durchschnittseinkommen jeweils zwischen 55000 bis 60 000 Dollar liegt. Keine Überraschung ist, dass asiatische und südamerikanische Bewerber die tiefsten Saläre ausweisen.
Nach wie vor zählen die USA, Grossbritannien und Kanada zu den privilegiertesten Destinationen der Bewerber. Das Interesse an Frankreich und Spanien ist gemäss der Studie weltweit etwas gesunken, während die Lust, in Australien ein MBA zu machen, gestiegen ist. Als Gründe für ein spezielles Land wurden vor allem die internationale Reputation und Performance, Kultur und Lifestyle genannt. Ein grosser Teil der Antworten bezog sich auch auf Sholarship und finanzielle Unterstützung.
Die Studie spricht von einem dramatischen Verlust und Interesse an Rankings; eine Ausnahme macht Grossbritannien. Bei den meisten Bewerbern sind Salärerwartungen die wohl wichtigste Motivation für ein MBA. Bei der Auswahl von Schulen nimmt der Besuch der Websites Platz eins ein, auf Platz zwei liegt ein direkter Kontakt mit Schulen und Alumni, gefolgt von MBA-Messen. Die hauseigene Quacquarelli-Publikation «QS Top MBA Career Guide» ist nach eigenen Aussagen um 54% in der Popularität als Auswahlhilfe gestiegen.
Vor dem MBA verdienen Frauen im Durchschnitt 13% weniger als Männer. Die Erwartungen der Männer nach dem MBA liegen im Durchschnitt um 30% höher als bei den Frauen. Zukünftige Führungskräfte scheinen zu ahnen, was an Arbeitsstunden auf sie zukommt: 53% erwarten eine 50-Stunden-Arbeitswoche und mehr. 57% haben ambitiöse Erwartungen an ihre zukünftige Stellung: Direktoren, CEO von grossen Unternehmen oder Inhaber von Firmen.

Bevorzugte Branchen

Generell ist das Interesse in die wichtigsten Branchen etwas gesunken. Dazu gehören IT mit 14% (2006 17%), Consulting 9% (15%), Engineering 9% (10%), Financial Services 7% (11%). Dagegen interessieren sich mehr MBA-Kandidaten für Non-Profit-Unternehmen, Verwaltung und Erziehung. Das Profil der MBA-Kandidaten unterscheidet sich zwischen den USA, Lateinamerika, Europa und Asien: Aus den USA kommen 35% mehr Kandidaten als ein Jahr zuvor aus den Bereichen Consulting, Banking und Financial Services; aus Asien sind es +18%, während sich 17% weniger Kandidaten aus Europa und 30% weniger aus Lateinamerika für ein MBA-Studium interessieren.

Frauen im Vormarsch

Einen signifikant höheren Frauenanteil zeigt die Studie gegenüber den Vorjahren. Frauen beginnen die Ausbildung jedoch früher als Männer, vermutlich im Hinblick auf den Familienstart, folgert die Studie. 2004 betrug der Frauenanteil weltweit 31%, 2007 bereits 39%. Die grösste Frauenpower kommt aus Taiwan (77,3%), gefolgt von Rumänien (72,7%), Thailand (70,5%), Kasachstan (69,8%), Philippinen (64,6%), Bulgarien (63,1%), Indonesien (62,50%), China (59,5%), Russland (57,3%) Vietnam (56,8%), USA (55,2%), gefolgt von der Ukraine, Griechenland und Venezuela. Hier dürften sich Männer manchmal etwas verloren vorkommen.
Die europäischen Schulen weisen einen Frauenanteil von durchschnittlich einem Drittel aus, wie Spanien mit 33,3%, Deutschland 31,1%, Italien 30,6% und Frankreich 26,8%. Die wenigsten MBA-Chancen haben Frauen aus Pakistan (10,5%), Uganda (12,5%) und Indien (19,6%). Es erstaunt nicht, und das bestätigen auch andere Umfragen (wie Universum), dass weibliche Kandidaten aus Unternehmen wie Financial Services und Banking kommen, gefolgt von Consulting, während Männer sich hauptsächlich aus technisch dominierten Branchen (IT, Engineering) bewerben bzw. dafür interessieren.

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Studienplatz Schweiz begehrt

Wenn auch etwas weniger als in früheren Jahren ist das Studienland Schweiz sehr begehrt. Unter den zehn privilegiertesten Ländern liegt sie auf Platz 9 vor Italien. Noch immer haben jedoch Angelsachsen Priorität, sie liegen mit den USA, Grossbritannien, Kanada und Australien auf Platz eins bis vier, gefolgt von Frankreich, Singapur, Spanien und Deutschland auf Platz fünf bis acht. Dazu ist zu bemerken, dass bei der grossen Anzahl angelsächsischer Aussteller und Besucher der MBA Fair diese Länder rein quantitativ sehr hoch vertreten sind und oft die eigenen Sprachregionen bevorzugen.