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Markenbotschafterin
Medaillen jagen, Sponsoren erobern

 

Die junge Tessinerin Lara Gut ist die beste und am besten vermarktete Schweizer Skirennfahrerin der Gegenwart.

Von Robert Wildi
am 30.10.2013

Wenn Lara Gut (22) etwas nicht passt, dann handelt sie. Über­raschend und kurz vor dem Start zur Weltcup- und Olympia-Saison hat die Ikone im Schweizer Damen-Skiteam vor kurzem ihren Trainer gefeuert. Das Verhältnis mit dem italienischen Coach habe sich zuletzt nicht positiv entwickelt, begründete Vater und Manager Pauli Gut die Entlassung in den Medien. Die Trennung habe sich abgezeichnet. Die Tessinerin selbst sagt dazu nicht viel. Nur, dass sie von ihrem Ex-Trainer zu wenig Engagement und Begeisterung gespürt habe. Im Hinblick auf die Olympischen Winter­spiele 2014 in Sotschi ist das keine gute Voraussetzung. Tochter und Vater Gut haben deshalb abrupt die Reissleine gezogen.

Als Teenager vom Erfolg überfordert

Geschwindigkeit zeichnet Lara Gut in erster Linie im Schnee aus. In einem leider eher mässigen Schweizer Damen-Skiteam sorgt sie seit fünf Jahren für die meisten sportlichen Höhepunkte. So gewann sie bei der WM 2013 in Schladming die Silbermedaille im Super-G und damit das ein­zige Edelmetall für unsere alpine Nation. Schnell ist Lara Gut auch im Kopf und sorgt trotz ihrer Jugend bereits für die Karriere nach dem Spitzensport vor. Diesen Sommer bestand sie ihre Maturaprüfungen, um dann gleich voll in die intensive Vorbereitungsphase einzusteigen für die Saison, die letztes Wochen­ende mit ihrem Sieg in Sölden begann. Dem grossen Ziel, an Olympia zu den Gewinnerinnen zu ­gehören, wird zurzeit alles untergeordnet.

Gleichwohl ist Lara Gut von diversen Verpflichtungen abseits der Piste auch in dieser sportlich wichtigen Phase nicht ­befreit. Keine andere Schweizer Skirennfahrerin ist bei Sponsoring- und Werbepartnern so begehrt. Ihr Erfolg ist ein Grund dafür, ihre attraktive Erscheinung und ihre extrovertierte Wesensart sind ­Multiplikatoren. Die Liste der Partner wird daher jährlich länger. Ragusa, Audi, Rolex, Andermatt Swiss Alps, Kjus Sportmode und Rossignol sind die gegenwärtigen Haupt­sponsoren, für die Lara Gut als Botschafterin wirbt. Selbst die Filmbranche wurde auf die Tessinerin aufmerksam. Im Film «Tutti giù» des italienischen Regisseurs Niccolò Castelli, der 2012 in den ­Kinos lief, spielt Lara Gut eine junge, charismatische Spitzenskirennfahrerin, die vom plötzlichen Erfolg überrumpelt wird.

Eine Rolle, die ihr reales Leben nach­erzählt. Mit 17 gewann sie ihr erstes Weltcup-Rennen. «Ich wurde zunächst förmlich überrollt von einer Druckwelle mit ­Medienterminen, Interviews, Sponsoring-Events und so weiter. Gleichzeitig wurden von mir immer noch bessere sportliche Leistungen erwartet», sagt Lara Gut. Als Teenager war sie von diesem Druck phasenweise überfordert. «Inzwischen habe ich gelernt, wie ich mit dem Rummel umgehen muss.» Ihre wichtigste Erkenntnis: «Jedes Engagement neben dem Sport kann für mich nur dann funktionieren, wenn es auch Spass macht. Die klare Hauptrolle muss aber zu jeder Zeit der Skisport einnehmen.» Die Erfahrungen der letzten Jahre helfen Lara Gut heute, bei der Auswahl von Sponsoren sorgsam umzugehen. Es ist ihr wichtig, dass potenzielle Partner nicht nur den kommerziellen Erfolg im Visier haben, sondern genauso am Menschen Lara Gut interessiert sind. «Heute habe ich das Glück, mit lauter solchen Unternehmen zusammenarbeiten zu dürfen», sagt sie. Dadurch falle ihr diese Arbeit einerseits leichter, anderseits mache sie richtig Spass – und zwar für beide Seiten. «Das ist die perfekte Voraussetzung, um gemeinsam erfolgreich zu sein.»

Kommunizieren über alle Kanäle

Ein Erfolg, der sich auf das Portemonnaie auswirkt. Das Thema ist für Lara Gut indes Tabuzone. Weder zu ihren Einkünften als Skirennfahrerin noch zur Dotierung­ ihrer Sponsoring- und Werbeverträge gibt es eine Auskunft. Einzig im Zusammenhang mit ihrem Filmdebüt in «Tutti giù» ist etwas zu erfahren. «Ich wollte eigentlich keine Gage dafür, erhielt dann aber doch einen minimalen Lohn, den ich für arme Kinder in Afrika gespendet habe.»

Spielt Geld für die Schweizer Olympia-Hoffnung nur eine Nebenrolle? «Sicher nicht eine so wichtige wie meine Ambitionen im Spitzensport», sagt Lara Gut im Wissen, dass das eine ohne das andere nicht möglich ist. Dankbar sei sie daher, von den Sponsoren mit den notwendigen Mitteln unterstützt zu werden, um Spitzensport auf diesem Niveau zu betreiben. Und Lara Gut müsste schwindeln, wenn sie verneinen würde, sich aktiv zu vermarkten. Professionell nutzt sie heute alle modernen Kommunikationskanäle, versorgt die Fans mit Ferienfotos via Facebook oder twittert auch mal einen medien­wirksamen Kommentar. «Natürlich bin ich mir bewusst, dass jede Regung und Kleinigkeit via Social Media zu einer Nachricht oder einem ganzen Artikel ausgeschlachtet werden kann.» Hier gelte es für sie, ein gesundes Gleichgewicht zu finden und sich selber stets treu zu bleiben.

Die Bewirtschaftung der Sponsoren wird im KMU Gut heute klar strukturiert. Priorität hat die sorgfältige Pflege der ­bestehenden Partner. Neue Kooperationen werden angestrebt, sofern sie ins Portfolio passen. Dieses Geschäft beherrscht die junge Tessinerin heute. Den Kopf hat sie gleichwohl fast permanent beim Skifahren. In dieser – ihrer wichtigsten – Welt zählt nicht ein kamerawirksames Lächeln, sondern nur Arbeit, Disziplin, Hunderts­tel­sekunden. Da gibt es keine Kompromisse. Eine Olympia-Medaille in Sotschi kann man sich schliesslich mit noch so lukrativen Sponsoring-Verträgen nicht kaufen.

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