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Detailhandel
Media Markt will zum Erlebnis-Tempel werden

Media Markt wird zum Erlebnistempel
An Samstagen sollen auf der Bühne Events und DJ-Wettbewerbe stattfinden.Quelle: ZVG

Media Markt kämpft mit sinkenden Umsätzen. DJ-Pulte, Live-Küche und Virtual-Reality-Zonen sollen mehr Kunden anlocken.

Von Bastian Heiniger
am 26.09.2018

Martin Rusterholz muss handeln. Seit eineinhalb Jahren ist er Chef von Media Markt Schweiz, dessen Umsätze in den letzten Jahren rapide gesunken sind: von 963 Millionen Franken im Jahr 2012 auf zuletzt 635 Millionen Franken, wie Zahlen des Statistikportals Statista zeigen. Ein Rückgang von 34 Prozent innert fünf Jahren.

Was tun? Im Detailhandel gibt es derzeit zwei Trends: Erstens den digitalen Kanal stärken und ihn mit dem stationären Geschäft verschmelzen. Zweitens den Erlebnisfaktor für die Kunden erhöhen. Auf letzteres konzentriert sich Rusterholz besonders. Er hat einen ersten Media Markt zu einem Event-Tempel umgebaut und dafür mehrere 100’000 Franken investiert. In Dietlikon ZH präsentiert er heute den neuen Flagshipstore mit Live-Küche, Barrista-Lounge, Gaming- und eSports-Zone, DJ-Bühne und vielem mehr. Sechs Monate will er dort das neue Konzept testen und es dann auf die anderen Filialen ausweiten.

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Digital ist Media Markt kein Schwergewicht

Rusterholz erhofft sich dadurch, mehr Kunden in die Läden zu locken und deren Verweildauer zu erhöhen. Keine einfache Aufgabe in einer Zeit, in der immer mehr Kunden ihre Waren digital bestellen, besonders Elektronikartikel. Doch digital ist Media Markt kein Schwergewicht. Während Konkurrent Digitec mit einem Umsatz von 690 Millionen Franken der grösste Onlineshop in der Schweiz ist, belegt Media Markt laut Zahlen des E-Commerce-Portals Carpathia mit 76 Millionen nur Rang 17 der grössten Schweizer Onlinehändler. Die Stärke von Media Markt liegt im stationären Handel. Keiner hat grössere Flächen, 85 Prozent des Umsatzes erzielt der Elektronikhändler in seinen 27 Filialen.

Martin Rusterholz
Martin Rusterholz ist seit April 2017 Chef von Media Markt Schweiz.
Quelle: ZVG

«Dennoch kann man den stationären Laden nicht einfach so weiterführen, wie bisher», sagt Rusterholz. Die Ansprüche der Kunden hätten sich verändert. Wie lange es stationäre Läden in dieser Form noch gibt, weiss er selbst nicht. Media Markt überprüft derzeit seine Läden und passt laufend die Flächen an.

Rusterholz sieht aber gute Gründe, weshalb Kunden auch künftig in die Läden kommen: Sie können sich von einem Fachmann beraten lassen, das Produkt betrachten und in die Hand nehmen, es nach dem Kauf direkt mitnehmen und bei Problemen den Artikel einfach umtauschen oder Ersatz holen. Vor allem aber: Nur im stationären Geschäft könne sich ein Kunde wirklich inspirieren lassen. «Will man ein Erlebnis mit dem Partner oder der ganzen Familie, geht man in einen Markt hinein und kann die verschiedenen Produkte sehen und testen», sagt Rusterholz.  

Hier sollen sich Kunden vergnügen

Mit insgesamt neun verschiedenen Erlebnis-Inseln setzt er nun voll und ganz auf den Erlebnis-Aspekt. Für Jung und Alt soll etwas dabei sein im Laden. Der Kaffee-Liebhaber etwa testet in der Kaffee-Lounge einen frisch gebrühten Kaffee. Am Wochenende soll ein geschulter Barrista Kaffee servieren. Im Wellness- und Beauty-Bereich lässt sich der Mann den Bart trimmen, während die Frau die neusten Lockenwickler ausprobiert. In einer Workshop-Zone lassen sich Kunden den Umgang mit dem iPad oder der neusten Digitalkamera erklären. In der Game-Zone stehen neben den verschiedensten Konsolen-Spiele drei Boxen, in denen man die neusten Virtual-Reality-Geräte ausprobieren kann. Zudem gibt es eine DJ-Bühne, auf der an Samstagen zum Beispiel DJ-Wettbewerbe stattfinden. Rusterholz’ persönliches Highlight ist jedoch die voll ausgebaute Showküche, in der Koch-Events und Kochkurse stattfinden.

Virtual Reality
In drei Virtual-Reality-Boxen können Kunden die neusten Hightech-Geräte testen.
Quelle: ZVG

Kochen, DJ, Gaming – ist das nicht etwas viel Halli Galli? «Nein», sagt Rusterholz. «Der DJ ist ja nicht einen ganzen Tag dort und der Gaming-Bereich ist im hinteren Ladenteil. Man kann noch immer ungestört um die Regale gehen. Neu gibt es aber mehr Ambiente, was zum Verweilen einlädt.»

Kassenloses zahlen kommt

Das alles soll die verschiedensten Geräte und Technologien für die Kunden erlebbar machen. «Wir wollen Menschen und Technologie zusammenbringen», sagt Rusterholz. Er will die verschiedenen Märkte ausserdem auch digitaler machen. So werden die Verkäufer künftig mit iPads ausgerüstet, damit sie überall im Laden den Kunden beraten und das Online-Sortiment zeigen können.

Eine Idee ist auch das kassenlose Bezahlen. In Österreich hat Saturn, der zum gleichen Mutterkonzern wie Media Markt gehört, bereits eine kassenlose Filiale getestet. Für Rusterholz ist ebenfalls denkbar, dass die Kunden eines Tages via App bezahlen. «Da sind wir dran. Die Umsetzung ist jedoch komplex, und es braucht einen eigenen Ausgang für Kunden, die per App bezahlen», sagt Rusterholz. Es werde aber nicht allzu lange gehen, bis das für ein Teilsortiment möglich sei.