Die mit der Messung der TV-Einschaltquoten beauftragte Mediapulse AG ist noch immer nicht in der Lage, aktuelle Daten zu liefern. Für heute war nach mehreren Verschiebungen erneut die Publikation der Zahlen angekündigt - doch nun interventierten Kunden von Mediapulse. Am gestrigen Montag verlangten sie, damit zuzuwarten, bis das Resultat einer externen Expertise vorliege. 

Die Reaktionen der Kunden fielen «wesentlich stärker aus als erwartet», sagte Mediapulse-Verwaltungsratspräsident Marco de Stoppani vor Medien in Zürich. Wer konkret ein Publikationsverzicht verlangte, verriet er nicht. Die Forderung sei «von verschiedenen Quellen, mündlich und schriftlich und auch von Anwälten» gekommen. Rechtliche Schritte seien noch nicht eingeleitet, aber in Aussicht gestellt worden.

Das Debakel um die Umstellung auf ein neues Messsystem für TV-Zuschauerzahlen und ähnliche Daten ist für die Mediapulse AG damit um ein Kapitel reicher. So war es dem Mediapulse-VR-Präsidenten sichtlich peinlich, mit den schlechten Neuigkeiten vor die Medien zu treten. Er nannte es «unangenehm und unpopulär».

Zum wiederholten Verschieben von Publikationsterminen in den letzten Wochen räumte Stoppani ein, man habe «suboptimal gehandelt und kommuniziert». Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass man «jetzt auf dem richtigen Weg» sei.

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Internationale Experten an der Arbeit

Der Hintergund: Das bisherige, auf analoges Fernsehen ausgerichtete Messsystem musste mit einem zeitgemässen neuen System ersetzt werden. Es berücksichtigt auch zeitversetztes Fernsehen und TV-Konsum via Internet. Anfang Jahr erfolgte die Umstellung. Verwendet wird nun ein Messsystem, das bereits «in 50'000 Haushalten in 30 Ländern» verwendet wird, de Stoppani sagte. In der Schweiz seien 2100 Haushalte angeschlossen.

Die Probleme tauchten mit den ersten Daten auf. Die «Zuordnung der Daten zu den einzelnen Sendern führte zu Ungereimtheiten», so Stoppani. Konkret unterschieden die Messungen also nicht richtig, wenn beispielsweise die gleiche Sendung auf TeleZüri und auf TeleBärn ausgestrahlt werde.

Die Fehlerquelle sei entdeckt und behoben worden, alles wurde in aufwendiger Kleinarbeit nochmals nachgerechnet. Aber noch immer klappte offenbar etwas nicht: Zwischen den Daten von 2012 und jenen von 2013 gab es laut Stoppani «zum Teil erhebliche Unterschiede». Externe Fachleute wurden mit der Analyse des neuen TV-Panels beauftragt.

Seit zwei Wochen sind nun zwei international anerkannte Experten an der Arbeit. Sie müssen beurteilen, ob Aufbau und Betrieb des Mediapulse-Panels den internationalen Standards genüge, wie Mediapulse-Geschäftsführer Manuel Dähler erklärte.

«Gefahr, dass die Zahlen doch rausgehen»

Ein dritter, noch nicht bestimmter Experte wird abklären, ob die Abbildung der regionalen Eigenheiten der kleinräumigen Schweiz sachgerecht ist. Die beiden Berichte sollen in der ersten Märzwoche vorliegen. Dann haben die Kunden Gelegenheit, sie zusammen mit den Experten zu begutachten. Bis zur Publikation der Berichte dürfte es Ende März werden, so Stoppani.

Bis die Expertisen vorliegen, wird laut Stoppani weiterhin täglich gemessen, und die Daten werden den Kunden zur Verfügung gestellt. Ob alle sich an die Weisung halten, die Zahlen vorderhand unter Verschluss zu halten, ist fraglich. Stoppani ist sich «der Gefahr, dass die Zahlen doch rausgehen, im Klaren».

Für die TV-Sender und ihre Werbekunden sind die von Mediapulse erhobenen Zahlen enorm wichtig. Unter anderem aufgrund von diesen Angaben wird über Werbepreise sowie über Beibehalten oder Absetzen von Sendungen entschieden.

(tno/aho/sda)