Seit Anfang Jahr warten die Schweizer TV-Macher und die Werbebranche auf relevante Daten zum TV-Konsum in der Schweiz. Die mit der Erhebung der Daten beauftragte Mediapulse AG konnte bis jetzt keine TV-Quoten liefern. «Handelszeitung Online» berichtete mehrfach darüber. Bis Ende Januar, im besten Falle schon früher, waren die TV-Quoten versprochen. Wie Recherchen von «Handelszeitung Online» jetzt aufzeigen, verzögert sich die offizielle Veröffentlichung möglicherweise weiter.

Vorabinformationen für Kunden

Am Mittwoch werde den Kunden (Datenbezügern) von Mediapulse erste exklusive Einblicke in die TV-Quoten gewährt. Journalisten sind an der Veranstaltung explizit nicht erwünscht, sagte ein Mediapulse-Sprecher «Handelszeitung Online». Erst nächste Woche soll es dann eine Informationsveranstaltung für die Öffentlichkeit geben.

Das Brisante an der Geschichte: Die meisten Kunden sind über Verwaltungsratssitze und die Mitgliedschaft im Stiftungsrat direkt für die Verzögerungen in der Auswertung mitverantwortlich.

So sitzt der CEO der Goldbach Group, der Vermarkterin der Schweizer Werbefenster auf den deutschen Privatsendern, in beiden Aufsichtsgremien. Auch sind SRF und Telesuisse mit je einem Vertreter in beiden Aufsichtsgremien vertreten.

Damit sitzen die einflussreichsten Parteien was den Verkauf von TV-Werbung in der Schweiz betrifft in den Aufsichtsgremien der mit der TV-Quotenerhebung beauftragten Firmen. Jeder dürfte für sich das Beste wollen und seinen Einfluss geltend machen. Schliesslich bestimmen die Quoten direkt das Einnahmepotential der Sender.

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Die Angst geht um

Die Stimmung ist angespannt in der TV-Szene der Schweiz. Dies weil die Mediapulse Mitte des Monats vier Massnahmen zur Überprüfung der erhobenen Zahlen bekannt gegeben hat. Drei der vier Massnahmen zielen auf die Gewichtung der Werbefenster der deutschen Privatsender ab. Die Verzögerung wird je länger je mehr ein Thema in den Medien. So warteten auch der «Tages-Anzeiger» und die «Medienwoche» mit weiteren Details zur Panne auf (siehe Links).

Branchenkenner vermuten nun, dass die deutschen Privatsender als die grossen Gewinner aus der Umstellung auf die neue Methode hervorgehen. Dies nicht zuletzt darum, weil die Vermarkterin der Werbefenster, die Küsnachter Goldbach Group, dank den Verwaltungsratssitzen von CEO Klaus Kappeler über sehr viel Einfluss bei der Mediapulse verfügt.

«Handelszeitung Online» hat dem Goldbach-Group-CEO Fragen zu möglichen Interessenkonflikten mehrfach zukommen lassen. Klaus Kappeler wollte die Fragen jedoch nicht beantworten.

In der Branche wird gemunkelt, dass die deutschen Sender wie RTL, Pro Sieben und Sat1 vor allem bei den Jungen zulegen konnten. Dies auf Kosten der SRF-Sender und der regionalen Schweizer Sender. Das junge Publikum ist für die Werbewirtschaft besonders interessant und daher auch teuer.

Zudem wird das neue System hinter vorgehaltener Hand als veraltet und ungenau beschrieben. Dies, weil nur der TV-Konsum über Computer neu in die Quote einfliesst, jedoch nicht Abrufe über iPad und Smartphones, wird kritisiert.

Folgende Fragen von «Handelszeitung Online» wollte Goldbach-Group-CEO Klaus Kappeler nicht beantworten und verwies auf das laufende Verfahren bei der Mediapulse AG. Die Fragen haben sich aber nicht auf die Mediapulse bezogen, sondern einerseits auf das Unternehmen Goldbach Group als Werbevermarkterin sowie andererseits die TV-Marktsituation.

Bezogen auf die Probleme bei der Datenauswertung:
1. «Haben Sie als Goldbach CEO zu Gunsten von Ihren Kunden interveniert?»

Bezogen auf seine Verwaltungsratsmandate bei der Mediapulse-Gesellschaften:
2. «Mit Ihrer Goldbach Gruppe vermarkten Sie unter anderen die Schweizer Werbefenster vieler deutscher Privatsender. Besteht da kein Interessenkonflikt?»

Bezogen auf die Beziehung Goldbach Group und TV-Kunden:
3. «Die Kunden von Goldbach geniessen quasi eine Erfolgsgarantie. Sollten einige Sender jetzt um einige Prozent einbrechen – was würde Sie das kosten – die Nachschaltungen oder Rückzahlungen»

4.«Haben Sie für diesen Fall Vorkehrungen getroffen? Rückstellungen angehäuft?»

Bezogen auf die mögliche Situation am Markt mit den neuen Quoten:
5. «Wie sehen Sie die Gefahr bei den kleineren Sendern? Wenn die Quote einbricht sinkt der TKP (Tausender-Kontakt-Preis). Sind da die offensichtlich vorhandenen Ängste plausibel?»