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Medienimperium
Medien fordern mehr Geld von Internetkonzernen

Nachrichtenagenturen eine bessere Vergütung für die von Internetkonzernen verbreiteten Medien-Informationen gefordert.
Verleger geben Facebook keine Likes: Medien fordern mehr Vergütungen für produzierte Inhalte.Quelle: Keystone

Die Fronten verhärten sich: Europäische Nachrichtenagenturen fordern eine bessere Vergütung für die von grossen Internetkonzernen verbreiteten Medien-Informationen. Gleichzeitig will Facebook nicht mehr für Videos bezahlen.

Von David Torcasso
am 14.12.2017

In einem gemeinsamen Aufruf haben neun europäische Nachrichtenagenturen am Donnerstag eine bessere Vergütung für die von grossen Internetkonzernen verbreiteten Medien-Informationen gefordert. Zugleich sagen Quellen aus Verlags- und Agenturkreisen, dass Facebook Publisher und andere Videoproduzenten nicht mehr dafür bezahlen will, Videos für den Newsfeed zu produzieren.

Der Appell wurde am Donnerstag von der französischen Zeitung «Le Monde» initiiert. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem die französische Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP), die Deutsche Presse-Agentur (dpa) und die österreichische APA.

Medienkonzerne ohne eigene Redaktion

So wolle Facebook nach eigenen Angaben der grösste Medienkonzern der Welt werden, heisst es in dem offenen Brief der Agenturen weiter. «Aber weder Facebook noch Google haben eine Redaktion oder nationale wie internationale Netzwerke zum Sammeln und Produzieren von Nachrichten.»

Die Internet-Konzerne, deren Attraktivität auch mit den von ihnen verbreiteten Gratis-Informationen zusammenhänge, machen «enorme Gewinne», betonen die Agenturen. Facebook etwa habe seine Gewinne 2016 auf zehn Milliarden US-Dollar verdreifacht. Google weise ein Geschäftsergebnis von 20 Milliarden Dollar aus und einen Umsatz von 90 Milliarden. Das verdankten die beiden Unternehmen vor allem ihren Werbeeinnahmen.

Facebook möchte nicht mehr für Videos zahlen

Zurückgeben wollen die Internetgiganten aber anscheinend nicht viel an die Produzenten von Inhalten: Mehrere amerikanische Verlage behaupten, dass Facebook Publisher und andere Videoproduzenten nicht mehr bezahlen möchte, um Videos für den Newsfeed zu produzieren. Das schreibt das britische Portal Digiday.

Im Rahmen der Deals, von denen die meisten bis Ende des Jahres auslaufen werden, mussten Content-Anbieter eine Mindestanzahl von Minuten pro Monat produzieren, um von Facebook bezahlt zu werden. Dazu gehörten sowohl On-Demand- als auch Live-Videos. Zusätzliche Anforderungen besagen, dass On-Demand-Videos mindestens 90 Sekunden lang sein müssen und Live-Videos mindestens sechs Minuten lang sein müssen – die Mindestanforderungen, unter denen Facebook Mid-Roll-Werbeunterbrechungen innerhalb dieser Videos testen kann. Das behaupten drei Quellen von Verlagsseite.

«Sie wollen die garantierte monatliche Mindestlizenzgebühr für die Produktion einer bestimmten Anzahl von Minuten nicht mehr vergüten», sagte ein Verleger, der seit 2016 Geld von Facebook erhält. «Sie wollen, dass jeder in das Mid-Roll-Programm einsteigt.»

Viele Stellen in Gefahr

Die Subventionen von Facebook begannen im Jahr 2016 mit der Entscheidung des Unternehmens, Verlegern und Videokünstlern Geld für die Produktion von Live-Videos zu zahlen. Zu Beginn hatte Facebook zugestimmt, im Laufe eines Jahres 50 Millionen Dollar an 140 Verlage und Videoproduzenten zu zahlen, darunter BuzzFeed (3,1 Millionen Dollar), The New York Times (3 Millionen Dollar), CNN (2,5 Millionen Dollar) und NowThis (1,5 Millionen Dollar), so wie auch das Wall Street Journal. Facebook bezahlte auch Prominente wie Kevin Hart, Michael Phelps und Gordon Ramsay, damit sie Facebook Live Videos veröffentlichen.

Die Subventionen veranlassten die Verlage, eigene Facebook Live-Teams zu bilden, um diese Inhalte zu produzieren. Die New York Times zum Beispiel hatte ein Team von sechs Mitarbeitern, die jeden Tag Live-Videos produzierten; Refinery29 sagte, dass es ein Team von zehn Leuten aufbaute, das sich auf Facebook Live konzentrierte. Diese Stellen stehen jetzt alle auf dem Spiel. Die Verschiebung veranlasse Verleger, die Anzahl der Video-Mitarbeiter, die sich auf Facebook Live fokussiert hatten, zu verringern, heisst es aus der Medienbranche. Einige lenken ihre Aufmerksamkeit nun auch auf andere Plattformen, darunter Twitter.

AMP ändert vieles

Nun scheint das Karma das Soziale Netzwerk von Mark Zuckerberg zu bestrafen. Google hat Facebook nämlich als grössten Traffic-Lieferant für Publisher inzwischen abgelöst. Noch 2016 lag Facebook vorne, jetzt aber stammen 42 Prozent der Zugriffe auf Verlagsangebote vom Internetgiganten aus Mountain View, während die Konkurrenz aus Palo Alto nur noch auf rund 25 Prozent kommt. Das zeigen Untersuchungen der Analytics-Plattform parse.ly, die Daten von 2500 Publishern auswerten, und die sie auf ihrem Blog veröffentlichen.

Dabei wird die steigende Verbreitung des Formats AMP von Google als einer der Gründe genannt. Zugriffe via AMP nahmen seit Februar um fast 90 Prozent zu. AMP ist die Abkürzung für Accelerated Mobile Pages, hierbei handelt es sich um eine HTML-Variante, die die Darstellung von Webseiten auf Mobilgeräten beschleunigt und unter der Federführung von Google entwickelt wurde. Facebook setzt hingegen auf Video-Content, den es wie bereits erwähnt, nun anscheinend nicht mehr vergüten möchte.

Googles Digital News Initiative auch in der Schweiz

Bei Google besteht eine gegenseitige Abhängigkeit mit den Medien, wobei auch hier die Macht des kalifornischen Internetkonzerns spürbar ist. Damit Angebote von Publishern auf der Suchmaschine gefunden werden, müssen Medienhäuser diese auch entsprechend aufbereiten. Mit der «Digital News Initiative» möchte Google den Journalismus mit 150 Millionen Euro unterstützen, und hat diese Woche einen Teil an 102 Projekte in 26 Länder gegeben. Dabei werden auch Schweizer Projekte mit einer halben Million Franken unterstützt. Trotzdem geht es auch bei Google auch um den Mittel zum Zweck: Durch Content benutzen mehr User die Suchmaschine aktiver und damit kann das Unternehmen zusätzliche Werbe-Einnahmen generieren. 

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