Die beiden grössten Zementhersteller der Welt haben den Endspurt zur umfangreichsten Fusion in der Geschichte der Branche eingeläutet. Holcim aus der Schweiz und Lafarge aus Frankreich einigten sich am Samstag auf die Konditionen für einen Zusammenschluss, wie die Zeitung «Le Figaro» berichtete.

Damit würde ein Branchenprimus mit einem Marktwert von rund 40 Milliarden Euro entstehen. Bereits am Freitag hatten beide Konzerne mitgeteilt, sie befänden sich in fortgeschrittenen Verhandlungen über einen Zusammenschluss unter Gleichen. Die grösste Fusion in Europa seit der Übernahme von Xstrata durch Glencore im vergangenen Jahr dürfte aber die Wettbewerbshüter auf den Plan rufen.

Neuer Konzernsitz in der Schweiz

Sowohl in den USA als auch in Europa würde ein aus Holcim und Lafarge hervorgegangener Branchenriese den Markt dominieren. Mit dem Zusammenschluss entstünde ein Konzern mit weit mehr als 100´000 Mitarbeitern und einem Umsatz von über 30 Milliarden Euro. Die Konzerne wollen gemeinsam Kosten sparen und Schulden abbauen. Aus einer gestärkten Position heraus wollen sie zudem auf steigende Energiekosten und eine sinkende Nachfrage reagieren, die die Branche seit 2008 gebeutelt hat.

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«Le Figaro»berichtete weiter, Weltmarktführer Holcim würde ein öffentliches Gebot für Lafarge vorlegen und wolle für die Nummer zwei der Branche vollständig in Aktien bezahlen. Der neue Konzern solle seinen Hauptsitz in der Schweiz haben, weitere Führungszentren aber sowohl in Frankreich als auch in der Schweiz behalten. Lafarge-Chef Bruno Lafont soll demnach Chef des künftigen Branchenriesen werden, während der Chairman aus der Schweiz kommen soll. Die Zeitung nannte keine Quellen für ihre Information, die Unternehmen waren zunächst nicht für eine Stellungnahme zu dem Bericht zu erreichen.

Geschäft ergänzt sich

Holcim und Lafarge erklärten zuvor, dass bisher noch keine Übereinkunft zwischen den Unternehmen erzielt worden sei. Es gebe keine Gewissheit, dass die Gespräche tatsächlich zu einer Vereinbarung führten. Sie warben aber zugleich für ihre Pläne mit der Begründung, dass sich ihre Geschäfte gut ergänzten.

Lafarge ist Natixis-Analyst Abdelkader Benchiha zufolge in Afrika und im Nahen Osten stark, Holcim dagegen in Lateinamerika. Schwellenländer sind der Wachstumsmotor der Zementbranche, weil sie angesichts des starken Bevölkerungswachstums viele Wohnhäuser, Strassen und Dämme bauen.

Trotz der dominierenden Stellung des neuen Riesen in Europa und den USA könnte eine Fusion der gebeutelten Branche neuen Schub geben. Durch den Abbau von Überkapazitäten dürften auch Firmen wie die deutsche HeidelbergCement auf ein Ende des harten Preiskampfs hoffen. Zudem könnten Holcim und Lafarge von den Wettbewerbsbehörden gezwungen werden, Filetstücke aus den Geschäftsportfolios auf den Markt zu werfen.

Kartellwächter nehmen weitere Zukäufe unter die Lupe

Natixis-Analyst Benchiha zufolge hätte Lafarge-Holcim in den USA, Kanada, Brasilien und Frankreich eine marktbeherrschende Stellung. Morningstar-Analystin Elizabeth Collins macht in Deutschland, Frankreich, Spanien, Tschechien, Rumänien und Serbien Überlappungen aus. Ein Verkauf von Produktionswerken und Verteilzentren dürfte allerdings Zeit in Anspruch nehmen.

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Selbst verschiedene kleinere Transaktionen in der Branche waren zuletzt auf Widerstand der Wettbewerbshüter gestossen, warnte ein Analyst. So nehmen die Kartellwächter den geplanten Beteiligungstausch von Holcim und der mexikanischen Cemex in Europa unter die Lupe. Holcim will in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden Geschäftsteile von Cemex übernehmen.

Im Gegenzug soll die tschechische Holcim-Tochter Csesko an Cemex verkauft werden.
Die Spekulation auf die Elefantenhochzeit verlieh zum Wochenschluss der ganzen Branche Rückenwind an der Börse. Neben Lafarge- und Holcim Aktien stiegen auch die Anteilsscheine von HeidelbergCement, CRH aus Irland sowie Buzzi Unichem und Italcementi aus Italien. 

(reuters/me)