Die Mediengruppe Tamedia hat im vergangenen Geschäftsjahr 2015 das schwierige Umfeld für Printwerbung erneut zu spüren bekommen. Die forcierten Digitalaktivitäten vermochten den Umsatzrückgang im traditionellen Kerngeschäft nicht vollumfänglich zu kompensieren. Der Gewinn liegt dank der Neubewertung der Beteiligung an search.ch aber weit über dem Vorjahr.

Der Umsatz der diversifizierten Mediengruppe nahm in der Berichtsperiode um 4,5 Prozent auf 1064 Millionen Franken ab. Der Ebitda nahm zwar leicht um 1,2 Prozent auf 243,3 Millionen zu; der Ebit dagegen verringerte sich um 23 Prozent auf 130,6 Millionen und die entsprechende Marge auf 12,3 Prozent nach 15,3 Prozent im Vorjahr.

Abschreiber drückt auf Ebit

Als Grund für den starken Ebit-Rückgang nennt Tamedia in einer Mitteilung vom Dienstag Wertminderungen auf Goodwill in der Höhe von 40,3 Millionen. Der Wertminderungsbedarf habe sich mehrheitlich aus der 2015 schlechter als erwartet ausgefallenen Entwicklung in den Geschäftsfeldern Publizistik Regional und National und bei einzelnen Digitalgesellschaften sowie den in der Folge angepassten Wachstumsprognosen ergeben.

Der Gewinn schliesslich hat sich mehr als verdoppelt auf 334 Millionen Franken. Die starke Zunahme ist dabei insbesondere auf die Neubewertung der Beteiligung an search.ch zurückzuführen. Diese führte zu einem Aufwertungsgewinn von 210,2 Millionen. Am Gewinn beteiligt werden auch die Tamedia-Mitarbeitenden – mit fast 6300 Franken pro 100-Prozent-Stelle. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das in etwa einer Verdreifachung. 2014 wurden 2500 Franken pro Person und Vollzeitstelle als Gewinnbeteiligung bezahlt.

Unveränderte Dividende

Die Aktionäre sollen am Ergebnis mit einer unveränderten Dividende von 4,50 Franken partizipieren.

Die vorgelegten Zahlen liegen bezüglich Umsatz und insbesondere Ebit unter den Markterwartungen. Die ZKB bzw. Baader Helvea hatten einen Umsatz von 1,09 Milliarden bzw. 1,07 Milliarden, einen Ebit von 157 Millionen bzw. 162 Millionen und einen Gewinn von 311 Millionen bzw. 328 Millionen Franken prognostiziert.

Digitale Wachstumskinder

Der Bereich Publizistik Regional verzeichnete ein Umsatzminus von 7,2 Prozent auf 520 Millionen. Als Grund wird insbesondere der rückläufige Werbemarkt genannt. Der Bereichs-Ebitda verminderte sich um 21 Prozent auf 81,8 Millionen. Publizistik National setzte 376 Millionen um und damit 6,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch hier belastete der rückläufige Werbemarkt. Der Ebitda nahm um 12 Prozent auf 72,5 Millionen ab.

Erneut gewachsen sind die Digitalaktivitäten. Der Umsatz des Bereiches erhöhte sich um 4,9 Prozent auf 221 Millionen, der Ebitda verbesserte sich um 13 Prozent auf 70,4 Millionen. Die Entwicklung des Geschäftsfeldes Digital sei wesentlich durch die umsatz- und kostenmässige Dekonsolidierung von search.ch per 9. Juli 2015, die Erstkonsolidierung der Ricardo-Gruppe per 8. September 2015 sowie die erstmalige Berücksichtigung von Doodle, home.ch und trendsales.dk während einer ganzen Berichtsperiode geprägt worden.

Digitale Gewinne

Auf Pro-forma Basis erziele Tamedia nun bereits 28 Prozent des Umsatzes und 38 Prozent des Ebit mit kommerziellen und publizistischen Digitalangeboten. Das strategische Ziel, 50 Prozent des Ebitda-Ergebnisses mit digitalen Angeboten zu erzielen, dürfte durch die ganzjährige Konsolidierung der Ricardo-Gruppe sowie durch die Beteiligung an der Swisscom Directories AG bereits 2016 erreicht werden.

Einen darüber hinausgehenden Ausblick auf das laufende Jahr gibt Tamedia wie gewohnt nicht.

(awp/ise/ama)

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